Meine erste Probefahrt eines elektrischen Fahrzeuges nach dem großen Corona-Lockdown fand in einem Mercedes-Benz eVito Tourer statt. Vor den Toren Spandaus, also westlich von Berlin, konnte ich erstmals den elektrischen Transporter – den eVito Tourer testen. Spoiler alert: das bis auf neun Personen ausgelegte Elektro-Nutzfahrzeug hat mich vollends überzeugt.

Post Corona – die Sicherheitsvorkehrungen der Daimler Mitarbeiter für die Probefahrt des eVito Tourers haben es in sich

Das Thermometer zeigte angenehme 22 Grad Celsius, knapp unterhalb der Normaltemperatur von 24° im Berliner Sommer. Da stand er, auf dem Hof der Mercedes-Benz Niederlassung in Spandau, der silberfarbige eVito Tourer, den ich an diesem Nachmittag auf seine Fahrtüchtigkeit erproben sollte. Einmal komplett desinfiziert, die Daimler Kollegen nahmen es sehr genau an diesem Dienstag. Von daher waren in diesen Tests, die sich über zwei Tage erstreckten, auch nur sehr wenige Pressevertreter geladen. Safety first, eigentlich ein ganz gutes Motto für ein Nutzfahrzeug – denn es ging ja neben der Desinfektion auch um Fragen wie die Reichweite, Lademöglichkeiten und Handling des eFahrzeuges.

Das Dieselmodell des Mercedes-Benz Vito ist bislang ein echter Verkaufsschlager im deutschen Mittelstand

Er ist ein ausgewiesener Transport Spezialist für Handwerk, Handel und Service. Das Dieselmodell des Mercedes-Benz Vito war in den vergangenen Jahren ein echter Verkaufsschlager. Der Vito gilt unter den Transportern mittlerer Größe schon viele Jahre lang als vielseitig einsetzbares Nutzfahrzeug des Mittelstands und wurde seit seiner Einführung im Herbst 2014 bereits mehr als 500.000 Mal verkauft.

Die Neuauflage des Transporters bringt jetzt zusätzlich zu diversen Dieselmodellen des Mercedes-Benz Vito den lokal emissionsfreien eVito Tourer (Stromverbrauch kombiniert: 26,2 kWh/100 km). Diverse Neuheiten im Infotainment-Bereich und bei den Assistenz-Systemen sowie Aufwertungen beim Design runden das überarbeitete Fahrzeug ab. Mein Fokus bei der Probefahrt galt, das ist ja irgendwie klar, dem elektrischen Mercedes-Benz Transporter.

Der Wettbewerb im Segment der elektrischen Nutzfahrzeuge ist voll entfacht

Um den Verkehr auf der letzten Meile zukünftig emissionslos zu gewährleisten, ist der rein elektrische Antrieb im mittleren Marktsegment für Transporter Fahrzeuge die logische Konsequenz. Mercedes-Benz Vans hat mit dem eVito Transporter im Jahr 2018 und dem eSprinter im Jahr 2019 eine Vorreiterrolle im Premiumsegment für lokal emissionsfreien, gewerblichen Güterverkehr im urbanen Raum übernommen. Allerdings ziehen die Wettbewerber im Segment der elektrischen Transporter und Lieferfahrzeuge eifrig nach. Der Renault Master Z.E. und der Opel Vivaro-e sind elektrische Wettbewerber von den großen Nutzfahrzeugherstellern. Auch von GM kommt ein elektrischer Van mit dem Codenamen BV1, der Ende 2021 in Produktion gehen soll. Er wird gemeinsam mit den Paketdienstleistern UPS und dem eCommerce Riesen Amazon entwickelt.

Wer sind die Kunden und deren Einsatzbereiche für den Mercedes-Benz eVito Transporter?

In dem Premiumsegment der Transporter für die urbanen Ansprüche werden die neu vorgestellten eVito Tourer vor allem als Hotelshuttle, als Großraumtaxi oder Fahrzeug für Ride-Sharing-Dienste eingesetzt. „Der neue Mercedes-Benz eVito Tourer setzt Maßstäbe in seinem Segment hinsichtlich Alltagstauglichkeit. Dank Schnellladefunktion und einer Reichweite von 421 Kilometern ist er flexibel einsetzbar und bietet unseren Kunden eine hohe Nutzbarkeit. Mit ihm unterstreichen wir unsere Vorstellung für einen lokal emissionsfreien Van“, erläutert mir Benjamin Kaehler, Leiter eDrive@VANs bei Mercedes-Benz Vans, vor meiner Abfahrt.

Unweigerlich fällt mir das Tourismussegment als besonders von der Corona-Krise betroffene Branche ein. Doch schnell wird einem klar, dass gerade ein eVito Tourer Shuttle, mit besonderen Reinigungsstandards eines Hotels ausgestattet, natürlich ‘gefühlt’ das sicherere Transportfahrzeug für die Gäste ist, als der Linienbus des ÖPNV der jeweiligen Stadt. Dazu passend war mein Fahrzeug vor der Abfahrt voll-desinfiziert worden, die Daimler Mitarbeiter hatten hier ganze Arbeit geleistet.

Bildrechte: Michael Brecht – frisch desinfiziert der Mercedes-Benz eVito Tourer Transporter für die Probefahrt im Havelland

Die Optik des Mercedes-Benz eVito Tourers ist gleich dem Verbrennerfahrzeug

Vor der Abfahrt ins Havelland ein paar Infos zum Fahrzeug. Der neue Mercedes-Benz eVito Tourer übernimmt die eigenständige Optik des Vito mit Verbrennungsmotor. Einzig das eVito Schild zeigt dem Betrachter die Besonderheit dieses Fahrzeuges.

Der neue Mercedes-Benz eVito Tourer (Stromverbrauch kombiniert: 26,2 kWh/100 km; CO2-Emissionen kombiniert: 0 g/km) – Exterieur

Unter seiner Front sitzt der elektrische Antriebsstrang (eATS), der mit einer Spitzenleistung von 150 kW die Vorderräder antreibt. Die E-Maschine, das Getriebe mit fester Übersetzung, das Kühlsystem sowie die Leistungselektronik bilden dabei eine kompakte Einheit. Die Energie wird in einer Lithium-Ionen-Batterie im Unterboden des Fahrzeugs gespeichert. Ihre tiefe und zentrale Anordnung wirkt sich positiv auf das Fahrverhalten des eVito Tourer aus. Die Höchstgeschwindigkeiten von 140 km/h in Serie und 160 km/h als Sonderausstattung sollen auch abseits des Stadtverkehrs ein zügiges Vorankommen gewährleisten.

Der Innenraum des eVito Vans ist wie gewohnt luxuriös und geräumig

Und so bin ich bei meinem Einstieg in den Tourer reichlich überrascht, dass der Innenraum sich auf den ersten Blick überhaupt nicht von der klassischen Dieselvariante unterscheidet. Durch die Unterbringung der Batterie im Unterboden steht der Innenraum uneingeschränkt zur Verfügung. Und das ist gerade in dieser Tourer Variante wichtig, denn die Personenbeförderung setzt auf hohe Ansprüche an Funktionalität und Variabilität.

Der eVito Tourer kann in zwei unterschiedlichen Längen geordert werden: zunächst mit einer Gesamtlänge von 5,14 Metern sowie als extralange Version, die auf 5,37 Meter kommt. Taxiunternehmen profitieren somit etwa von den vielfältigen Sitzkonfigurationen. Mit zwei Sitzbänken im Fond wird der eVito Tourer zum komfortablen Shuttlefahrzeug. Durch seine flexiblen Sitz-Konfigurationen lässt sich der elektrische Van mit bis zu neun Sitzplätzen oder einer Vis-à-vis-Bestuhlung ausstatten.

Bildrechte: Michael Brecht – eVito Tourer von Mercedes-Benz

Die Mercedes-Benz Infotainment Funktionen erinnern eher an einen Pkw denn ein Nutzfahrzeug

Nach den letzten Einweisungen des Daimler Kollegen mache ich mich in meinem silbernen eVito auf. Der Blick auf das Armaturenbrett zeigt die Mercedes-Benz typischen Anordnungen. Allerdings denkt man anhand des vorhandenen Angebotes bei den Infotainmentsystemen eher an eine E-Klasse, als an ein Nutzfahrzeug. Das digitale Radio, das Audio 10 über ein Bluetooth® Interface mit Freisprechfunktion oder zum Streamen von Musik, die Connectivity für mein Smartphone über die USB-Schnittstelle. Über einen 7-Zoll-Touchscreen mit Smartphone Integration über Apple CarPlay™ und Android Auto™ bleibt kein Wunsch offen. Gut das ist kein Display ‘à la Tesla’, aber wir sprechen hier letztlich von einem Nutzfahrzeug – Punkt.

Ab Frühjahr 2021 fährt die Zukunft im eVito mit an Bord

Ein besonderes Highlight mit aktuellem Alleinstellungsmerkmal im Segment ist der digitale Innenspiegel, der ab Frühjahr 2021 verfügbar sein wird. Ich kenne diese digitalen Innenspiegel bereits vom großen Bruder, dem Daimler Lkw Actros – bei dessen Einführung ich vor einigen Monaten in Barcelona dabei sein konnte.

Der digitale Innenspiegel im eVito Transporter überträgt das Bild von der HDR-Kamera in der Heckscheibe auf das Display des Spiegels, der so auf die gleiche Weise genutzt werden kann wie ein konventioneller, optischer Innenspiegel – auch wenn Koffer- oder Laderaum bis unters Dach vollgestapelt sind. Der Vorteil: Der Blick auf das Geschehen hinter dem Fahrzeug wird nicht durch Kopfstützen, Mitfahrer oder andere Blickhindernisse eingeschränkt. Die auf der Innenseite der Heckscheibe montierte Kamera überträgt ein doppelt so breites Sichtfeld wie ein konventioneller Innenspiegel, der durch die Fensterfläche begrenzt wird. Ein klares Sicherheitsplus für den digitalen Innenspiegel.

Vier Fahrmodi stehen zur Auswahl – einer davon überzeugt besonders

Zurück zu meiner Fahrt in Richtung Havelland. Vor meinem Start hatte ich einen der zur Verfügung stehenden vier Fahrmodi gewählt. Während meiner Fahrt kann ich dann über Schaltwippen an der rechten Seite des Lenkrades die Rückgewinnung von Energie einstellen. Hier lässt sich zum Beispiel, quasi vergleichbar dem Einpedal System anderer Elektroauto Hersteller, das Fahren nur über das Gaspedal einstellen.

Überzeugt hat mich hier vor allem die ‘D-Auto’ Funktion. Hier richtet sich die Rekuperation nach den jeweiligen Verkehrsverhältnissen. Erkennt der eVito zum Beispiel über das Abstandsradar ein Fahrzeug vor sich, so verzögert er stärker. Das sorgt für eine optimale Rekuperation und koordiniert gleichzeitig den Fahrfluss. Interessanterweise ist diese Funktion auch eine der Lieblingsneuheiten des Daimler Produktmanagers für den eVito, Markus Reis, wie er mir auf Rückfrage mitteilt.

Welche Reichweite und Lademöglichkeiten offeriert der eVito Tourer?

Der elektrische Vito soll nach Auskunft der Daimler Mitarbeiter eine Reichweite von bis zu 421 Kilometern erreichen. Dieser Wert ist für die Zielgruppe der Taxiunternehmer und Transportfahrer vollkommen ausreichend. Gegen einen Aufpreis lässt sich der eVito mit bis zu 110 kW starkem Gleichstrom schnell laden. Serienmäßig ist der On-Bord-Lader für 50 kW ausgelegt. Mit 110 kW soll er dann in etwa 45 Minuten von 10 auf 80 Prozent der Batteriekapazität kommen. 

Die Ladevorrichtung des eVito ist neu im vorderen linken Bereich des Fahrzeuges untergebracht. Hier öffnet sich die Klappe durch leichten Druck und ermöglicht so das Zuführen des Ladekabels.

Bildrechte: Michael Brecht – die Ladevorrichtung des eVito Tourer

Was kostet der Mercedes-Benz eVito Tourer?

Der batterieelektrisch angetriebene Mercedes-Benz eVito Tourer fängt preislich ab 53.990 Euro (zzgl. MwSt.) an. Darin enthalten sind die Wartungskosten für vier Jahre. Ein Batterie-Zertifikat gilt für acht Jahre und deckt eine Fahrleistung von 160.000 Kilometern ab.

Mein Fazit zu dieser Probefahrt im elektrischen Vito Transporter von Mercedes-Benz

Meine Testfahrt über eine gut befahrene Schnellstraße, die Autobahn und die so typischen Brandenburger Alleen vergeht wie im Flug. Das leichte Surren des elektrischen Antriebes, die sehr gute Rundumsicht und das stete ‘Spiel’ mit der Rekuperation verdecken die Tatsache, dass ich in einem Nutzfahrzeug unterwegs bin. Diese Probefahrt hatte etwas sehr Entspanntes an sich.

Anmerkung: Meine Fahrtkosten nach Berlin für die Veranstaltung wurden von Mercedes-Benz übernommen.