In meinen Mobility News der Woche berichte ich heute von einem Mobilitätsanbieter, der mir zunehmend Spaß bereitet, oder besser gesagt, der mich inzwischen richtig beeindruckt. Es geht um das Berliner Mobility Grownup MILES, denn ein Startup ist MILES inzwischen nicht mehr. Welche News gab es in den vergangenen Tagen von den Berliner Mobility-Unternehmern und warum finde ich MILES so spannend?

WeShare geht an MILES

Gut ein paar Tage länger ist es bereits her, aber die Nachricht, dass MILES die gesamte Flotte von WeShare aus dem Volkswagen Konzern übernommen hat, die liegt schon länger als eine Woche zurück. Beachtlich ist diese ‘Übernahme’ der Flotte allemal, denn es handelt sich ja um eine komplett elektrischen Flotte mit einer 4-stelligen Anzahl an Fahrzeugen.

WeShare war ursprünglich in Berlin und Hamburg angetreten, um die E-Autos von VW mit Hilfe von Sharing Angeboten salonfähig zu machen, aktive Kundenakquise sozusagen. Noch im Sommer des Jahres 2021 begann WeShare seine e-Golf und e-Ups mit den neuen ID.3 und ID.4 Fahrzeugen auszutauschen. Mit seinen mehr als 2.000 vollelektrischen Fahrzeugen in Hamburg und Berlin wurde WeShare ein großer Nutzer der dortigen Ladeinfrastruktur. So groß, dass viele Privateigentümer eines Elektroautos die vielfach an Ladesäulen abgestellten E-Fahrzeuge von WeShare verdammten, schließlich blockierten viele von ihnen länger als gewünscht die knappe Ressource Ladestation in der Haupt- und in der Hansestadt.

MILES schließt auf zu Sixt und Stellantis

Nun übernimmt also MILES sukzessive seit dem 1.11.2022 die Flotte von WeShare, und das trotz aller Unkenrufe, Car Sharing seie ein Verlustgeschäft – das Millionengrab für die Automobilanbieter. Zu gering sei die Auslastung in Deutschland, zu groß die Kosten für den Betrieb der Flotte. Erst im Sommer verkauften beispielsweise die in 2019 mit großer Ansage zusammengekommenen Partner BMW und Daimler ihre Beteiligungen an Share Now nach Italien.

Dabei wollten die beiden deutschen Autobauer mit ihrem Zusammenschluss ‘einen neuen globalen Player’ aufbauen, von einem ‘Gamechanger’ war damals die Rede. Zur Erinnerung: die Carsharing-Anbieter DriveNow (BMW) und Car2Go (Daimler) kamen zu ShareNow zusammen, allein die Software von DriveNow blieb beim ehemaligen Partner Sixt, der in der Zwischenzeit sein reines Mietwagengeschäft zu einem Rent Ride & Share Business ausbaute. Heute ist Share Now Teil von Stellantis, das italienische Mobilitätskonglomerat, zu dem die Marken Fiat, Alfa, Peugeot, Citroen und Opel gehören. Es sind also hier in Europa gerade einmal drei wirklich große Player übrig: Stellantis, Sixt und eben MILES. Kudos an die Jungunternehmer.

Vom Mietwagen zum Mobilitätsanbieter

Die Integration der WeShare Fahrzeuge ist gerade in vollem Gange, da kommt bereits die nächste Nachricht von MILES. Ab sofort vergrößert der Anbieter seine Angebotspalette und launcht das MILES Abonnement. Die Kunden können seither flexibel zwischen 2 und 24 Monaten ein Auto mieten. Der Abo-Service ist in ganz Deutschland verfügbar und Fahrzeugbestellungen werden über die MILES Website abgewickelt. Das neue Angebot ist eine Ergänzung zum stationsunabhängigen CarSharing, das per App im kilometerbasierten Abrechnungsmodell, im Stundenpaketen oder Tagestarif bis zu 30 Tagen buchbar ist.  

Wie geht das Auto Abonnement?

Der Anbieter MILES vermietet für eine monatliche Gebühr Fahrzeuge inklusive aller Nebenkosten wie Zulassung, Steuer, Versicherung, Wartung und jahreszeitgerechter Bereifung. Netter Nebeneffekt: der Wertverlust, der mit dem Besitz eines eigenen Autos einhergeht, entfällt für den Abonnenten. Allein der Strom (oder für Verbrenner der Kraftstoff) und etwaige Kosten für das Parken im öffentlichen Raum werden vom Abonnenten selbst getragen. 

Copyright: MILES Mitteilung

Somit erweitert das Sharing Unternehmen sein Vertriebsportfolio um das Abonnement, das aufgrund der längeren Laufzeit die CarSharing Kunden keineswegs kannibalisieren dürfte. Vom minutenweisen Sharing zum Nutzen des Fahrzeuges bis zu 30 Tagen. Sixt macht das ja bereits seit einigen Monaten erfolgreich vor. Was zählt, ist die Kundenbindung, denn sofern der Kunde beim Sharing mit Fahrzeug und Abwicklung zufrieden ist, so nimmt er für längere Zeiträume auch denselben Anbieter. Alles aus einer App, versteht sich.

“MILES steht für Flexibilität, Komfort und schnelle Verfügbarkeit. Ein Auto ist da, wenn es benötigt wird. Mit MILES Abo knüpfen wir nahtlos an unser Carsharing-Angebot an und können noch mehr Ansprüchen und Lebenssituationen gerecht werden.” erklärt Oliver Mackprang, CEO MILES Mobility, die Produkterweiterung in einer Presseerklärung

Mein Fazit zu diesen Aktivitäten von MILES in den vergangenen Tagen

Hier wächst ein echter Mobilitätsanbieter heran, der unabhängig von einer eigenen Fahrzeugflotte (so wie etwa Stellantis) mit einer flachen Kostenstruktur und einer echten Kundenfokussierung unterwegs ist. Mir gefällt, wie ein noch recht junges Unternehmen auf Basis einer performanten App Kunden mit Fahrzeugen versorgt. Und das, obwohl einige große Anbieter sich aus diesem Mobilitätssegment zurückzogen. Für mich kommt es daher auch nicht überraschend, dass MILES in den letzten Tagen die Expansion in Belgien vorantreibt. Nach dem Start in Gent gibt es die schwarzen Fahrzeuge mit dem weissen Schriftzug seit wenigen Tagen auch in Brüssel. Hier bei MILES sind echte Mobility Unternehmer am Start.