Von der Fantasie in die Realität—das Flugtaxi

Die Menschheit träumte schon immer vom Fliegen. Heutzutage ist es vollkommen normal, über lange und kurze Distanzen zu fliegen, es sei denn wir befinden uns in Zeiten einer Pandemie wie die Corona Krise ja eindeutig beweist. Doch die Sache hat einen Haken: Die Kerosintriebwerke herkömmlicher Flugzeuge sind nicht nachhaltig. Deswegen haben sich weltweit innovative Unternehmen entschlossen, die Luftfahrt elektrisch zu revolutionieren.

Der deutsche Drohnenmarkt hat das Potential, bis zum Jahr 2030 auf gut drei Milliarden Euro anzuwachsen, so schätz zumindest der ‘Verband Unbemannte Luftfahrt’ das ein. In 2019 waren in Deutschland von gut 19.000 Drohnen nur wenige kommerziell eingesetzt. Doch das wird sich ändern, denn für den betrieblichen Einsatz gibt es beinahe unendlich viele Anwendungsfelder.

Wir informieren über den momentanen Stand des elektrisch angetriebenen Fliegens, welche Möglichkeiten es heute schon gibt und welche Zukunftsaussichten wir erwarten dürfen.

E-Mobilität in der Luft – sind Drohnen die Zukunft des Transports?

Gerade in den letzten Jahren waren Drohnen oft Thema in den Nachrichten. Auf Drohnen-Blogs, in Zeitungen, im Fernsehen – überall wird über die elektrischen Fluggeräte gesprochen. Gerade in der Corona (COVID-19) Krise werden Drohnen genutzt, um mit genügend Sicherheitsabstand Tätigkeiten in den zumeist menschenleeren Straßen auszuüben. Madrid setzt so zum Beispiel Drohnen ein, um Desinfektionsmittel zu versprühen.

Amazon-Gründer Jeff Bezos kündigte in der Vergangenheit sogar an, in vier bis fünf Jahren Pakete per elektrischer Drohne ausliefern zu wollen. Es zeichnen sich wichtige Entwicklungen gerade im betrieblichen Einsatz ab – Drohne vermessen Baustellen, die Gleise der Deutschen Bahn werden per Drohne überwacht, eventuelle Sturm- und Hagelschäden auf Photovoltaikanlagen werden aufgespürt, Ackerflächen vermessen, etc.

Einige Startups planen elektrische Flugzeuge und E-Hubschrauber als Lufttaxi zu nutzen. Wir haben also sowohl den Transport von Menschen, als auch von Warensendungen per Drohne im Blick.

Kommen Pakete in der Zukunft per Drohne?

Kleine Multicopter (so heißen die Fluggeräte, die umgangssprachlich als Drohnen bekannt sind) könnten schon bald viele kleine Päckchen ausliefern. Die Google-Tochterfirma Wing hat hierzu sogar schon eine Testphase in Australien durchgeführt und bereits 60.000 erfolgreiche Flüge absolviert. Auch Amazon hat in Großbritannien erste Testlieferungen durchgeführt und gibt an, weiter an der Entwicklung von Drohnen zu arbeiten. DHL und UPS experimentieren laut eigenen Angaben ebenfalls mit Lieferungen per Multicopter. In 2019 investierte dann die Deutsche Bahn Tochter DB Schenker in Volocopter und zeigt damit, wie ernst es den Logistik- und Transport Dienstleistern in Sachen zukünftige Auslieferungen per Drohne ist.

Was sind die Vorteile der Auslieferung per Drohne?

Eine Lieferung per Drohne bringt große Vorteile mit sich, da sich Lieferzeiten auf unter wenige Minuten verkürzen könnten und Paketzusteller entlastet werden. Außerdem freut sich die Umwelt, wenn für kleine Pakete nicht extra ein Transporter losfährt. Gerade in entfernt gelegenen und wenig bevölkerten Gebieten, wie etwa in Afrika oder Australien, lassen sich somit die Ziele besser, schneller und umweltfreundlicher erreichen.

Das süddeutsche Grown-up Volocopter aus Bruchsal und München

Volocopter aus Bruchsal bei Karlsruhe ist einer der jungen Pioniere der Urban Air Mobility aus Deutschland. Ende Oktober 2019 stellte das Mobility Startup seinen Demonstrator der hauseigenen VoloDrone vor. Mit der Lastendrohne expandiert Volocopter in die Logistik, Landwirtschaft, Infrastruktur und öffentliche Versorgungsindustrie: Die VoloDrone ist eine unbemannte, voll-elektrisch angetriebene Schwerlastdrohne, die maximal 200kg bis zu 40 km weit fliegen kann. Mit einem standardisierten Befestigungssystem kann die VoloDrone eine Vielzahl von Einsatzzwecken erfüllen und beispielsweise Kisten, Flüssigkeit oder Maschinen transportieren.

Wingcopter aus Darmstadt setzt auf die Drohne in Krisengebieten

Mit Wingcopter ist ein Flugtaxi Startup aus Darmstadt mit dem Fokus auf den Einsatz in Krisengebieten aktiv. Wingcopter wurde jüngst zum Sieger in der Kategorie “Emergency Delivery” eines Drohnen Lieferwettbewerbes der Weltbank gekürt. Zusätzlich erhielt Wingcopter einen Sonderpreis für seine Sicherheitsvorkehrungen. Wingcopter bedient mit siener Drohne das Potenzial autonomer Drohnenlieferungen für die Versorgung isolierter Gemeinden und ländlicher Gebiete.

Solar-Flugzeuge und Helikopter mit Solarantrieb: Ist auch Fliegen emissionslos möglich?

Fliegen repräsentiert die schnellste Möglichkeit, um lange Strecken zu überbrücken. Das Problem dabei ist, dass Flugzeuge mit ihren Kerosintriebwerken die Umwelt stark belasten.

Die Schweizer Bertrand Piccard und André Borschberg wollen dem ein Ende setzen. Sie haben ein elektronisches Flugzeug entwickelt, das allein durch Solarenergie betrieben wird. Mit der „Solar Impulse“ absolvierten sie bereits den ersten elektrischen Interkontinentalflug. In den nächsten Jahren ist also häufiger mit Solarflugzeugen in den Nachrichten zu rechnen. Einen Helikopter mit Solarantrieb sucht man bislang noch vergeblich.

Wird das Taxi vom Helikopter oder vom Jet ersetzt?

Niemand steht gerne im Stau. Ob sich nun die Ankunft bei einem wichtigen Termin verspätet oder die Vorfreude auf den Urlaub getrübt wird, nervig ist ein Stau immer. Und wenn etwas so sehr stört, dann darf man auch mal anfangen zu träumen. Zum Beispiel davon, wie es wäre, einfach über den ganzen Stau hinweg zu fliegen, sich vorne wieder hinzustellen und mit Höchstgeschwindigkeit weiterzufahren.

Spontan wegfliegen, das blieb bisher nur denen vorenthalten, die das nötige Kleingeld dafür haben. Schon bald könnte dieser Traum aber Realität werden, und zwar nicht nur für Menschen mit eigenem Flugzeug. Wir sprechen vom Flugtaxi – genauer gesagt von elektrischen Flugzeugen und elektrischen Helikoptern.

All das klingt sicherlich, als ob es noch Jahrzehnte entfernt wäre, wie der Fantasie eines trämerischen Kindes entsprungen. Und doch sollen Flugtaxis schon in den 2020er Jahren massentauglich sein. Natürlich bleibt all das nicht ohne Herausforderungen.

Wir informieren über den momentanen Stand auf dem Markt des E-Fliegens und beschreiben, was noch geschehen muss, damit ein Helikopter- oder Jettaxi genauso üblich wird wie der prototypische eierschalenfarbene Mercedes mit gelbem Schild auf dem Dach.

Warum überhaupt ein Flugtaxi?

Wenn wir von Flugtaxis sprechen, dann meinen wir damit E-Flugzeuge und E-Hubschrauber, die Menschen von einem Ort zum anderen bringen. Meist ist da von Flugzeiten bis zu 90 Minuten und Distanzen bis zu 300 Kilometer die Rede. All das sind Entfernungen und Zeiten, die man auch im Auto schafft.

Ein Flugtaxi kann sehr nützlich sein, wenn auch nicht für alle Menschen. Zunächst ist E-Mobilität auch im Luftraum emissionsfrei, was ein solches Flugtaxi deutlich umweltfreundlicher macht als ein Auto mit Verbrennungsmotor oder sein fliegendes Äquivalent.

Außerdem stellt die hohe Verkehrsdichte in vielen großen Städten ein Problem dar. Die vielen Abgase der Autos verschlechtern die Luftqualität, die Motoren verursachen Lärm und die Menge der Autos hält Menschen auf ihrem Weg auf. Einen Anteil der Autos durch fliegende Alternativen zu ersetzen könnte die Straßen entlasten und den Verkehrsfluss beschleunigen.

Weiterhin stellen Flugtaxis eine riesige Chance dar: Wenn 300 Kilometer Reichweite möglich sind, wann können wir dann Langstreckenflüge mit elektrischen Jets fliegen, ohne Unmengen von Treibhausgasen in die Atmosphäre freizusetzen? Der technologische Fortschritt deutet darauf hin, wie die Zukunft des elektrischen Fliegens aussehen kann.

Natürlich ist auch der Komfort eines elektrischen Flugtaxis nicht zu überbieten. Sich nach der Mittagspause in den Helikopter setzen und in 5 Minuten beim nächsten Termin auf dem Dach landen – das würde jeder gerne einmal tun.

Wann kommt das E-Fliegen?

Ein E-Helikopter oder ein E-Flugzeug ist deutlich greifbarer als viele vielleicht denken. Das deutsche Unternehmen Volocopter führte schon 2017 einen erfolgreichen, unbemannten Testflug über Dubai durch.

Das süddeutsche Unternehmen Lilium möchte hingegen per elektrischem Jet bis zu fünf Passagiere 300 Kilometer weit transportieren – und zwar zum Preis eines regulären Taxis. Dafür kam sogar Ferraris Design-Chef mit an Bord. Und auch hier ist ein erster, unbemannter Testflug geglückt.

Bell möchte mit seinem Projekt „Nexus“, einem Hybrid-Flugtaxi, bereits 2020 an den Start gehen.

Für andere Hersteller stehen noch keine genauen Daten fest. Trotzdem geht es voran: Der chinesische Technologie-Riese Tencent, Audi und Airbus haben achtstellige Beträge in E-Flug-Startups investiert.

Während wir uns auf diesem Blog hauptsächlich mit der elektrischen Zukunft von Autos, Zweirädern und Nutzfahrzeugen beschäftigen, ist das E-Fliegen natürlich noch futuristischer. Denn während Elektroautos schon relativ weit verbreitet sind, hat noch beinahe niemand ein Flugtaxi mit eigenen Augen gesehen. Mit gutem Grund: Das E-Fliegen steht vor einigen Herausforderungen – und die sind größer als die des Elektroautos.

Was steht dem Flugtaxi im Weg?

Zunächst einmal besteht für E-Autos bereits ein brauchbares Verkehrsnetz, denn Elektroautos benutzen dieselben Straßen wie Autos mit Verbrennungsmotor. So funktioniert es beim Flugtaxi nicht. Hier müssen entweder besondere Standorte gefunden werden, die mit genug Helikopterlandeflächen und/oder Landebahnen ausgestattet sind, oder es muss eine neue Infrastruktur geschaffen werden. Das kostet nicht nur viel Geld, sondern ist auch sehr aufwendig.

Weiterhin bedürfen auch die Akkus eines Flugtaxis regelmäßiger Aufladung. Im Falle eines PKWs kann eine Tankstelle relativ einfach eine Ladesäule zu ihrem Angebot hinzufügen. Für einen E-Helikopter oder E-Jet besteht diese Möglichkeit nicht. Hier müssten extra Starkstromanschlüsse mit entsprechenden Auflademöglichkeiten verlegt werden oder an jedem Landeort Wechselakkus bereitstehen. Die Infrastruktur-Probleme sind hier also noch größer als bei den Elektroautos.

Zuletzt erfordert konventionelle Luftfahrt immer einen Piloten. Beinahe alle Flugtaxis sind ohne menschlichen Piloten konzipiert und die meisten Menschen können keine Flugzeuge oder Helikopter steuern. Dementsprechend müssten Flugtaxis autonom fliegen, was rechtliche Herausforderungen mit sich bringt.

Das Flugtaxi ist noch ein Traum – doch wann wird er wahr?

Das Flugtaxi hat sicherlich noch einige Herausforderungen zu meistern, bevor das Fliegen mit elektrischem Antrieb so normal wird wie Autofahren. Doch gerade für Fans der E-Mobilität ist das Flugtaxi ein Durchbruch, nicht zuletzt wegen der technologischen Möglichkeiten, die dieser Neuerung für die nächsten Jahrzehnte eröffnet.