Carsharing gilt ja seit einigen Jahren als ein Lösungsversuch, um den Verkehr in unseren Städten in den Griff zu bekommen. Leider sind die bisherigen Ergebnisse nicht unbedingt ein voller Erfolg, vor allem wenn die Fahrten dann doch nur von einer Person durchgeführt werden. Erschwerend kommt hinzu, dass einige Anbieter einen nur sehr geringen Anteil an Elektroautos in ihrer Flotte haben. Rein elektrische Anbieter wie WeShare aus Berlin sind da die große Ausnahme.

Durch Corona (COVID-19) ist in den letzten Wochen die Nach­frage nach Cars­haring deutlich zurückgegangen. Somit haben auch einige der Anbieter ihre Flotten verkleinert bzw. vorübergehend still gelegt. Und doch nutzen Viele, die kein eigenes Auto besitzen oder öffent­liche Verkehrs­mittel meiden möchten, Carsharing inzwischen für die Fahrten zur Arbeit. Und Autos zu teilen, das liegt weltweit im Trend, denn die 18-30 Jährigen von heute wollen kein eigenes Fahrzeug mehr besitzen, sondern teilen lieber.

226 Carsharing Anbieter in 840 Lokationen in Deutschland

Der Bundesverband Carsharing gab vor wenigen Wochen die neuesten Zahlen zu den Carsharing Anbietern heraus. Anfang 2020 gab es in Deutschland 226 Carsharing-Unternehmen, -Genossenschaften und -Vereine, das sind immerhin 45 neue Anbieter auf dem Carsharing-Markt in 2019. Insgesamt finden wir diese Carsharing Anbieter an 840 Orten, ein Wachstum von 100 Orten im Vergleich zu 2018. Carsharing Anbieter gibt es also längst nicht mehr nur in den großen, urbanen Zentren.

Acht Carsharing Anbieter bei Stiftung Warentest - leider ohne 'E' Ergebnis

Stiftung Warentest testet acht Carsharing Anbieter

Heute erreicht uns per dpa die Mitteilung, dass die Stiftung Warentest acht Cars­haring-Anbieter geprüft hat. Darunter sind Firmen mit festen Miet­stationen und ohne Solche (sogenanntes „Free Floating“), sowie Vermittler für Privat­autos. Die getesteten Anbieter sind die stations­basierten Cambio, Flinkster und Stadt­mobil, die Free-Floater Miles, Share Now und der Münchener Anbieter Sixt Share, welcher über seine App beide Varianten bietet. Zusätzlich prüften die Experten der Stiftung Warentest mit Getaround und Snapp­car zwei Anbieter, die auf ihren Plattformen die Fahrzeuge von Privatpersonen vermitteln. 

Das Ergebnis: Die Cars­haring-Angebote funk­tionierten über­wiegend problemlos. Fünf von sechs Anbietern mit eigener Flotte schnitten “gut” ab: Flinkster, Sixt Share, Share Now, Stadtmobil und Cambio Carsharing. Für den spontanen ‘Free Floating’ Einsatz werteten die Tester Sixt Share mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis auf Platz 1. 

Acht Carsharing Anbieter bei Stiftung Warentest - leider ohne 'E' Ergebnis
Bildrechte: Michael Brecht – SIXT Veranstaltung zum launch von ride – share – rent

Einen der Anbieter, der Privat-Kfz vermittelt, bewerteten die Tester allerdings mit Mangelhaft. Über das Portal war es kaum möglich, ein Auto zu mieten, alleine die Schlüsselübergaben waren scheinbar ein Albtraum. Bei den Preisen für eine Stunde mit dem Kleinwagen lagen die Anbieter jedoch deutlich auseinander: 4,80 bis 15,60 Euro. Dazu Stiftung Warentest: “Um zu sparen, empfehlen wir, sich bei mehreren Anbietern anzu­melden und je nach Strecke den passenden zu wählen”. Mehr dann dazu im Testbericht selbst.

Unser Fazit zu diesem Test der Carsharing Anbieter

Grundsätzlich begrüße ich sehr die Tests der einzelnen Carsharing Anbieter. Letztlich vertrauen vor allem neue Nutzer den Testergebnissen von Stiftung Warentest. Allerdings hätte ich mir für den test selbst ein wenig mehr Kreativität gewünscht. So ist es zunächst einmal schwierig, Free-Floating mit stationsbasierten Carsharing Angeboten zu vergleichen. Das ist ein wenig wie Äpfel mit Birnen gegenüber zu stellen.

Leider fehlen in dem Test die Aussagen zur Elektrifizierung der Flotten komplett. Für die Mobility-Szene ist Nachhaltigkeit elementar, warum also nicht den Anteil und die Ausstattung der elektrischen Fahrzeuge der Anbieter in den Test einbeziehen. Da ist noch Luft nach oben.