Sie sind preisgünstiger als ein Transporter oder Van. Die lästige Parkplatzsuche in den Innenstädten entfällt und man benötigt keinen Führerschein. Für viele fortschrittliche Verkehrsplaner sind sie das Verkehrsmittel der Zukunft: für Gewerbetreibende und für Familien zugleich. Die Rede ist vom Lastenfahrrad, heutzutage mit elektrischer Unterstützung und dank Akku ohne große Kraftanstrengung zu bewegen. Sie sind ein Bestandteil der innovativen Angebote der Mikromobilität – und sie sind Erfolgsbeispiele für die Mobilität der Zukunft in unseren Städten.

Ich habe mich nach Stuttgart aufgemacht und dort bei Annika Schmidt nachgefragt, wie sie bei der Auswahl ihres E-Lastenrades vorgegangen ist und wie die Erfahrungen nach den ersten Monaten sind.

Unser Interview zur Auswahl und zum Einsatz eines elektrischen Lastenrades als familien- und umweltfreundliche Mobilitätslösung

eMobilitätBlog: Hallo Annika, danke zunächst einmal, dass du dir ein wenig Zeit für mich nimmst. Es geht um euer jüngstes Familienmitglied, wenn man so möchte, euer E-Lastenrad. Wie bist du bei der Auswahl eures elektrischen Lastenrades vorgegangen?

Annika: Mein Mann und ich haben in unserem Freundeskreis und im Umfeld in Stuttgart bemerkt, dass immer mehr elektrische Lastenräder mit der Geburt des zweiten Kindes in den Familien auftauchen. Während man beim ersten Kind noch mit einem Kindersitz auf dem eigenen Fahrrad auskommt, so ist ab dem zweiten Kind eine Erweiterung auf ein Lastenbike sinnvoll. Dieses Transportmittel kann dann entweder mit zwei oder drei Rädern ausgestattet sein.

Ein E-Lastenrad kann ja die Kinder oder auch die Einkäufe, wie beispielsweise Getränkekisten, grundsätzlich hinter oder vor dem Fahrer aufnehmen. Auch mit dem Anhänger kann man ja die kids oder die Einkäufe transportieren. Allerdings kam das für uns aus Sicherheitsgründen in der vielbefahrenen Innenstadt nicht in Betracht. Wir haben uns dann für ein Lastenrad mit einer Transportbox vor dem Fahrer entschieden. Der Grund dafür war, dass wir unseren vierjährigen Sohn und unsere einjährige Tochter so während der Fahrt immer im Blick halten können.

Bildrechte: Annika Schmidt – Erfahrungsbericht beim Kauf eines E-Cargobikes

Wie findet man das passende E-Lastenrad für die Familie?

eMobilitätBlog: Dann erklärt uns mal, wie ihr euer Lieblings-Lastenrad gefunden habt.

Annika: Nun, ausschlaggebend war tatsächlich die Box für den Transport der Kinder oder der Einkäufe, oder eben auch für Beides zugleich. Wir wollten eine Ladebox haben, die groß genug für unsere zwei Kinder ist. Diese Tatsache schränkte bereits die Auswahl der verfügbaren Lastenräder ein. 

Wir haben uns dann auf die Suche nach einem Fachhändler gemacht. Dabei machten wir die Erfahrung, dass die meisten Händler ihre Stammmarken haben, einige Hersteller von Lastenrädern werden jeweils stark bevorzugt. Das ist ja grundsätzlich ok, denn die Händler wollen ja auch ihren Fokus auf bestimmte Lastenbikes nicht verlieren. Den wirklich entscheidenden Hinweis auf ein E-Lastenrad bekamen wir dann allerdings bei einem Händler, der uns sagte, dass es zwar bei dem vorgeschlagenen Lastenbike selbst keine große Transportbox gäbe, dass jedoch von einem Boxhersteller ein Zusatzprodukt gekauft werden und dann angebracht werden könne. Hier gab es sogar Kindersicherungen im Umfang mit drin – plötzlich stimmte für unsere Bedürfnisse alles. Ein zugkräftiges sportliches E-Lastenrad und ein perfekter Transportkasten nach unseren Vorstellungen.

Drei Hersteller von E-Cargobikes kamen in die nähere Wahl mit ihren elektrischen Zweirädern

Bei den Herstellern haben wir uns tatsächlich viele Optionen angesehen. Hier ein kurzer Überblick der E-Lastenräder, die für uns in die nähere Auswahl kamen:

  • Riese und Müller mit seinem mittelgroßen E-Lastenrad Packster 60
  • Urban Arrow, das gerade in Stuttgart viel zu sehen ist
  • eBullitt von Larry vs Harry aus Kopenhagen– dieser Hersteller kommt ursprünglich aus der urbanen Zustellung, dessen Bikes früher ohne Elektromotor ausgestattet waren 

Wir haben uns dann nach ausführlichen Probefahrten für ein Bullitt E-Lastenrad entschieden und von einem externen Händler (Rad3 in Leipzig) eine größere Transportbox anfertigen lassen. Das elektrische Lastenrad von Bullitt ist sehr schnittig, denn es ist eigentlich für sportliches Fahren ausgelegt. Alle Wettbewerber unserer näheren Auswahl sind gute Lastenräder, aber mit dem Bullitt hat man fast ein Rennradfeeling, halt mit einer entsprechenden Länge. Wichtig ist natürlich auch die Betrachtung der Anforderungen hier bei uns in Stuttgart, denn es ist recht hügelig. Manchmal muss man aus dem Stand heraus vor einer Ampel stark bergauf antreten, und spätestens hier macht sich ein sehr agiles und spurtkräftiges E-Lastenrad bezahlt. Wir haben dafür bewusst die starke Motorisierung gewählt, das muss man nicht unbedingt in Hamburg oder Kiel haben, doch hier bei uns in Stuttgart gibt es wirklich Sinn. Unser Händler hat die zusätzlich bestellte große Transportbox montiert und dann waren wir startklar. 

Wofür nutzt eine Familie mit zwei Kindern das elektrische Lastenrad?

eMobilitätBlog: Wofür nutzt ihr das eLastenrad nun wirklich?

Annika: Für mich ersetzt das Lastenrad tatsächlich das Zweitauto. Ich nutze unser Rad zum Kindertransport zum Beispiel in den Kindergarten oder ins Freibad. Ich verbinde damit unsere Einkäufe und mache auch das Einkaufen ohne Kinder, denn ich habe eine Plane, mit welcher ich die gekauften Dinge abdecke. Unser 4-Jähriger fährt inzwischen selbst Rad und wenn es einmal zu weit für ihn ist, dann kann das Kinderrad einfach auf die Transportbox gespannt werden. Wichtig ist die Beweglichkeit und damit das Handling in der Innenstadt. Unser E-Lastenrad reagiert sehr schnell und hat einen tollen Wendekreis.

eMobilitätBlog: Wie groß ist aus eurer Erfahrung die tatsächliche Reichweite des E-Lastenrades?

Annika: Wir haben uns ja, wie bereits oben beschrieben, für den stärkeren Shimano Motor bei unserem Bullitt Lastenrad entschieden. Die Angaben des Herstellers sowohl für Stuttgart, als auch für die Fahrten im Umland stimmen schon. Die Batterie hält unterschiedlich lang, mit kleineren Stufen fahren wir eine Reichweite von gut 100 Kilometer. 

Bildrechte: Annika Schmidt – Interview zum Kauf eines E-Lastenrades

Das Fazit von Annika aus Stuttgart zur Auswahl und zum Einsatz des elektrischen Lastenrades

eMobilitätBlog: Euer Fazit zum neuen Familienmitglied, dem Bullitt E-Lastenrad?

Annika: ich gebe es ja gerne zu, ich hatte am Anfang durchaus ein paar Bedenken, weil die Kinder ja in der Transportbox recht tief sitzen. Die haben sich aber schnell verflüchtigt, denn die Autofahrer nehmen einen anders wahr, fahren vorsichtiger und mit mehr Abstand an einem vorbei, als bei einem herkömmlichen Zweirad.

Letztlich hat uns auch die Förderung der Lastenräder in Stuttgart überzeugt, denn wir bekamen 1200 Euro des Kaufpreises ersetzt. Inzwischen ist in Stuttgart die Förderung etwas zurückgefahren worden (auf 1000 Euro), aber im Vergleich zum Auto ist das immer noch die wesentlich günstigere, und natürlich ökologisch sinnvollere Alternative. Der Markt für gebrauchte E-Lastenräder zeigt übrigens, dass die Bullitts einen sehr guten Wiederverkaufswert haben.

Technische Details zum Bullitt E-Lastenrad

Hersteller: Larry vs Harry aus Kopenhagen

Technische Daten des Lastenrades

Länge: 243cm

Gewicht: 32Kg

Transportkapazität 200 kg (inkl. Fahrer)

Radgröße: Vorne 20″ / Hinten 26″

Bereifung: Schwalbe Marathon/Kojak

Antrieb: Kette

Rahmen: T6 hitzebehandeltes 7005er Aluminium, designed für den Shimano STePS e8000 Motor

Pedelec Motor: Mittelmotor; 2,8kg Gewicht. 250W/70Nm Leistung/ Drehmoment max. output

Batterie / Akku: Hohe Kapazität, 504Wh und kurze Ladezeit von nur 4 Stunden; 2.62kg

Schaltung: XT di2 (elektronisch)

Bremsen: Shimano Zee 4-Kolben hydraulische Scheibenbremsen, 180mm Shimano Bremsscheiben

Kickständer: Aluminium mit austauchbaren Hartkunststoff-Füßen

Wir danken dir Annika für deine Zeit und die tollen Bilder, die wir von dir erhalten haben. Viel Spaß weiterhin mit eurem elektrischen Lastenrad, der derzeit boomenden Alternative zum Auto in unseren urbanen Zentren.

Bildrechte: Annika Schmidt, Stuttgart