Man sagt mir zurecht eine gewisse Nähe zu den neuen Geschäftsmodellen aus der Schweiz nach. Das liegt sicherlich auch an meinen drei Jahren als CEO des Terminplaners Doodle in der TX Gruppe. In der jüngsten Vergangenheit arbeite ich mit Kollegen der Hochschule St.Gallen HSG und dem dortigen Institut für Mobilität an Mobility-Lösungen.

Denn vor allem die urbane Mobilität steht vor enormen Herausforderungen. Unsere Städte kämpfen mit überfüllter Infrastruktur, während die Bürger unter Lärm, Luftverschmutzung und den schädlichen Auswirkungen von Kohlenstoff-Emissionen leiden. Die Zunahme des Individualverkehrs in der Zeit von COVID-19 hilft dabei sicherlich nicht.

Schweizer Anbieter von Leichtelektrofahrzeugen expandiert

Jetzt kommt mit dem Schweizer Startup Enuu ein Anbieter von Mikromobilitäts-Dienstleistungen nach Berlin. Seit 2016 hat es sich die Enuu AG zur Aufgabe gemacht, die Zukunft der urbanen Mobilität voranzutreiben und hat deshalb den ersten Micro-Mobility-Sharing-Service auf Basis von Light Electric Vehicles (LEVs) gestartet. Enuu (dessen Name sich aus den englischen Wörtern für “effizient” und “neu” ableitet) ist der erste Mikromobilitätsdienst, der auf gemeinsam genutzten, leichten Elektrofahrzeugen mit vier Rädern und einer vollen Karosserie (genannt E-Pods) basiert. Er bietet eine Lösung für Menschen, sich effizient, komfortabel und kostengünstig innerhalb von Städten zu bewegen, ohne dass den Städten selbst Kosten entstehen.

Die Expansion von Enuu nach Berlin

In Berlin gibt es derzeit ein reichhaltiges Ökosystem an Mobilitätsplattformen, sei es in Form von E-Scootern, Sharing von E-Mopeds und Elektrofahrrädern oder Carsharing-Diensten. Unter den Anbietern der Micromobility Dienste sind mit TIER, VOI, Lime, Bird oder emmy viele Startups, die in der Hauptstadt um die Gunst der Nutzer kämpfen. Und jetzt kommen die Schweizer namens Enuu.

“Nach drei Jahren in der Schweiz (Basel, Biel und Zürich) blicken wir nun voller Zuversicht auf den geplanten Start Anfang April, zunächst nur in den Bezirken Berlin-Kreuzberg und Teilen von Berlin-Mitte, und arbeiten bereits fleißig an unserer Flotte von Enuu-E-Pods.”

Die in Berlin noch unbekannte Fahrzeugklasse der E-Pods bietet jedoch die perfekte Mischung aus E-Bikes und konventionellen Autos und ist damit eine echte Alternative zum derzeitigen Angebot in innerstädtischen Ballungsräumen. Die Fahrzeuge selbst wiegen etwa 180 kg, haben die Maße 1920 x 930 x 1550 (L x B x H) und eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 30 km/h. Sie bieten zusätzlichen Schutz vor der kalten Witterung und Platz für Gepäck oder einen Beifahrer (letzteres ist nur in Deutschland möglich). In der Schweiz dürfen sie auf Radwegen gefahren werden, in Deutschland müssen sie auf die Straße und müssen auf Autoparkplätzen abgestellt werden. Da sie viel kleiner sind als Autos, ist dies auch eine große Chance zur Platzoptimierung – in der Tat passen 4 E-Pods in eine einzige Parklücke.

Wer ist das Mobility Startup Enuu?

Enuu wurde im März 2018 gegründet und trat nach einem erfolgreichen Beta-Test auf einem Universitätscampus im November 2018 in den Schweizer Markt ein, zunächst in der Stadt Biel. Ein zweiter Start fand dann im September 2019 in Zürich statt, beginnend mit 20 Fahrzeugen, die im März 2020 auf 120 erweitert wurden, und ein dritter Start in Basel folgte im September 2020.

Enuu hat inzwischen damit begonnen, seine Tätigkeit zu diversifizieren und zu erweitern. Tatsächlich ist die Firma nun auf dem Schweizer B2B-Markt, der auf dem B2C-System basiert, aber auf die Bedürfnisse der jeweiligen Firmenkunden zugeschnitten ist, sowie auf dem deutschen Markt gestartet.

Warum der deutsche Markt? Nun, ein genauerer Blick auf die Geschichte der Mitbegründer hilft, diese Frage zu beantworten. Yoann Loetscher und Luca Placi lernten sich 2011 während ihres Studiums der Fahrzeugtechnik an der Berner Fachhochschule kennen. Später arbeiteten beide für ein Jahr in der deutschen Automobilindustrie, im Fall von Luca bei der Porsche AG, im Fall von Yoann bei Daimler und Mercedes Benz. In dieser Zeit erkannten sie das Potenzial einer Mobilitätsplattform in der europäischen Automobilindustrie und gingen dann eben 2018 it einem eigenen Produkt an den Start.

Jetzt beginnend mit Berlin im April dieses Jahres, bietet Enuu jedem über 18 Jahren, der einen Moped-Führerschein besitzt, ein neues, nachhaltiges und günstiges Fortbewegungsmittel in der Hauptstadt. Ich freue mich auf einen Test der elektrischen Leichtfahrzeuge im Frühling.