Ein weiterer Teilnehmer im Car- und Transport-Sharing gibt auf. Das in Berlin beheimatete Oply sendet heute seinen Kunden eine E-Mail, in welcher die Einstellung des Geschäftsbetriebes zu Ende Februar angekündigt wird.

“Schweren Herzens muss ich Euch heute darüber informieren, dass Oply seinen Betrieb zum 27. Februar 2020 einstellen wird. Trotz der sehr großen Nachfrage (danke Euch dafür!) und sehr guten Wachstumszahlen, konnten wir, in einem für Sharing Angebote schwierigen Investitionsumfeld, keine neue Finanzierungsrunde abschließen”.

Das Jahr 2020 ist das Jahr der Wahrheit für die Sharing Anbieter – nicht nur in Deutschland

Das Jahr 2020 scheint für viele Sharing Anbieter das Jahr der Wahrheit zu werden. Zunächst gab (bereits im 4. Quartal des Jahres 2019) der E-Roller Sharing Anbieter coup auf. Derzeit werden die Assets der Bosch Tochter, wie etwa die E-Moped Fahrzeuge und die Ladestationen an Interessenten vermarktet. Anfang dieses Jahres verkündete dann der deutsche Carsharing Marktführer SHARE NOW seinen Rückzug aus Nordamerika und den drei weiteren europäischen Städten Florenz, Brüssel und London.

Mit Oply gibt ein weiterer Berliner Teilnehmer im Sharing Markt gibt auf

Noch einmal aus dem Email von Oply an seine Kunden: “Die Sharing Economy durchlebt schwere Zeiten. Viele Automobilhersteller haben sich aus dem Bereich zurückgezogen oder ihre Investitionen deutlich reduziert, um sich auf ihr Kerngeschäft – die Autoproduktion – zu konzentrieren”… Diese Nachricht, sowie die Flut an Negativschlagzeilen zur Sharing Branche selbst, hätten “das Investitionsklima im Sharing-Umfeld enorm eingetrübt”. Und somit sei eine Anschlussfinanzierung eben nicht machbar gewesen.

Unser Fazit zur Aufgabe von Oply aus Berlin

Nach einigen Jahren der Euphorie ist insbesondere im Carsharing Segment derzeit die Phase des Aufräumens gekommen. SHARE NOW hatte das Anfang des Jahres vorgemacht.

An Oply waren zwei Dinge besonders: einerseits waren die Fahrzeuge in der jeweiligen Nachbarschaft und somit maximal 500 Meter entfernt, so das Versprechen des Anbieters, geparkt und im voraus zu reservieren. Es handelte sich also nicht um ein sogenanntes Freefloating Modell des Carharing. Dieses Nachbarschaftsmodell funktionierte anscheinend in einigen Stadtteilen sehr gut. Für Oply sprach ein weiterer Ansatz, nämlich das Angebot von Transportern in seiner Flotte. Der Umzug innerhalb der Stadt oder das Abholen der eingekauften Möbel bei den Möbelhäusern war hiermit äußerst praktisch in derselben App buchbar.

Letztlich hatte jedoch auch Oply keinen Nachweis antreten können, weshalb Carsharing im Vergleich zu den gut funktionierenden ÖPNV Angeboten in München, Hamburg oder Berlin einen Mehrwert haben sollte. Zusätzlich hatte das Berliner Mobility Startup gegen die finanzstarken Freefloating Sharing Anbieter wie SHARE NOW oder seit neuestem auch SIXT keine Chance. In einem konsolidierenden Markt überleben nur die wirklich finanzstarken Anbieter, und zu denen hat Oply eben nicht gezählt.