Große Zahlen und einen größeren strategischen Schwenk, das vermelden die beiden Sharing Giganten Uber und Lime in dieser Woche. In der Mobility Szene war schon länger darüber gemunkelt worden, dass der E-Scooter und E-Bike Sharing Anbieter Lime unter Liquiditätsdruck stehe.

Jetzt verkündet Lime eine neue Finanzierungsrunde über 170 Millionen US Dollar, die von Uber angeführt wird. Neben Uber nahmen einige der bestehenden Investoren, wie etwa Alphabet, Goggle Ventures und Bain Capital Ventures, an der Finanzierungsrunde teil. “Wir freuen uns, dass unsere Kunden auch weiterhin Zugang zu Fahrrädern und Rollern in unseren beiden Apps haben werden, denn wir glauben, dass Mikromobilität ein entscheidender Teil des Stadtbildes ist, heute mehr denn je”, sagte Uber-CEO Dara Khosrowshahi in einer Pressemitteilung.

Eine Verschnaufpause für Lime nach den beachtlichen Verlusten in den letzten Wochen

Diese durchaus beachtliche Runde von 170 Millionen verschafft Lime eine benötigte Verschnaufpause, denn das Mobility Grown-up kämpft schwer mit den durch Corona (COVID-19) verursachten Einnahmeausfällen. Die Bewertung von Lime ist, das ist kaum verwunderlich, ziemlich geschrumpft – das nennt man dann eine sogenannte Down-round. Auch wenn die beteiligten Parteien zu der jetzigen Bewertung schweigen, so berichten mehrere amerikanische Medien von einem Firmenwert von Lime von gut 500 Millionen US Dollar. Das wäre dann tatsächlich ein Rückgang um knapp 80 Prozent, denn bei der letzten Runde in 2019 lag die Bewertung des Startup-Unternehmens noch bei 2,4 Milliarden Dollar.

Der strategische Schwenk von Uber und Lime in Sachen E-Scooter und Bike-Sharing

Als Teil des Deals mit Uber erwarb Lime Ubers Bike-Sharing Arm “Jump”. Die orange-roten Fahrräder und E-Scooter sind ja auch in diversen europäischen Städten im Sharing zu haben. In Deutschland ist Jump neben Berlin noch in München aktiv. Die Uber Tochter setzt hier in Europa vor allem auf die Hauptstädte, nur in Holland ist man in Rotterdam und nicht Amsterdam unterwegs.

Uber verkündete zeitgleich zu der Kapitalspritze bei Lime die Entlassung von ca. 3.700 Mitarbeitern. Zusätzlich wird CEO Dara Khosrowshahi für den Rest des Jahres auf sein Grundgehalt verzichten. Erst vor gerade einmal einer Woche hat Lime 13 Prozent seiner Belegschaft entlassen. Dieses bedeutet bereits die zweite Entlassungsrunde in diesem Jahr, denn im Januar entließ Lime 14 Prozent seiner Belegschaft und stellte in 12 Städten weltweit den Betrieb ein. Der Grund vor den Zeiten von Corona: Lime hatte ursprünglich vor, im Jahr 2020 profitabel zu werden.

Wie sieht die Mobility Szene die Integration von Jump in Lime?

Nun, zunächst einmal verkündeten beide Sharing Giganten, dass Lime die Integration seiner mobilen App in Uber fortsetzen werde. Das mag für den Endkunden eine gute Nachricht sein, denn die Buchung von Lime Fahrzeugen in der Uber App vereinfacht den Ablauf der vielen Uber Nutzer weltweit.

Kritischer wird hingegen der Zusammenschluss der Jump Bikes und E-Scooter mit Lime gesehen. Die geschlossene Vereinbarung ermöglicht es Uber, die mit dem Jump-Bikes-Geschäft verbundenen Betriebskosten zu senken. Das dürfte gerade in Zeiten der Corona-Krise ein sehr willkommener Zug sein. Der Markt erwartet eine schnelle Integration der Jump Angebote in die Lime Flotte. Hier lassen sich in den Städten, in denen Jump bislang vertreten ist, sofort Kosten durch Mitarbeiterabbau und ein einheitliches Fahrzeugangebot mit den weiß-grünen Fahrzeugen von Lime senken.

Das Jump Geschäftsgebiet in München.

Ehemalige Uber und Jump Mitarbeiter sprechen daher auch von einem schlechten Tag für das globale Bike Sharing. Vielfach wird dem Management von Lime die Kompetenz abgesprochen, neben den E-Scootern andere Zweiräder nachhaltig betreiben zu wollen. Das könnte in der Konsequenz das Ende der Jump-Elektrofahrräder sein. Gerade in Zeiten des Aufstieges der E-Bikes in europäischen Städten wäre das in der Tat eine traurige Nachricht.

Wir werden weiter beobachten und berichten.