Viele der Mobilitätsanbieter kämpfen bedingt durch die Corona Pause mit ihren Geschäftsmodellen. Schon vor einigen Tagen hatte ich berichtet, dass die Zweiräder und deren Sharing Anbieter der große Gewinner in dieser Wiederanlaufphase sind. Die Pendler meiden den ÖPNV aus Angst vor Ansteckung in engen Räumen. Wer kann, der nutzt sein Zweirad und nutzt die Pop-up Fahrspuren, die in vielen Städten aufgestellt werden. Hier mein Blick auf die wichtigsten Elektroroller-News der Woche.

Die zweite Stadt für die TIER E-Mopeds ist Köln

Nach der Übernahme der Elektroroller von coup startete TIER zunächst in Berlin. Seit dieser Woche können die E-Mopeds des Berliner Sharing Anbieters nun auch in Köln genutzt werden. Auf Anfrage eines Nutzers erklärte TIER auf seinem Instagram Account, dass München wohl recht bald als weitere deutsche Großstadt hinzukommen werde. Bisher war TIER vor allem mit seinen E-Scootern in den deutschen Städten aktiv.

Elektroroller News der Woche
Bildrechte: TIER – E-Mopeds jetzt auch in Köln im Sharing

Wunder setzt auf eigene Wunder Vehicles

Der Technologieanbieter Wunder Mobility aus Hamburg erweitert sein Produkt-Portfolio. Mit Wunder Vehicles steigt das Unternehmen zusätzlich in das B2B Hardware-Geschäft ein. Wunder Mobility bietet einen Komplett-Service für Light Electric Vehicles (LEV) an: Vom Einkauf, über das individuelle Branding, Logistik, Vertrieb, Wartung, Services – wie Versicherungen und Finanzierung – bis zur Software für den Sharingbetrieb.

Zu den Produkten von Wunder Vehicles gehören elektrische Fahrräder, Tretroller und E-Mopeds, die von den Interessenten in einem digitalen Marketplace-Katalog ausgewählt werden können. Neu ist dabei vor allem die Partnerschaft mit Yadea, einem Hersteller für leichtere, kleinere E-Mopeds. Das Yadea G5 E-Moped wurde gemeinsam weiterentwickelt und bereit für einen Start für das Sharing Business von Firmenkunden, Städten und Kommunen. Wunder Vehicles steuert dabei die gesamte Logistik, kümmert sich um die Lagerung und Auslieferung in Städten, das Branding sowie Qualitäts-Tests, Wartung und Reparatur. Zudem bietet Wunder finanzielle Services, wie die Finanzierung, bei der Kredite mit einer Laufzeit von 12 bis 36 Monaten zur Verfügung gestellt werden. 

Etergo aus Amsterdam wird von Ola aus Indien übernommen

Ola Electric Mobility aus Indien gab Mitte der Woche die Übernahme von Etergo BV, einem Elektroroller-OEM mit Sitz im niederländischen Amsterdam, bekannt. Mit dieser Übernahme vollzieht Ola Electric seinen Eintritt in den Markt für elektrische Zweiräder. Ola Electric beabsichtigt, einen eigenen elektrischen Roller im Jahr 2021 auf den indischen Markt zu bringen.

Mit dieser Übernahme setzen die Inder auf die Engineering- und Designfähigkeiten von Ola Electric kombiniert mit der Erfahrung des Etergo-Teams in der Fahrzeugentwicklung. Etergo arbeitet beispielsweise mit führenden Automobilunternehmen wie Tesla, General Motors, Ferrari, Jaguar und BMW zusammen. Das Team von Etergo wird auch nach der Übernahme durch Ola Electric weiterhin von Amsterdam aus tätig sein. Für die Investoren von Etergo scheint diese Übernahme weniger glücklich verlaufen zu sein. Auch wenn ein Verkaufspreis nicht wirklich bekannt wurde, so hält sich in der Finanzszene das Gerücht, dass die Investoren in Etergo ihre Investition fast vollständig abschreiben mussten.

Tausende JUMP Zweiräder werden vernichtet – eine Schande ist das

Und hier noch eine Nachricht von den eBikes der ehemaligen Uber Tochter Jump: Im Zuge der Übernahme von Jump durch den E-Scooter und E-Bike Anbieter Lime, werden nun Tausende von Jump E-Bikes verschrottet.

In mehreren Medien in den USA bestätigte Uber in der vergangenen Woche, dass seine E-Bikes und Scooter Fahrzeuge der Marke ‘Uber JUMP’, die in den USA eingesammelt wurden, zum Metallrecycling und zur ordnungsgemäßen Entsorgung der elektronischen Komponenten geschickt wurden. Zwei Gründe gibt es dafür: zunächst wurden weltweit alle Mitarbeiter von Jump entlassen und damit das gesamte Know-how zu Betrieb und Wartung der orange-rot farbenen Zweiräder freigesetzt.

Zusätzlich wurde auf diverse Angebote der Konkurrenz aus dem Sharing Segment, die voll funktionstauglichen Jump Bikes zu übernehmen, nicht eingegangen. Das Berliner E-Scooter und E-Moped Sharing Startup TIER hatte zuletzt versucht, die Jump eBikes zu übernehmen. Jetzt wurden auch viele voll-funktionsfähige Zweiräder verschrottet. Ökologisch gesehen ist das eine Katastrophe, was sich da gerade abspielt, initiiert durch den amerikanischen Sharing Anbieter Uber. So erzielt man keine Glaubwürdigkeit für den nachhaltigen Transport auf der letzten Meile.

Mein Fazit zu den Entwicklungen der Woche im E-Moped Segment

Spätestens seit dem quasi Stillstand in Zeiten von Corona, hat die Konsolidierung im Mikromobility Segment schärfere Züge angenommen. Die großen Anbieter wie Uber, Bird, Lime oder auch Ola aus Indien spielen nun ihre finanzstarken Trümpfe aus. Das führt bei den Investoren der kleineren Anbieter zu Frust und heftigen Abschreibungen der getätigten Investitionen. Den Anfang machten Circ (im Januar dieses Jahres) oder coup im 1. Quartal – jetzt folgte Etergo aus Amsterdam.

Von diesen Übernahmen und dem Rückzug einzelner Anbieter werden wir in den kommenden Wochen noch viele sehen. Der Rückzug der Deutschen Bahn bei Clevershuttle vergangene Woche ist ein weiteres Beispiel, auch wenn es hier um Ridepooling geht. Wir bleiben dran.