Batterien für Elektrofahrzeuge – wie weit ist eine Fertigung in Europa?

Batterien für Elektrofahrzeuge - wie weit ist eine Fertigung in Europa?
Lithium-Ionen-Akku (Quelle: faz.net)

Seit längerem gibt es Spekulationen über eine mögliche Batterieproduktion für Elektroautos in Europa um von anderen Märkten, Ländern und Kontinenten unabhängiger zu sein. Wie steht es um diese Pläne? Ist das eine Zellfertigung in der EU realistisch und sinnvoll und wie sieht es mit dem Nachschub der Rohstoffe für Elektroauto Batterien aus?

Die Chinesen von CATL planen eine Batterieproduktion in Thüringen

Vielleicht war es der Vorstoß der chinesischen Firma CATL (Contemporary Amperex Technology Co.), der in Berlin und Paris den Anstoß gab. Bereits im Sommer letzten Jahres unterzeichnete CATL einen Vertrag mit der deutschen Regierung für den Bau des Werkes in Erfurt mit 600 Arbeitsplätzen. Langfristig können hier bis zu 1.000 Arbeitsplätze entstehen. Bis 2022 soll das Werk errichtet sein. Dafür investiert das chinesische Unternehmen 240 Millionen Euro.

CATL wird durch den deutschen Automobilhersteller BMW unterstützt

Der deutsche Autobauer BMW vergab an CATL am gleichen Tag noch einen Auftrag über 1,5 Mrd Euro. Weitere 2,5 Milliarden Euro gehen an CATL in China. Die Kapazität Erfurter Werk reicht eben noch nicht aus. BMW arbeitet in Erfurt eng mit CATL zusammen. Die Ausstattung des Werkes ist teilweise von BMW finanziert. Damit möchte BMW guten Willen zeigen und die Zukunft sichern.

Neben Lithium-Ionen-Batterien sollen hier auch stationäre Energiespeicher vom Band laufen. Geplant sind 14 Gigawattstunden Produktionskapazität inklusive eigener Forschung, Entwicklung und Logistik für die Elektroauto Batterien. Es gibt auch ein Wachstumsszenario auf eine mögliche Kapazität von 100 GWh.

Welche Strategie verfolgen europäische Hersteller beim hiesigen Bau von Elektroauto Batterien?

Die Strategie ist es, möglichst viele deutsche und europäische Hersteller von Elektroautos zu versorgen und mit kurzen Wegen und schnellen Reaktionszeiten auf die Kundenwünsche ein unkompliziertes Angebot zu schaffen. Damit möchte CATL im europäischen Markt der Automobilindustrie Fuß fassen. Bislang versuchten deutsche Autohersteller in China einen Fuß in die Tür zu bekommen. Nun könnte diese Strategie umgedreht werden. Möglicherweise möchten Deutschland und Frankreich dem entgegenwirken.

Warum baut CATL ausgerechnet in Thüringen eine Fabrik?

Thüringen gilt als Bundesland mit relativ niedrigem Lohnniveau. Gleichzeitig liegt es sehr zentral. Zu BMW sind es auf der Straße vier Stunden. VW in Wolfsburg ist in drei Stunden erreichbar. Die beiden Batteriefabriken von Daimler in Kamenz (Sachsen) sind ebenfalls nur drei Stunden entfernt. Zudem hat Thüringen ein besonders hohes Aufkommen von Absolventen der Studienfächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT-Fächer).

Das Gewerbegebiet Erfurter Kreuz ist 30 km von der TU Ilmenau und 60 km von der Uni Jena entfernt. Die Uni Ilmenau verfügt über Schwerpunkte in den Bereichen E-Mobilität, Mobilität und hybride Antriebskonzepte. Wichtige Nachwuchswissenschaftler sind also nicht weit. Zudem rührte die deutsche Politik die Werbetrommel für den Standort und 7,5 Millionen Euro flossen an Zuschüssen.

In Schweden bauen Siemens und Northvolt ebenfalls eine Batteriezellen-Produktion auf

Siemens investiert 10 Millionen Euro in die Fabrik des schwedischen Batteriebauers Northvolt. Zudem liefert Siemens die notwendigen Techniken für die Automatisierung und die Digitalisierung. Im Jahr 2020 ist der Start der Produktion mit 2.500 Mitarbeitern geplant. Die Kapazität genügt offenbar für jährlich 400.000 Elektroautos. Diese Kooperation soll den chinesischen Herstellern Konkurrenz machen.

Frankreich und Deutschland ergreifen die Initiative zum Aufbau einer Batteriezelle-Fabrik

Frankreich und das Autofahrerland Deutschland realisieren eigene Pläne. Insgesamt sollen 1,7 Milliarden Euro in einer exklusive Förderung des Aufbaus einer Batteriezellen-Fabrik fließen. Die beiden Länder möchten dieses Vorhaben gemeinsam umsetzen. Das Geld kommt mit 1 Mrd. von Deutschland bis zum Jahr 2021. Den Rest stellt Frankreich bereit. Damit sind die beiden Länder unabhängiger von der EU, was für erhöhte Flexibilität sorgen kann. Die Produktion der Batterien für Elektroautos sollen Unternehmen allerdings ohne staatliche Beteiligung durchführen.

Die Fahrzeughersteller Renault, Peugeot, VW und Audi haben Pläne für eine eigene Produktion von Batteriezellen. Vorangetrieben wird das Unterfangen von den Regierungen der beiden Länder, um somit ein Stück unabhängiger vom asiatischen Markt werden zu können. Dazu gehört nicht nur die Batteriefertigung. Für Schlüsselinnovationen im elektro-mobilen Segment stehen zukünftig Förderungen bereit.

Weitere Investitionen in Deutschland für Batteriezellen von Elektroautos durch neue Konsortien

In Deutschland regen sich zudem Pläne für eine Batteriezellen-Produktion durch die BMZ-Gruppe, Custom Cells Itzehoe, EAS Batteries, Liacon und Leclanché (Schweiz). Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gründete eine Initiative “Forschungsland Batteriezelle Deutschland” um die Produktion voranzutreiben. Das Projekt mit dem Namen “Forschungsfertigung Batteriezelle” dieser Kooperation soll die Prozesse einer industriellen Produktion erproben. Eine großseriennahe Produktionslinie ist das Ziel.

Eine weitere Zellfertigung in Erfurt oder Braunschweig ist geplant

Auch das Schweizer Unternehmen Blackrock Ressources plant eine Zellfertigung in Deutschland. Mit 200 Millionen Euro ist eine Fabrik bei Erfurt oder alternativ Braunschweig geplant. Die Kapazität beziffert das Unternehmen auf 100 Millionen Zellen pro Jahr. Das wären genügend Batteriezellen für den Bau von 25.000-100.000 Elektroautos.

BASF und Varta wollen ebenfalls in die Batterieproduktion oder die Zulieferung von Teilen einsteigen

Der deutsche Chemiekonzern BASF, der weltweit zu den Größten gehört, plant ebenfalls in den Markt der Elektroauto-Batterien einzusteigen. Allerdings nicht mit ganzen Zellen. Dafür fehlt dem Konzern das Know-How. BASF möchte sich auf die Produktion von Kathoden spezialisieren und wäre damit ein Zulieferer für die Zellenproduktion. Für dieses Ziel investiert BASF Milliarden.

Auch Varta, ein Konzern im Bereich der Batterieproduktion und daher mit entsprechender Expertise, möchte in Kooperation mit dem Fraunhofer Institut eine Batteriezellen-Produktion angehen.

Unser Fazit zu den Entwicklungen auf dem Markt der Batterien für Elektrofahrzeuge in Europa

Der Markt ist hart umkämpft und europäische Unternehmen kommen offenbar so langsam in die Gänge. Viele Unternehmen mit viel oder wenig Expertise im Bereich der Zellfertigung streben auf diesen gigantischen Markt.

Doch die Nachfrage nach Elektroautos wächst und somit ist genug Platz für neue Anbieter vorhanden. Wenn der Absatz von Elektroautos weiter so rasant ansteigt, dann sind die in diesem Artikel genannten Stückzahlen deutlich zu wenig, um unabhängig vom chinesischen Markt und dessen Anbietern zu werden.