Vor wenigen Tagen noch haben wir hier einen Statusbericht zu der Entwicklung der internationalen E-Scooter Sharing Anbieter in Deutschland gebracht. Darin konstatierten wir das Fehlen des amerikanischen Sharing Anbieters Bird beim jetzigen Wettlauf in die deutschen Städte. Mit TIER, Circ und Wind sind ja gleich drei Anbieter aus Berlin am Start. Hinzu kommt das schwedische E-Scooter Startup VOI und der amerikanische Herausforderer Lime.

Den E-Scooter Anbieter Bird abschreiben – den Fehler darf man nicht machen

Doch wer sich aufgrund einer drohenden Kapitalerhöhung um mehrere Millionen US Dollar oder einen sehr verhaltenen Start in Deutschland über Bird wunderte, der weiß spätestens seit diesem Wochenende mehr. Der Sharing Spezialist Bird hat seine Hausaufgaben gemacht und greift gleich zweifach auch in Deutschland an.

Neben TIER wird Bird zweiter E-Scooter Sharing Anbieter in Düsseldorf

Ausgerechnet in meiner alten Heimatstadt Düsseldorf greift Bird als quasi erste Großstadt in Deutschland an. Die Tests im beschaulichen Bamberg im vergangenen Jahr mit einigen wenigen E-Scooter Modellen kann man ja nicht gerade als aggressiven Launch in Deutschland bezeichnen.

Nun also das Rheinland, denn neben dem Start in der Landeshauptstadt Düsseldorf, kündigt Bird Deutschland Geschäftsführer Christian Geßner zeitgleich den Start in Köln an. In Düsseldorf trifft man auf die E-Scooter von TIER, in Köln sind bereits die Unternehmen Lime und Circ am Start.

Erste Zahlen aus Köln geben Grund zur Sorge um die Sicherheit der E-Scooter Nutzer

Im ersten vollen Einsatzmonat Juli hat die Polizei in Köln nach eigenen Angaben 21 E-Scooter-Unfälle aufgenommen. Dabei habe es nach Auskunft der Kölner Polizei sieben Schwerverletzte und 14 Leichtverletzte gegeben. Die Hauptprobleme stellen bislang das Fahren unter Alkoholeinfluss und gemeinsame (und damit verbotene) Fahrten zu Zweit dar.

Einen weiteren Grund finden wir in der jeweiligen Altstadt in Köln und Düsseldorf und die dort befindlichen Kopfsteinpflaster. Diese sind mit den kleinen Rädern der eingesetzten E-Scooter Modelle schwer zu befahren, ohne Übung stürzt man dort relativ schnell. Wie schwierig das Navigieren auf den kleinen Rädern dort ist, haben wir selbst auf Tests mit unterschiedlichen E-Scooter Modellen in Augsburg und Zürich erleben dürfen.

Bird bringt der neuen E-Scooter Bird Two

Neben dem Launch in gleich zwei deutschen Städten wartet Bird zusätzlich mit einer spannenden Nachricht auf. Nach der Einführung des hauseigenen E-Scooter Bird One vor einigen Monaten kündigten die Kalifornier nun den nächsten eigenen E-Scooter mit dem Namen Bird Two an. Bird präsentiert diesen neuen E-Scooter in dieser Woche auf dem amerikanischen Markt mit der Ansage, dieses elektrische Zweirad zeitnah weltweit an den Start zu bringen.

Das E-Scooter Modell Bird Two verfügt über eine Reihe von Upgrades, die helfen sollen, einige der größten Probleme in der weltweiten Elektroscooter-Industrie zu lösen.

Welche Neuigkeiten bringt der E-Scooter Bird Two?

Die wichtigsten Upgrades für den E-Scooter Bird Two aus Kalifornien sind wie folgt:

  • Ein um 50% größerer Akku, optimiert für das Handling in unterschiedlichen Temperaturen
  • Autonome Schadenssensoren
  • Keine sichtbaren Schrauben
  • Industrietauglicher Kippschutz-Kickstand
  • Anti-Diebstahl-Verschlüsselung
  • Pannensichere Reifen und wohl eine erste Antwort auf die schwierigen Fahrverhältnisse in den Altstädten

Spannend sind die autonomen Schadenssensoren, über welche der E-Scooter Bird Two verfügt. Sie sollen automatisiert nach Hause telefonieren oder die Zentrale darüber informieren, sobald ein E-Scooter von Bird beschädigt wurde und wie er repariert werden muss. Bird behauptet, dass diese Version der Sensorik patentiert ist, ihr Ziel ist definitiv, die bisherigen Vandalismusprobleme, die vor allem Nachts in den amerikanischen Städten passieren, in den Griff zu bekommen.

Der Bird Two E-Scooter kommt
Bird Two E-Scooter

Kommt der Bird Two Elektroscooter direkt zum Launch in Deutschland?

Wir sind gespannt, ob Bird für seinen Launch in Deutschland direkt den Bird Two E-Scooter nach Düsseldorf und Köln mitbringt. Gerade hier sind ja in den letzten Wochen kritische Stimmen zur Haltbarkeit der E-Scooter Fahrzeuge laut geworden. Der rustikale Betrieb der E-Scooter auf deutschen Straßen lässt erahnen, dass die Haltbarkeit der elektrischen Zweiräder wohl eher unterhalb von einem Jahr sein dürfte. In den USA ergab eine Studie in Portland eine dortige durchschnittliche Einsatzzeit von gerade einmal 29 Tagen, hier hatten allerdings die hohen Vandalismuszahlen einen großen Anteil an dieser erschreckend kurzen Einsatzdauer.

Der Bird Geschäftsführer Geßner bekennt sich auch zu diesem Thema eindeutig: Bird plant eine mindestens 18-monatige Einsatzdauer seiner E-Scooter in Deutschland, und das seie “noch nicht das Ende der Fahnenstange. Wir wollen in der Entwicklung dazu kommen, dass die Geräte eine Lebenszeit von Jahren haben. Wir waren die Ersten, die Ingenieure ins Unternehmen geholt und die Scooter nicht von der Stange gekauft haben,“ so Geßner in einem Interview mit der lokalen Rheinischen Post.

Unser Fazit zum Start von Bird im Rheinland und von seinem Modell E-Scooter Bird Two

Bird ist zwar in diesem Fall in Deutschland nicht “der frühe Vogel, der den Wurm fängt.” Gerade die europäischen Anbieter VOI, Circ, TIER und Wind, aber auch der amerikanische Wettbewerber Lime, sind ja schon schwer aktiv. Ein Start von Bird in Düsseldorf und Köln zugleich ergibt vollkommen Sinn. So hatte früher ja auch der CarSharing Anbieter DriveNow (heute Teil von ShareNOW) gerade dort ein gemeinsames Einsatzteam für seine BWM und Mini Fahrzeuge in den beiden rheinischen Stadtrivalen.

Ein Einsatz mit dem neuen Bird Two E-Scooter Modell wäre gerade hier natürlich ein echter Hingucker. Mit einem solchen Launch würde Bird den Kritikern in Deutschland an den einfachen (meist chinesischen) Modellen der bisherigen Marktteilnehmer den Wind aus den Segeln nehmen. Und wer weiß: da wir die genaue Strecke, die ein E-Scooter Bird Two dann maximal an Reichweite fahren kann, nicht kennen, ist ja vielleicht sogar eine Fahrt für meine Kölner Freunde rheinab in die Landeshauptstadt nach Düsseldorf drin 🙂