Der ART ohne Schienen und Oberleitungen in Zhuzhou (CRRC)

Es gibt wieder einmal Neuigkeiten aus China. Eine neue Technologie aus dem öffentlichen Nahverkehr macht dort von sich Reden. Das Unternehmen CRRC entwickelte eine Strassenbahn, die ohne Schienen und Oberleitungen auskommt. Zudem kann sie ihren Weg selbst finden und soll dabei noch deutlich günstiger sein als herkömmliche Projekte mit Straßen- oder S-Bahnen. Was steckt dahinter?

Die wichtigsten Eckpunkte der chinesischen Straßenbahn-Innovation

Diese Straßenbahn, genannt ‘Autonomous rail Rapid Transit (ART)’, hat keine Stahlräder für Schienen, sondern Gummireifen für den Asphalt. Sie ist zudem deutlich breiter als eine normale Straßenbahn und erinnert von der Breite eher an einen Bus. Damit ist sie in der Lage jede beliebige Strecke zu bedienen, zumindest sofern sie um die Kurven dieser Strecke kommt.

Für die Fahrten auf dem Asphalt werden zu Beginn zur Orientierung noch gestrichelte Linien benötigt

Derzeit benötigt sie noch zwei gestrichelte Linien zur selbstfahrenden Orientierung. Die Sensoren können die Fahrbahn, Entfernungen und den Straßenverlauf erkennen. Eine Oberleitung ist aufgrund der integrierten Batterien nicht nötig. Derzeit ermöglichen die Lithium-Titanat-Batterien eine Reichweite von 40 km. Nach 10 Minuten Ladezeit stehen weitere 25 km zur Verfügung – vorausgesetzt man verfügt über die richtige Ladetechnik.

Genau dieser Verzicht auf Oberleitungen und Schienen macht ART so günstig. Das Unternehmen gibt an, dass sie etwa 10% der gewohnten Kosten verursachen soll. 70 km/h Höchstgeschwindigkeit sind möglich. Pro Waggon kann sie 100 Passagiere befördern.

Was kann die Straßenbahn ohne Schienennetz bewirken?

Genau diese geringen Kosten können Städten mit niedrigem Budget die Investition vereinfachen. Es braucht keine langen Bauzeiten für das Schienen und ein eventuell notwendiges Oberleitungsnetz. Keine Verkehrsplanungen und keine Anpassungen im Stromnetz. Nur zwei gestrichelte Linien und etwas Umsicht bei den Kurven. Gegebenenfalls noch eine Rundform am Ende der Strecken um das Wenden zu ermöglichen, falls gewünscht.

Auch bestehende Schienen- oder Busnetze könnten mit dieser Straßenbahn kostengünstig erweitert werden. Die Passagiere müssten lediglich umsteigen.

Eine Testphase für die CRRC Straßenbahn mit Upgrades

Bereits im Mai 2018 startete ART eine dreimonatige Testphase, teilweise mit Passagieren, im chinesischen Zhuzhou mit einer 3 km langen Teststrecke. Diese Strecke sollte auf insgesamt 12 km in 2 weiteren Bauphasen erweitert werden.

Zu den bereits erwähnten Sensoren kommt noch eine 360°-Sicht via Kameras und Fahrzeug-Radar hinzu, um die Sicherheit im Regelbetrieb zu erhöhen. Diverse Leitstellen,  Kommunikationssignalanlagen, Kreuzungssignalprioritätssysteme und Verkehrssicherheitseinrichtungen sind zusätzlich an der Teststrecke installiert. Diese Systeme kommunizieren mit dem ART Fahrzeug.

Es gibt 100 Meter vor seiner Ankunft an einer Kreuzung der Signalanlage ein Signal über seine Durchfahrt. Die Signalanlage kann den ART bevorzugt passieren lassen. Die Aufladung läuft ebenfalls automatisiert ab. Der ART fährt an die richtige Stelle der Ladeeinrichtung und der Panthograph wird vom Zug aus zu den Stromkontakten angehoben. Zur Erklärung: ein Pantograph ist ein sogenannter Scherenstromabnehmer. Er versorgt die Bahn von oben mit Strom an einer definierten Ladestation, oder auch über eine Strecke hinweg, an welcher eben jener Pantograph mit der Bahn verbunden sein kann.

Der ART von CRRC während der Testphase in Zhuzhou

Mit Ende der Testphase im Juni 2018 hatten bereits mehr als 150 Vertreter und Gruppen anderer Städte den ART besucht und unter die Lupe genommen. Darunter mehr als 20 Städte aus aller Welt. Das Interesse ist groß und die Straßenbahn dürfte sich wachsender Beliebtheit erfreuen.

Wer ist das Unternehmen, welches sich für den Bau der Straßenbahn ohne Schienen verantwortlich zeigt?

Das Unternehmen CRRC wurde bereits im Jahr 1881 gegründet und ist heute mit 180.000 Angestellten der weltweit größte Konzern für Schienenfahrzeuge aller Art. Zusätzlich im Angebot des Mobilitätsanbieters CRRC sind Busse, Lkw oder Windturbinen. CRRC bietet ein Rund-um-Paket für seine Produkte an. Die technische Entwicklung, das Design, die Wartung und der Kundenservice werden im eigenen “Haus” abgewickelt. Innovationen und Entwicklungen haben einen hohen Stellenwert.

Mein Fazit zu dieser Straßenbahn ohne Schienennetz

Alleine aufgrund seiner niedrigen Kosten und kurzfristigen Einsatzfähigkeit klingt diese Innovation von CRRC sehr verlockend für den weltweiten Einsatz in urbanen Zentren. Es ist daher kein Wunder, dass die ersten Städte sich dieses ART Testprojekt bereits angesehen haben. Und die Vorteile liegen auf der Hand: keine teuren Infrastrukturkosten, batteriebetriebene und damit ökologisch sinnvolle Antriebe und eine schnelle Umsetzbarkeit. So geht Innovation im 21. Jahrhundert – wir bleiben dran.