Felix Ballendat – Gründer von UrmO und der Besitzer des wohl weltweit einzigen elektrobetriebenen BMW Z3 Baujahr 1998 ist ein echter Tüftler! Wir sind auf ihn aufmerksam geworden, als der Business Insider in einem seiner Berichte titelte:

“27-jähriger Bayer, der einen BMW Z3 zum E-Auto umbaute und bei Tesla arbeitete, ist überzeugt, dass wir Elektroautos falsch denken.”

Bis dato ohne ein einschlägiges Studium und ohne Kenntnisse eines KFZ-Mechanikers, ist es ihm 2012 gelungen, aus einem BMW Z3 ein Elektroauto mit immerhin 200 Kilometer Reichweite zu bauen. Nach einem Praktikum bei Tesla, befindet sich Felix mittlerweile im Maschinenbau Master an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in München. Dort hat er mit Kommilitonen UrmO gegründet! UrmO ist eine Art E-Segway, der sich im Handumdrehen in Koffergröße zusammenfalten lässt und unseren Mobilitätsalltag flexibilisieren soll!

Wir haben uns gefragt: wer ist Felix Ballendat, einer der Gründer des Elektrofahrzeugs UrmO?

Wie kann es sein, dass er noch bevor die große Tesla-Welle die deutschen Autobauer erreichte, überhaupt nur auf die Idee kam, einen BMW Z3 in ein Elektroauto umzuwandeln?

Wieso schaffte Felix in Personalunion, was viele Autobauer bis heute nicht schaffen?

Wie war sein anschließendes Praktikum bei Tesla und wie tickt Tesla-Chef Elon Musk?

Was ist UrmO und wie sieht Felix die Zukunft der Elektromobilität?

Wir haben mit Felix gesprochen!

Hi Felix, wie kamst du bereits 2012 auf die Idee, ein Elektroauto aus deinem BMW Z3 zu basteln?

Besonders Elektromotoren haben mich von klein auf interessiert. Mit Beginn meiner Lehre zum CNC-Techniker habe ich angefangen, mir meine eigene Werkstatt aufzubauen. Dort habe ich auch meine ersten Elektromotoren entwickelt und gebaut. Die unzähligen Vorteile des Elektromotors habe ich genutzt und immer komplexere Maschinen gebaut. Für mich war von Anfang an klar, dass die Elektromobilität das Potential hat, die Lösung für viele unserer Mobilitätsprobleme zu sein. Vor fünf Jahren wollte ich also mit meinem bis dahin gesammelten Wissen unter Beweis stellen, dass es ohne Probleme möglich war, ein Elektroauto zu bauen, dass im Gegensatz zu den damals verfügbaren Elektrofahrzeugen ein vollwertiges Auto darstellt und über eine brauchbare Reichweite verfügt.

Was waren dabei die größten Herausforderungen und wie hast du sie gelöst?

Die größte Herausforderung bestand in dem großen Risiko, dass das ganze Projekt scheitert und damit nicht nur der BMW Z3 nicht mehr fahrtauglich, sondern auch die ganzen Investitionen für Akkus und Elektrokomponenten völlig umsonst gewesen wären. Viele Schritte des Projekts waren trotz einjähriger Planungsphase sehr schwierig einzuschätzen. Aus diesem Grund habe ich zunächst ein kleineres Umbauprojekt gestartet und mein Motorrad, eine Honda NSR, auf Elektroantrieb umgerüstet. Hier konnte ich alle Prozesse mit überschaubarem Risiko, von der Auslegung bis zur TÜV-Abnahme, schon einmal im Kleinen durchgehen. Die Überwindung den funktionsfähigen BMW komplett aufzuschneiden, um Platz für den Akku zu machen, war aber trotzdem sehr groß. Umso größer war aber auch die Erleichterung, als das Auto nach drei Monaten wieder gefahren ist – nur dieses Mal elektrisch.

Wie war dein Praktikum bei Tesla? Wie hat man sich den Arbeitsalltag dort vorzustellen?

Bei Tesla war ich in einem kleinen, international aufgestellten Team mit der Aufgabe betraut, den Prototyp für das Akkupack des Modell 3 mitzuentwickeln. Die Anforderungen waren sehr hoch und das Team top motiviert und unfassbar kompetent. In sehr langen Arbeitstagen haben wir am aktuellsten Stand der Technik gearbeitet. Ziel war es, ein Akkupack zu entwickeln, das sowohl die hohen Sicherheitsanforderungen einhält, als auch in einer automatisierten Fertigung gut hergestellt werden konnte. Das war für mich als privater Bastler eine ganz neue Herausforderung, bei der ich sehr viel für mein späteres Start-up UrmO lernen konnte.

Was hältst Du von Elon Musk und hattest du die Möglichkeit, ihn in einem persönlichen Gespräch kennenzulernen?

Elon Musk hat man immer wieder mal geschäftig durch die Bürogänge eilen sehen. Bei den wichtigen Meetings war er auch dabei. Besonders beeindruckt mich an ihm, dass er seine Visionen trotz aller Widersprüche durchsetzt, dass er einfach ein Macher ist!

Wie siehst Du die Zukunft der E-Mobilität, schaffen die deutschen Automobilhersteller noch die Wende?

Ich halte sehr viel von der deutschen Autoindustrie und den Köpfen dahinter, dennoch haben sie es verpasst, die richtigen Schritte in Richtung Elektromobiliät zu gehen. Die OEMs werden immer mehr zum visionslosen Systemlieferanten. Durch die starken Zulieferer ist das zwar für eine laufende Fertigung absolut sinnvoll, wenn man aber wirkliche Neuentwicklungen wie Elektroautos als Ziel hat, darf man nicht auf den Rest der Industrie warten, sondern muss die großen Schritte selber gehen. Besonders kritisch sehe ich, dass mit Bosch sich nun auch der letzte deutsche Hersteller aus der Entwicklung und Produktion von Autoakkus zurückgezogen hat und man damit komplett vom chinesischen Markt abhängig wird. Für die Automobilhersteller ist es noch nicht zu spät die Wende zur Elektromobilität zu schaffen, allerdings nur, wenn sie es selbst in die Hand nehmen, das damit verbundene Risiko eingehen und einschneidende Veränderungen umsetzen.

Was genau ist UrmO – wie ist das Projekt entstanden und wie ist der aktuelle Stand der Dinge?

UrmO ist ein elektrisch betriebenes Kleinstfahrzeug – ein Fahrzeug, dass für die letzte Meile in der Großstadt gedacht ist. Besonders durch das sehr geringe Gewicht von nur 6.5 kg, die Großen 14 Zoll Reifen und einen ausgefuchsten Klappmechanismus ist das Fahrzeug unübertroffen alltagstauglich.

Bei der Entwicklung haben wir es uns unter anderem auch zum Ziel gesetzt, zum einen ein Fahrzeug zu bauen, das möglichst vielen Leuten den Zugang zur Elektromobilität schafft und zum anderen technisch auf dem neusten Stand ist und zeigt, wozu Elektromobilität in der Lage ist.

Derzeit werden wir von der Hochschule München und dem Strascheg Center for Entrepreneurship gefördert. In unserem Büro in München entwickeln wir unser Fahrzeug und das Geschäftsmodell weiter. Der schwierigste Schritt ist es derzeit den Übergang vom Prototypen zur ersten Serie zu schaffen, damit wir das Fahrzeug bereits Ende diesen Jahres im Vorverkauf anbieten können.

Was sind Deine Hoffnungen für das Jahr 2018 in Sachen E-Mobilität?

Ich würde mir wünschen, dass die breite Masse der Gesellschaft aufgeschlossener gegenüber der Elektromobilität wird. Das heißt, weg vom Statussymbol getriebenen SUV und hin zum nachhaltigen Kleinwagen. Von der Autoindustrie erhoffe ich mir, dass der Dieselskandal und dessen Folgen endlich konkrete Schritte weg vom Verbrennungsmotor und hin zur flottendeckenden Elektromobilität bewirken. Besonders große Chancen sehe ich dieses und in den folgenden Jahren, aber vor allem für neue, innovative und revolutionäre Player auf dem Markt.

Hier könnt Ihr einen Blick auf den UrmO werfen: