Seit dem vergangenen Freitag ist der Hamburger Jungfernstieg fast autofrei. Die Radfahrer teilen sich seither die Straße nur noch mit Bussen und Taxen. Zusätzlich sind in der neuen Regelung Liefer- und Entsorgungsverkehre zwischen 21 und 11 Uhr zugelassen. Was steckt hinter dieser radikalen Änderung des Mobilitätskonzeptes in der Hamburger Innenstadt?

Hamburg baut seine Innenstadt um

Die Innenstadt ist neben dem Hafen einer der identitätsstiftenden Orte der Stadt. Dieses erkannte eine Analyse der Freien und Hansestadt Hamburg in den vergangenen Jahren. Die Innenstadt mit ihrer einzigartigen Lage zwischen Elbe und Alster gilt als das Herzstück Hamburgs. Im Oktober 2019 hat das „Bündnis für die Innenstadt“ den Hamburger Senat aufgefordert, sich für ein lebendiges urbanes Zentrum einzusetzen. Unter der Leitung der Stadtentwicklungsbehörde Hamburg wurde ein Maßnahmenpaket erarbeitet. Dieses wird jetzt wie folgt umgesetzt.

Sieben Orte wurden in Hamburg ausgewählt, die ein besonders hohes Potential für eine ‘lebendige Innenstadt’ bieten

Es wurden insgesamt sieben Orte in Hamburg ausgewählt, die für die Aufwertung der Innenstadt ein besonders hohes Potenzial bieten. Und hier werden zeitnah dank der Neugestaltung Teile der Stadt an die Bewohner und die vielen Millionen Gäste zurückgegeben. Im Vordergrund dieser Aufwertung stehen in Hamburgs Zentrum der Burchardplatz, der Gertrudenkirchhof, der Hopfenmarkt, der Jungfernstieg, das Ost- und Westufer der Binnenalster, der Großneumarkt sowie das südliche Gleisfeld des Hauptbahnhofs. Seit letztem Freitag ist nun am Jungfernstieg die vielleicht sichtbarste Änderung in Hamburgs urbanem Zentrum vollzogen worden.

Dr. Peter Tschentscher, Erster Bürgermeister: „Die Innenstadt ist die „Visitenkarte“ Hamburgs, in der sich die Menschen gerne aufhalten, wo sie einkaufen und sich in Restaurants und Cafes begegnen. Wir wollen die Innenstadt attraktiver machen und zugleich dafür sorgen, dass sie für alle gut erreichbar bleibt. Dazu sollen der öffentliche Raum an vielen Orten neu gestaltet und neben den schon bestehenden autofreien Zonen weitere Straßen vom Autoverkehr freigehalten werden. Wir achten darauf, dass hierdurch keine neuen Staus entstehen und die Menschen noch besser mit Bussen und Bahnen in die City kommen.“ 

Der Umbau am Jungfernstieg in Hamburg begann bereits Anfang Oktober

Mit der Aufhebung des bestehenden Radweges auf der Wasserseite des Jungfernstiegs begannen allerdings bereits am 5. Oktober die ersten sichtbaren Arbeiten zur neuen Vision für Hamburgs Prachtstraße. Seit dem Freitag, den 16. Oktober ist der weitgehend autofreie Jungfernstieg dann für alle Hamburgerinnen und Hamburger sowie die Gäste der Stadt erlebbar. Die Binnenalster, die Mönckebergstraße, der Jungfernstieg und die umliegenden Quartiere bieten eine große räumliche und strukturelle Vielfalt und waren daher prädestiniert für einen ersten ‘Eingriff’.

Bildrechte: hamburg.de – Aufwertung der Hamburger Innenstadt

Das Ziel am Jungfernstieg: gebt den Fußgängern mehr Platz auf der Promenade an der Binnenalster

Die für diesen Eingriff notwendigen juristischen Grundlagen hat der Bezirk Mitte weitgehend abgeschlossen. Bis gegen Mitte November werden die geringfügigen Anpassungsarbeiten zur Umgestaltung des Jungfernstiegs dann abgeschlossen sein. Das Ziel ist es, diesen zentralen Hamburger Ort mitten im Herzen der Stadt noch attraktiver zu machen und die Aufenthaltsqualität deutlich zu steigern. Denn das wesentliche Ziel lässt sich bereits heute, wenige Stunden nach der Sperrung für den Individualverkehr, erkennen: Fußgänger haben deutlich mehr Platz auf der Promenade am Wasser.

Die Schließung der Friedrichstraße in Berlin für den Individualverkehr

Vor wenigen Wochen hatte in Berlin das Sperren eines Teiles der Friedrichstraße für Autos und Nutzfahrzeuge in Mitte aufhorchen lassen. Sie gilt als eine der meist-frequentierten Einkaufsstraßen und läuft quer zur Prachtstraße Unter den Linden in der Hauptstadt. Die Fahrradfahrer freuen sich über diese Schließung, von Seiten der IHK wurden ‘dramatische’ Umsatzeinbrüche für den Einzelhandel befürchtet. Jetzt, nach wenigen Wochen steht fest. Die Friedrichstraße ist lebendiger, lebenswerter als zuvor und die Umsätze des Einzelhandels keineswegs zurückgegangen.

Mein Fazit zum Umbau am Jungfernstieg in Hamburg

Nicht nur in den europäischen Metropolen wie Paris, Kopenhagen oder London werden die Städte nach und nach an die Bürger zurückgegeben. Nein auch in Deutschland passiert das. Nach Berlin macht nun Hamburg Platz für emissionsfreie Verkehrsmittel. Die Politiker in Hamburg, Berlin und anderen urbanen Zentren erhoffen sich, dass mit diesen Umbauten ihre Stadtzentren attraktiver werden.

Dank des Wegfalls der Autos und Nutzfahrzeuge bzw. deren Einschränkung auf wenige Stunden am Tage, setzt man darauf, dass die Bewohner und deren Gäste auf umweltfreundliche Verkehrsmittel wechseln. Und somit werden Städte sukzessive umweltfreundlicher – wir werden weiter berichten.