In der vergangenen Woche war ich in Stuttgart beim Daimler eingeladen. Genauer gesagt bei der Nutzfahrtsparte. Dort durfte ich beim Launch des neuen E-Truck ‚eActros‘ dessen Weltpremiere erleben. Ein Mercedes-Benz Truck, der dem Anspruch der Schwaben nach ‚trucks you can trust‘ genügt. Es ist der Slogan des Hauses und meint übersetzt ‚Lkws denen sie vertrauen können‘.

Doch geht das überhaupt mit einem Elektrotruck, der in Deutschland gebaut wird? Reichweite, Batteriekonzept, Ladestationen und nicht zuletzt Verfügbarkeit eines Trucks ausgerechnet mit Elektroantrieb? Das waren nur einige der Herausforderungen und versprach eine spannende Reise nach Stuttgart. Für mich selbst begannen faszinierende 24 Stunden.

Globale Plattform an Trucks

Zunächst begann Martin Daum, seit März 2017 Vorstandsmitglied der Daimler AG und in dieser Funktion Leiter der Geschäftsfelder ‚Daimler Trucks und Daimler Buses‘, mit einem Abriss der wichtigsten Zahlen aus dem Geschäftsjahr 2017. Mit weltweit 471000 verkauften Trucks, einem EBIT seiner Sparte von 2,4 Milliarden Euro und mit beinahe 80000 Mitarbeitern steht der Nutzfahrzeug-Hersteller glänzend da. Auf einer globalen Plattform mit Marken wie Cascadia (NAFTA), Accelo (Brasilien), FUSO (Japan) oder Actros in Europa folgt man dem Ansatz ’so global und lokal wie möglich‘.

Mercedes-Benz Trucks ist als Sparte also weltweit großartig aufgestellt und Daum selbst nutzte diese Position der Stärke auch zum ein oder anderen Seitenhieb auf den Herausforderer Tesla aus Kalifornien. Der Nutzfahrzeug Chef nannte den amerikanischen Konkurrenten zwar nicht beim Namen und doch schwebte der Geist des Innovations-Herausforderers Elon Musk im Raum. Denn mein Besuch in Stuttgart war ja einer Weltneuheit gewidmet. Dem Launch des E-Truck von Mercedes-Benz. Und wenn es um Elektroantriebe geht, dann ist der Name Tesla eben heutzutage für die traditionellen Hersteller zunächst das Feindbild Nummer 1.

Vorstellung des E-Truck eActros

„Wir können Ihnen heute unseren Mercedes-Benz eActros vorstellen. Wir haben keinen völlig neuen Namen erfunden, sondern wir nutzen den Namen ‚Actros‘, – die stärkste Marke im Portfolio‚ von Mercedes-Benz Trucks.“ Seit 2016 ist Mercedes-Benz Trucks bereits weltweit der erste Hersteller mit einem schweren Elektro-Lkw. Auf der Nutzfahrzeug IAA 2016 in Hannover zeigten die Stuttgarter damals ihr Konzeptfahrzeug: einen schweren elektrischen Verteiler-Lkw für den urbanen Raum.

Beim eActros wird der Rahmen des Verbrenner-Namensvetters als Basis genutzt. Die Architektur des eActros ist vollständig auf Elektroantrieb ausgerichtet. Die Antriebsachse setzt auf dem Typ ZF AVE 130 auf. Jene hat sich als Niederflur-Portalachse in Hybrid- und Brennstoffzellen-Omnibussen von Mercedes-Benz bewährt hat und wurde für dieses Fahrzeug überarbeitet. Der Achskörper ist komplett neu konzipiert und liegt höher, was die Bodenfreiheit auf mehr als 200 mm vergrößert.

Reichweite für ‚ehrliche‘ 200 km

Die Dreiphasen-Asynchronmotoren sind flüssigkeitsgekühlt und arbeiten mit einer Nennspannung von 400 Volt. Ihre Leistung beläuft sich auf jeweils 125 kW, das maximale Drehmoment auf jeweils 485 Nm. Nach der Übersetzung werden daraus jeweils 11 000 Nm. Die Fahrleistung ist damit der eines Diesel-Lkw ebenbürtig.

Die maximal zulässige Achslast liegt bei den üblichen 11,5 Tonnen. Die Energie für bis zu 200 km Reichweite kommt aus Lithium-Ionen-Batterien mit 240 kWh. Sie haben sich bereits bei der EvoBus GmbH bewährt – sind also keine Prototypen mehr. „Durch diese Synergien im Konzern können wir Erfahrungen teilen, Entwicklungszeiten verkürzen und natürlich auch Kosten sparen“, so Stefan Buchner.

Der Antrieb erfolgt dabei über zwei Elektromotoren nahe den Radnaben der Hinterachse. Die Batterien sind in insgesamt elf Paketen verbaut: Drei befinden sich im Bereich des Rahmens, die anderen acht unterhalb. Zur Sicherheit sind die Batteriepakete von Stahlgehäusen geschützt. Im Fall eines Aufpralls geben die Halterungen nach, verformen sich und leiten so die Energie an den Batterien vorbei ohne sie zu beschädigen. Die Hochvolt-Batterien speisen nicht nur den Antrieb, sondern das komplette Fahrzeug mit Energie.

Auf der Teststrecke des Stuttgarter Werks konnten wir dann tatsächlich mit dem eActros als Begleitperson mitfahren. Wie von einem Elektroauto gewohnt, ist bei diesem E-Truck beim Anfahren kaum ein Geräusch zu hören. Einzig das Surren der Reifen und der Fahrtwind lassen den Lkw erkennen. Der eActros beschleunigt gleichmäßiger als ein herkömmlicher Diesel-Lkw, sein Wendekreis ist dank mitlenkenden Hinterrädern sensationell klein und liefert beim Einsatz in Innenstädten oder kleineren Kurven den Fahrern aktive Unterstützung.

Der E-Truck – entwickelt vom Startup im eigenen Haus

Die noch größere Innovation neben dem Elektroantrieb des eActros zeigten die Stuttgarter jedoch mit ihrem Vorgehen bei der Entwicklung ihres E-Trucks. Ein kleines, interdisziplinäres Team an Entwicklern durfte in den vergangenen knapp zwei Jahren an der Entwicklung arbeiten. Startup-gleich wird nun in kommenden Monaten eine sogenannte Innovationsflotte an zehn Kunden übergeben, um mit denen die Praxiserprobung im ganz normalen Kundenalltag zu verproben. Der eActros wird im Kundeneinsatz auf die Straße geschickt, zehn Fahrzeuge in zwei Varianten mit 18 bzw. 25 Tonnen Gesamtgewicht werden unter realen Bedingungen getestet.

Unter 150 Bewerbern wählte das Team Partner wie Edeka, Dachser, Hermes oder auch die Schweizer Migros und Camion Transport aus. Mit ihnen werden Daten in den Fahrzeugen gesammelt und ausgetauscht. Ladeverhalten, Erfahrungen der Fahrer und das operative Management der E-Trucks werden in zwei Zyklen je zwölf Monaten mit jeweils zehn Unternehmen getestet. So möchte Mercedes-Benz gemeinsam mit Kunden herausfinden, in welcher Form der E-Truck selbst auf die Straße kommen soll und welche Infrastruktur für die Großkunden bereit gestellt werden soll. Das ist dann mehr als ein klassischer Beta-Test, eher ein Delta-Test.

Wer mehr zu diesem E-Truck eActros wissen möchte, der kann sich gerne das nachfolgende Video hierzu von Jan von Ausfahrt.tv anschauen. Wir waren gemeinsam beim Daimler vor Ort in Stuttgart und er hat das in seiner Art klasse rübergebracht. Viel Spaß dabei.

 

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