Es war eine interessante Runde, die bei EFS Consulting aus Wien zu diesem spannenden Thema ‘virtuell’ diskutierte. EFS berät als Beratung Unternehmen in Fragen der zukünftigen Mobilität und das mit viel Erfahrung in Europa und Asien. Über 300 Mitarbeiter sind sowohl in Wien, als auch in Peking bei EFS Consulting angestellt.

Die Diskussion zur Eigenverantwortung für die morgige Mobilität rankte um die vier Kernfragen

  • Wie komme ich von A nach B?
  • Welche Antriebsart möchte ich verwenden?
  • Was muss ich eigentlich noch selber wissen, welche Entscheidung kann ich noch selber treffen?
  • Was möchte ich beim Fahren eigentlich noch selbst bestimmen?

Welche Faktoren spielen eine Rolle beim möglichen Einsatz von Eigenverantwortung?

Klar ist, dass Mobilität ein sehr emotionales Thema ist. Ganz rational betrachtet, hängt meine grundlegende Entscheidung von A nach B zu kommen damit zusammen, welches Verkehrsmittel zur Verfügung steht und welcher Ausstoß als CO2 Äquivalente damit einhergeht. Neben dem Umweltbewusstsein spielen die Distanz, das Wetter, der Preis und die Verfügbarkeit eine Rolle. Dabei stellt sich die Frage, inwiefern ich mich als Person darauf einlasse, dass die Maschine mir die Entscheidungen abnimmt. Die digitale Szene nennt das den Google Effekt, das Risiko einer digitale Amnesie, die wir erfahren können, indem wir Dinge vergessen, die wir kurzfristig anhand von Google Suchen finden können. Auf das Fahren übertragen heißt das, dass wir mit zunehmendem Abgeben der Verantwortung auf die Maschine, also hier das Auto, bestimmte Fahrfunktionen quasi verlernen können. Das ist eine gute und schlechte Nachricht zugleich.

Doch Mobilität von Morgen ist mehr als autonomes Fahren. Es geht auch nicht um die Entmündigung von Fahrern oder Fahrerinnen. Die Lösung zum eigenverantwortlichen Handeln liegt bei jedem Einzelnen. Und dazu gehört schon heute, ob wir in der Lage sind, uns für ein anderes Verkehrsmittel, als das eigene Auto, selbständig zu entscheiden. Ein effizienter, preislich attraktiver und sicherer ÖPNV ist viel sinnvoller, als der eigene PKW auf dem Weg in die urbanen Zentren. Das eigene Fahrrad oder der Einsatz von Sharing Fahrzeugen ist effizienter und zumeist preislich günstiger. Hier gilt es, den Mobilitätswandel in den Köpfen der Menschen anzusetzen. Die junge Generation in Europa zeigt uns bereits wie das funktioniert. Selbst der Transport des Weihnachtsbaumes klappt, wie hier in den Niederlanden, prima auf einem Cargobike.

Bildrechte: Carlotta Brecht – Cargobike mit Weihnachtsbaum in Rotterdam

Der Wandel der Eigenverantwortung im Individualverkehr

Die Eigenverantwortung im Individualverkehr steht dabei vor einem radikalen Wandel: wie lange kann ich mein Fahrzeug tatsächlich noch selbst steuern, welche Antriebsart ist zukünftig noch erlaubt und welche Gesetzgebung nimmt zukünftig auf meine Eigenverantwortung Einfluss. Die großen beiden Parameter bei der Eigenverantwortung der Mobilität stellen sich als im Rahmen der Wahlmöglichkeiten der Antriebsart und im Rahmen der Möglichkeiten des autonomen Fahrens dar. Spätestens mit der Entscheidung der EU, ab 2035 keine neuen Verbrennerfahrzeuge mehr im Straßenverkehr zuzulassen, zeigt sich ja, dass hier die Politik die Eigenverantwortung bereits einschränkt.

In der Diskussion der Teilnehmer gab es hierzu zwei Strömungen: die Einen setzen auf die Überprüfung dieser Entscheidung im Jahre 2026 und hoffen hier, dass Innovationen bis dahin als alternative Antriebsstränge zum E-Antrieb dann ökologisch und ökonomisch überzeugen. Somit wäre eine reine Fokussierung in Europa auf den E-Antrieb dann noch überdenkbar.

Ich selbst zähle mich eher dem Kreis der überzeugten Nutzer von Elektroantrieben. Denn sie sind von der Quelle bis zum Antrieb des Rades auf der Straße, in englischer Sprache heißt das ‘from well to wheel’, die effizienteste und tatsächlich dank Grünstrom überhaupt darstellbare Antriebsform. Lasst uns die Wasserstoffe und E-Fuels, die beide mit sehr hohen Energiemengen überhaupt hergestellt werden können, bitte dort einsetzen, wo wir mit reinen E-Antrieben, also im Flugzeug, bei Zügen und bei großen Schiffen, nicht weiterkommen. Pragmatik statt Wunschdenken und Polemik.

Mobilität ist Generationenthema

Mobilität ist, wie oben bereits geschildert, ein sehr individuelles Entscheidungsthema. Zusätzlich ist es ein Generationenthema, denn Mobilität ist für die next Generation komplett anders besetzt, als für die Generationen, die heute 50, 60 oder 70 Jahre alt sind. Hier werden wir ein wirklich anderes Anspruchsverhalten sehen, Ökologie wird für die Generation Y oder Generation Z ein wesentliches Entscheidungskriterium sein bei der Wahl der Mobilitätsform. Die Politik hat dabei die Aufgabe, das Angebot attraktiver zu machen um damit Incentives zu setzen, auf ökologische, smarte Mobilität umzusteigen. Doch da ist der Weg zu einer autonomen Fahrweise, die technisch machbar und nachweislich sicherer funktioniert noch weit. Denn sowohl unsere Infrastruktur und auch die Psychologie in der Adaption dieser selbstfahrenden Fahrzeuge ist sehr unterschiedlich ausgeprägt. Während in San Francisco die autonomen Taxis zum quasi gewohnten Stadtbild gehören, so werden wir uns in Europa, in den dicht gedrängten Altstädten, wohl erst in einigen Jahren oder gar Jahrzehnten an diese selbstfahrenden Zellen gewöhnen.

Mein Fazit zu diesem spannenden Diskurs

Diese Diskussion mit Mobilitätsexperten aus Österreich und Deutschland zeigt einmal wieder, wie spannend und vielfältig Mobilität ist. Auch wenn die Teilnehmer gerade in Sachen Antriebsform nicht immer einer Meinung waren, so wurde sehr konstruktiv miteinander diskutiert. Von daher einen herzlichen Dank den Organisatoren rund um Roman Benedetto – Partner von EFS Consulting – und seinem Team.