Schon längere Zeit ist bekannt, dass die traditionsreiche, amerikanische Motorradmarke mit Sitz in Milwaukee und legendärem V-Twin-Motor ein elektrisches Motorrad auf den Markt bringen möchte. Die Entwicklung dauerte einige Zeit, aber das Ergebnis kann sich sehen lassen – dabei ist es noch nicht einmal die finale Version.

Tiefgreifende Veränderungen beim Motorradhersteller Harley Davidson

Zunächst ein paar Takte über die Firma selbst. Harley Davidson ist bekannt für Chopper. Schwere Motorräder mit langem Radstand und einem extrem starken V-Twin-Motor. Begleitet werden die Motorräder immer von einem mehr oder minder tiefen Blubbern. Doch Harley macht nun jedoch deutliche Schritte in eine sportlichere Zukunft, um ein breiteres Publikum anzusprechen.

Aus den Kategorien Street, Sportster und Softail gibt es verschiedene Modelle, die zwar nicht so aussehen, aber erstaunlich agil sind. In Kurven fühlen sie sich wohl. Dazu zählen die Street Rod, die Fat Bob und vor allem die ganz neu entwickelte FXDR 114. Auch zukünftige Modelle sind zunehmend auf kurvenfreudige Fahrten ausgelegt. Sogar ein Motorrad der Kategorie Adventure ist bereits für 2020 angekündigt.

Die elektrische Livewire reiht sich in diese neue Richtung sehr gut ein. Sie ist auf einem, für Harley Davidson neuen, technologischen Niveau mit allen Raffinessen. Ihr Aussehen lässt zudem auf den ersten Blick nicht unbedingt die amerikanische Marke vermuten. Das Design passt sich an die Zukunft an. Ab September kann sie in Amerika und Westeuropa bestellt werden.

Harley Davidson Livewire (Harley Davidson)

Die Technologie des Elektromotorrads Livewire von Harley Davidson

Die Ladung erfolgt entweder mit der Geschwindigkeit einer Haushaltssteckdose (20 km/Ladestunde) oder mit DC-Schnellladung über den CCS-Stecker (308 km/Ladestunde).

Harley Davidson Livewire (Harley Davidson)

Das Elektromotorrad Livewire verfügt über die Funktion H-D Connect Service, der eine Verbindung zwischen dem Motorrad und der Harley Davidson App zulässt. Damit kann der Besitzer den Ladestand sehen oder auch wenn das Elektromotorrad manipuliert, bewegt oder beschädigt wird. Natürlich ist eine GPS-Ortung für Diebstahl integriert. Der Besitzer sieht zudem Standorte von Ladestationen und bekommt Erinnerungen für anstehende Wartungen. Allerdings ist für diesen Service nach dem ersten Jahr eine Abo-Gebühr fällig.

Die Wartung reduziert sich, wie bei allen elektrischen Fahrzeugen auf ein Minimum. Bei der Livewire sind es in erster Linie die Bremsen und der Antriebsriemen.

Ein Kurven-ABS ist für erhöhte Sicherheit bei starkem Bremsvorgängen in Schräglage mit dabei.

Das farbige TFT-Display hält auch ein Navi bereit.

Harley Davidson Livewire (Harley Davidson)

Den Sprint auf 100 kmh schafft die Harley Davidson Livewire in 3 Sekunden. Recht flott!

Die Entwicklung der elektrischen Harley Davidson in der Historie

Bereits im Jahr 2009 startete die Firma mit den ersten Gedanken zur Entwicklung eines elektrischen Motorrads. Es wurden 30-40 Konzeptmotorräder gebaut, die weltweit auf verschiedenen Events Probe gefahren wurden. Dadurch bekamen die Ingenieure zahlreiches Feedback das zu vielen kleinen und großen Veränderungen führte.

Der Motor ist bei Harleys immer schon das Herzstück gewesen. Daher wurde er auch bei der elektrischen Livewire nicht versteckt. Viel Entwicklungsarbeit ist in die Räder, die Reifen und die Federung geflossen. So wurde die Livewire zu einem Hochleistungsmotorrad mit Schnellladefähigkeit, guter Reichweite und einem hohen Maß an Agilität. Der Sound erinnert an eine Turbine. Das ist kein künstlich erzeugtes Geräusch, sondern es kommt von der Konzeption des Getriebes.

Mein Fazit zu Harley Davidson und der elektrischen Livewire

Die Marke durchlebt zur Zeit tiefgreifende Veränderungen. Ich selbst fahre Motorrad und war nie der Typ für Chopper. Doch ein paar Probefahrten mit den kurvenfreudigen, wenn auch Sprit-verbrennenden, Harleys änderten das Bild der Marke in meinen Augen.

Die Livewire ist sicherlich ein Kandidat für eine elektrische Zukunft und ein guter Konkurrent für rein elektrische Motorradmarken. Sie hat mit der klassischen Harley Davidson nur noch ein paar wenige, optische Details gemeinsam und ist technologisch fast auf der Höhe der Zeit. Sie läutet eine neue Ära für eine traditionsreiche Marke ein und spielt in der Premium-Liga. Der einzige Wermutstropfen: Offenbar ist eine schnellere Ladung als 3,7 kW mit AC nicht möglich. Das ist insofern ein regionales Problem, da es deutlich mehr AC-Ladestationen/Wallboxen gibt, als DC-Lader. Man kann auf folgende Modelle wirklich gespannt sein.