Als wir damals bei BMW in der Entwicklungslabor-Halle den i3 zusammenbastelten, kam beim Kaffee irgendwann mal der trockene Witz auf, ob wir nicht eine Anhängerkupplung für den Kohlefaser-Flitzer vorsehen sollten. Das Gelächter in der Werkstatt war groß, denn ein Elektroauto, das etwas anderes zieht als sich selbst, galt damals als völlig absurd. Spulen wir ein paar Jahre vor, hat sich die Welt der Elektromobilität komplett gedreht.
Wenn man mich heute nach dem Thema E-Autos als Zugfahrzeug: Die besten Elektroautos für Wohnwagen und schwere Anhänger fragt, wähle ich aus einer beachtlichen Liste von Schwergewichten. Der Markt ist erwachsen geworden, und vorbei sind die Zeiten, in denen E-Mobilisten ihre Urlaube in winzigen Zelten verbringen mussten. Wer heute elektrisch campt oder schwere Lasten zieht, muss sich allerdings ein wenig umstellen, denn Physik lässt sich auch mit der besten Software nicht austricksen.
Das Wichtigste in Kürze
- Im Jahr 2026 gibt es über 80 E-Auto-Modelle mit Werks-Anhängerkupplung, wobei Spitzenmodelle bis zu 2.500 kg ziehen können.
- Der Stromverbrauch verdoppelt sich im Anhängerbetrieb nahezu (durchschnittlich +104 Prozent), was die reale Reichweite halbiert.
- Der Luftwiderstand des Anhängers beeinflusst den Reichweitenverlust stärker als das Gewicht.
- Tempo 80 bis 90 km/h ist für E-Gespanne der ideale Bereich, da höhere Geschwindigkeiten die Batterie massiv leeren.
Welche Elektroautos dürfen schwere Anhänger und Wohnwagen ziehen?
Im Jahr 2026 gibt es bereits über 80 Elektroauto-Modelle, die ab Werk mit einer vollwertigen Anhängerkupplung bestellbar sind. Spitzenmodelle bewältigen dabei bis zu 2.500 Kilogramm gebremste Anhängelast. Große Elektro-SUVs haben damit das Niveau klassischer Diesel-Zugpferde erreicht.
Laut dem ADAC in seiner Übersicht zu Elektroautos mit Anhängerkupplung (Stand Mitte 2026) wächst das Angebot in allen Fahrzeugklassen stetig. Die Auswahl für E-Autos als Zugfahrzeug: Die besten Elektroautos für Wohnwagen und schwere Anhänger reicht mittlerweile von der soliden Mittelklasse bis hin zu absoluten Luxus-Kreuzern. Werfen wir einen Blick auf die aktuellen Zugkräfte:
| Fahrzeugklasse | Modellbeispiele (Auswahl) | Max. Anhängelast (gebremst) |
|---|---|---|
| Schwergewichte | BMW iX, Kia EV9, Hyundai Ioniq 9 | bis 2.500 kg |
| Oberklasse | Mercedes GLC EQ, Tesla Model X | 2.250 bis 2.400 kg |
| Mittelklasse & Allrounder | Volvo EX60, VW ID.Buzz (Allrad) | bis 2.000 kg |
| Solide Basis | VW ID.4 / ID.5 / ID.7, Skoda Elroq, Kia EV6 | 1.600 bis 1.800 kg |
Ein wichtiges Detail für die Praxis ist die 8-Prozent-Steigungsregel. Viele Hersteller bewerben stolz ihre Top-Anhängelasten, aber ein Blick in die Papiere verrät oft, dass diese Werte nur für Steigungen bis 8 Prozent gelten. Geht es in die Alpen auf 12 Prozent Steigung, sinkt die erlaubte Zuglast meist deutlich.
Wer extrem schwere Lasten wie große Bootstrailer zieht, greift derzeit oft noch zu Plug-in-Hybriden (PHEV). Ein VW Touareg R beispielsweise zieht bis zu 3.500 Kilogramm und ist für viele Pferdebesitzer noch immer das Mittel der Wahl. Wer sich übrigens nicht gleich festlegen möchte, ob ein rein elektrisches Zugfahrzeug schon zum eigenen Alltag passt, kann auch erst einmal aktuelle E-Auto-Abo-Angebote prüfen und einen Stromer flexibel für eine Saison ausprobieren.
Wie stark sinkt die Reichweite beim E-Auto mit Wohnwagen?
Die Reichweite eines Elektroautos halbiert sich im Anhängerbetrieb mit einem Wohnwagen in der Regel, da der Stromverbrauch um rund 104 Prozent ansteigt. Das ist die bittere, aber ehrliche Wahrheit, die jeder E-Camper kennen muss. Die sogenannte „50-Prozent-Regel“ hat sich in der Praxis fest etabliert.
Eine große Studie des Schweizer TCS (Touring Club Schweiz) aus dem Jahr 2023 hat E-Autos mit maximaler Anhängelast über 198 Kilometer auf der Autobahn getestet. Das Ergebnis war eindeutig: Der Stromverbrauch steigt im Durchschnitt auf das Doppelte an, wobei die Spanne je nach Fahrzeug und Anhänger zwischen 62 und 147 Prozent Plus lag. Diese Daten decken sich auch mit einem ausführlichen Anhänger-Test von CHIP, der die Unterschiede zwischen Diesel und Elektro beim Ziehen beleuchtet hat.
Ein Verbrauch von 40 bis 50 kWh auf 100 Kilometer ist mit einem Wohnwagen am Haken völlig normal. Da das auf der Langstrecke ordentlich ins Geld gehen kann, rate ich immer dazu, vor der Reise aktuelle Ladetarife im Vergleich zu prüfen. Bei aktuellen Batteriegrößen von 70 bis 100 kWh pendeln sich die realistischen Etappen zwischen den Ladestopps somit bei 150 bis 250 Kilometern ein.
Smarte E-Autos erkennen glücklicherweise mittlerweile, wenn der Hängerstecker eingesteckt wird. Die Software passt die Routenplanung dann automatisch an den drastisch höheren Verbrauch an und plant die Ladestopps entsprechend engmaschiger.
Ist das Gewicht des Anhängers der größte Reichweiten-Killer?
Nein, der eigentliche Feind der Reichweite beim Elektroauto ist der Luftwiderstand des Anhängers. Das Gewicht spielt eine geringere Rolle. Das ist einer der hartnäckigsten Mythen an den Ladesäulen, der von ehemaligen Diesel-Fahrern gerne gepflegt wird. Beim Verbrenner kostet Gewicht massiv Sprit, beim E-Auto sieht die Physik dank der Energierückgewinnung anders aus.
Das Zauberwort heißt Rekuperation. Geht es bergab, drückt die Masse des schweren Anhängers von hinten, wodurch das E-Auto stärker rekuperieren muss, um die Geschwindigkeit zu halten. So schiebt der Motor massig Strom zurück in die Batterie, weshalb sich das Gewicht auf hügeligen Strecken teilweise selbst kompensiert.
Der echte Killer ist die Aerodynamik. Tests von Fachmagazinen wie Promobil belegen, dass ein leichter, aber hoher und klobiger Wohnwagen deutlich mehr Strom aus dem Akku saugt als ein tonnenschwerer, aber flacher Lastenanhänger. Die Hersteller von Wohnwagen haben das glücklicherweise erkannt und steuern gegen.
Neue, auf E-Autos optimierte Modelle von Marken wie Knaus oder Dethleffs setzen auf extreme Leichtbauweise mit einem Leergewicht ab circa 660 Kilogramm. Vor allem aber punkten sie mit einer stark verbesserten, windschnittigen Aerodynamik durch tiefergelegte Aufbauten und spezielle Abrisskanten.
Wie schnell sollte man mit einem Elektro-Gespann fahren?
Die ideale Reisegeschwindigkeit für ein E-Auto mit Wohnwagen liegt zwischen 80 und 90 km/h, da höhere Geschwindigkeiten den Stromverbrauch überproportional in die Höhe treiben. Wer glaubt, die begehrte Tempo-100-Zulassung seines Wohnwagens auf der linken Spur ausreizen zu müssen, wird an der Ladesäule gnadenlos bestraft.
Messungen von Automobilclubs zeigen hier einen gravierenden Unterschied zum Verbrenner. Laut aktuellen Testreihen steigt der Verbrauch bei einem Diesel-Gespann beim Sprung von 80 auf 100 km/h um etwa 25 Prozent an, während er beim Elektroauto um rund 35 Prozent nach oben schießt. Da E-Motoren extrem effizient arbeiten, schlagen aerodynamische Verluste, die im Quadrat zur Geschwindigkeit wachsen, prozentual viel stärker durch.
Michaels Praxis-Tipp: Klemmen Sie sich auf der Autobahn mit dem Abstandsregeltempomat bei 85 km/h hinter einen modernen Lkw. Sie gleiten entspannt im Windschatten mit, der Verbrauch sinkt spürbar, und Sie sparen sich ständige, stressige Überholmanöver. Die fünf Minuten, die Sie durch Tempo 100 auf der Strecke gewinnen, verlieren Sie ohnehin beim zusätzlichen Ladestopp.
Sind E-Autos beim Fahren mit Anhänger besser als Verbrenner?
In puncto Fahrdynamik und Fahrstabilität sind Elektroautos herkömmlichen Verbrennern als Zugfahrzeug durch ihr hohes Eigengewicht und das sofortige Drehmoment drastisch überlegen. Wer einmal ein schweres Gespann elektrisch über die Alpenpässe gezogen hat, will meist nie wieder zurück zum Schalter oder zur Wandlerautomatik.
Der größte Vorteil ist die Kraftentfaltung, denn ein E-Auto liefert sein maximales Drehmoment aus dem Stand heraus. Das Anfahren an steilen Steigungen gelingt völlig mühelos und vor allem ohne verschmorende Kupplung. Dazu kommt die extreme Fahrstabilität durch die schwere Batterie im Unterboden, die für einen enorm tiefen Schwerpunkt sorgt.
Selbst wenn der Hänger durch Seitenwind ins Schlingern gerät, bringt das den schweren Stromer davor kaum aus der Ruhe. Dem gegenüber stehen jedoch Einbußen beim Komfort während der Reise, konkret beim Laden. An vielen herkömmlichen, quer zur Fahrtrichtung stehenden Schnellladesäulen muss der Wohnwagen mühsam abgekuppelt werden, um nicht drei Ladeplätze gleichzeitig zu blockieren.
Immerhin reagiert die Infrastruktur, und Ladesäulenbetreiber rüsten sukzessive sogenannte „Drive-Through“-Ladeplätze nach. Hier kann man mit dem Gespann wie an einer klassischen Tankstelle einfach durchfahren. Spezielle Apps für Camper und Trucker helfen mittlerweile dabei, genau diese Säulen entlang der Route zu filtern.
Darf ich an jedes E-Auto eine Anhängerkupplung montieren?
Nein, eine Anhängerkupplung darf nur montiert und zum Ziehen genutzt werden, wenn in den Fahrzeugpapieren des E-Autos explizit eine zulässige Anhängelast eingetragen ist. Fehlt dieser Wert, ist der Anhängerbetrieb schlichtweg illegal und der Versicherungsschutz erlischt sofort.
Hier gibt es eine gefährliche Falle: Die Verwechslung von Stützlast und Anhängelast. Als ich 2024 für den Blog Probefahrten mit älteren Modellen wie dem VW ID.3 und dem Renault Zoe R135 machte, fiel mir das wieder auf. Diese Autos haben in den Papieren oft eine erlaubte Stützlast von beispielsweise 75 Kilogramm eingetragen, was super für einen Fahrradträger ist.
Die Anhängelast beträgt bei diesen Modellen aber exakt 0 Kilogramm, was bedeutet: Ziehen verboten! Ist das Auto werksseitig für den Anhängerbetrieb zugelassen, wurde aber ohne Kupplung ausgeliefert, ist eine Nachrüstung meist problemlos machbar. Laut aktuellen Werkstattdaten liegen die Kosten für eine Nachrüstung im Fachbetrieb meist zwischen 450 und 1.150 Euro, abhängig von der Fahrzeugelektronik.
Eignet sich ein Elektroauto für die Fernreise mit Wohnwagen?
Ein reines Elektroauto eignet sich für Fernreisen mit Wohnwagen, sofern man den Weg als Teil des Urlaubs betrachtet und bereit ist, alle zwei bis zweieinhalb Stunden eine Ladepause einzulegen. Wer die alte „Diesel-Mentalität“ pflegt und 1.000 Kilometer bis nach Italien in einem Rutsch durchprügeln will, wird mit einem Stromer aktuell noch verzweifeln.
Die Technik ist da, die Autos sind stark genug und ziehen sicherer als je zuvor. Die Herausforderung liegt heute primär im Kopf des Fahrers, denn man muss das Reisen wieder etwas entschleunigen. Ein Ladestopp alle 200 Kilometer zwingt zu Pausen, die der Konzentration ohnehin gut tun, und mit der wachsenden Zahl an Drive-Through-Ladeparks verliert auch das lästige Abkuppeln langsam seinen Schrecken.
Fazit
E-Autos als Zugfahrzeug haben das Nischendasein endgültig verlassen. Die Auswahl an Modellen, die auch schwere Wohnwagen oder Pferdeanhänger souverän ziehen können, ist groß und wächst weiter. In Sachen Fahrstabilität deklassieren die schweren Stromer ihre Verbrenner-Kollegen oft mühelos.
Der Preis dafür ist ein massiver Reichweitenverlust durch die schlechte Aerodynamik der Anhänger. Wer sich aber auf den Rhythmus der Elektromobilität einlässt und die Reise etwas entspannter angeht, findet im E-Auto ein extrem komfortables und sicheres Zugfahrzeug. Wenn ihr vor dem ersten E-Camping-Urlaub noch Fragen habt oder eure eigenen Erfahrungen teilen möchtet, könnt ihr das jederzeit gerne im Elektroauto-Forum diskutieren.

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