Mit dem Slogan “Einsteigen und die Zukunft hautnah erleben” machen die Kommunikationsexperten von BMW seit Jahren in Sachen BMW i3 auf. Für die Münchner steckt der i3 “voller innovativer Technologien, mit denen er souverän den Alltag meistert”. Die Charakteristika “außergewöhnliche Fahrdynamik mit intelligenter Nachhaltigkeit, futuristisches Design mit grenzenloser Konnektivität führen zu “einem urbanen Lebensgefühl”. Das stimmte für lange Zeit und liegt doch einige Jahre zurück.

Der BMW i3 war Vorreiter der massentauglichen eMobilität in Deutschland

Auch ich habe zum Start unseres eMobilität Blogs vor gut drei Jahren häufiger den i3 aus dem Hause BMW getestet und genoss den Fahrspass des für lange Zeit einzigen Elektroautos eines der großen deutschen Automobilhersteller. Nicht jedem in meiner Familie und meinem Bekanntenkreis gefiel (oder vielmehr gefällt) das “richtungsweisende Design”. Doch wer nicht so genau auf die recht strammen Anschaffungskosten eines BMW i3 schaute, der war recht schnell gefangen von dieser Fahrdynamik und Wendigkeit des elektrischen BMW – bis in das Jahr 2017  fühlten wir uns in einem i3 quasi als Vorreiter der Elektromobilität in Deutschland.

Der BMW i3 ist seit dem Jahr 2013 auf dem Markt

Der vollelektrische BMW i3 ist seit nunmehr über sechs Jahren (seit 2013) auf dem Markt. Im Wesentlichen wurde an dem futuristischen Design festgehalten, auch wenn vor allem Frauen dieses E-Auto meist unter der Kategorie ‘furchtbar häßlich’ einordneten. Über die Jahre kamen ein paar technische Überarbeitungen ins Spiel. Ursprünglich hatte der i3 eine rein elektrische Reichweite von 160 Kilometern. Dann bekam der i3 im Jahre 2016 eine größere Batterie und erhöhte seine Reichweite auf einen Zielwert von 300 km. Das zumindest nominell, denn heute gehen die Münchner eher von 260 km bei ihren i3 und i3s Fahrzeugen an Reichweite aus.

BMW setzte fälschlicherweise auf das sehr teure Carbon für seine Karosserie

BMW ging im Elektrofahrzeugbau voraus, setzte aber auf die falschen Pferde. Die Karosserie aus Carbon macht den i3 steifer und stabiler, als eine herkömmliche Aluminiumkarosserie. Aus diesem Grund kann der i3 auf eine B-Säule verzichten. Mangels fester Verbindung zwischen Fahrzeugboden und Dach in der Mitte des Fahrzeugs konnten die BMW Designer zum Beispiel die nach hinten öffnenden Fondstüren realisieren. Die sind für viele Nutzer äußerst gewöhnungsbedürftig und schreckten einige Käufergruppen ab.

Für den i3 entwickelte BMW zusätzlich eine sehr kostspielige Elektroarchitektur, die jedoch von keinem weiteren Fahrzeug im Konzern verwendet wird. Letztlich war das einer der Hauptgründe für das Sterben des i3, denn heute lassen sich größere Reichweiten mit größeren, preisweiteren Batterien erzielen. Die Hersteller brauchen nicht auf die zwar ultraleichte, aber kostenintensive Carbontechnologie zurückgreifen.

Der i3 war für BMW wichtiges Lernmittel für den Umstieg in die Elektromobilität

Doch nicht alles war schlecht an dieser Innovationsfreude in München. Mit Hilfe des i3 und seiner Kunden lernte BMW auch was für seine Kunden wirklich wichtig ist; anders als die meisten europäischen Hersteller, die eben noch keine Elektroautos auf dem Markt hatten. So entstanden über die Jahre diverse Services rund um den i3: BMW eigene Wallboxen, intelligente Lademöglichkeiten, ein eigener BMW Installationsservice –  das waren alles wichtige Learnings für die Bayern beim weiteren Umstieg ihrer Kunden auf die elektrischen Fahrzeuge.

Zusätzlich wurde der BMW i3 inzwischen vielfach zu spezifischen Einsatzzwecken umgebaut. Diverse Polizeieinheiten in London, Deutschland, der Schweiz oder den USA setzen den i3 inzwischen ein, die Einsatzleiter der Feuerwehr sind damit unterwegs. Das Image des i3 ist funky, das Elektrofahrzeug gilt bei jungen Fahrern als cooler und damit deutlich entfernt vom teils biederen Auftritt einiger Wettbewerber.

Bildrechte: BMW – der i3 als Einsatzwagen der Feuerwehr

Positive Erfahrungen mit der Haltbarkeit der Batterien

Aufgrund von positiven Erfahrungen mit den zugelassenen Fahrzeugen erweiterte BMW beim i3 nun sogar seine Garantie auf die Antriebsbatterie. Bislang endete sie bei 100.000 Kilometern. Anfang 2020 packt BMW weitere 60.000 Kilometer drauf (in Summe also 160.000 km) – bei einer gleichbleibenden Maximaldauer von 8 Jahren. In diversen Automobil-Fanforen berichten Fahrzeughalter von über 200.000 Kilometer Laufleistung ihrer i3. Das ist insofern beachtlich, da der elektrische i3 vor allem auf den Kurzstrecken, wie etwa in der Innenstadt, eingesetzt wird. BMW hat also mit dem Elektroantrieb wertvolle Erfahrungen gemacht, die intern sicherlich bei den weiteren elektrischen Modellen genutzt werden können.

Kein Nachfolger für den BMW i3

Letztlich kündigte der BMW-Vertriebsvorstand Pieter Nota im vergangenen Herbst in einem Interview mit der Financial Times jedoch an, dass es für den i3 keinen Nachfolger geben werde. Ich hatte tatsächlich bereits das R.I.P als Überschrift für einen Nachruf auf den BMW i3 vorgesehen, doch auch in diesem Fall gilt: Totgesagte leben eben länger. Denn die für eingefleischte i3 Fans gute Nachricht vorweg: Nota sagte bislang nicht, wann das Ende für den i3 kommt. Man werde den BMW i3 noch einige Jahre weiter verkaufen.

Denn: der i3 kommt inzwischen international immer besser an, vor allem bei einer jungen Zielgruppe. Die Verkaufszahlen zeigen, dass der vollelektrische Bayer beliebt ist. Trotz seines eher exotisch anmutenden Designs wurden seit Markteinführung ca. 170.000 BMW i3 Modelle verkauft.

Bildrechte: BMW – der i3 geht in Rente – oder nicht?

Wie sind die Zukunft der Elektroautos bei BMW aus?

BMW setzt derzeit auf die Ausrüstung seiner meistverkauften Modelle mit Plug-in Technologie. Das Ziel sei bis Ende des Jahres 2021 “insgesamt eine Million elektrifizierte Fahrzeuge auf die Straße” zu bringen, so der neue Vorstandsvorsitzende von BMW Oliver Zipse im letzten Jahr auf der IAA in Frankfurt. Bis zum Jahr 2023 sollen dann 25 elektrifizierte Modelle angeboten werden, mehr als die Hälfte, also 13 Fahrzeugmodelle, davon vollelektrisch.