Elektrisierter Alltag – Erfahrungen aus Schottland 1

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Elektrisierter Alltag – Erfahrungen aus Schottland 1
Quelle: Sabrina Pfeifer

Viel gelobt und viel gefördert: Regierung und öffentlicher Verkehrsverband sind eifrig dabei die E-Mobilität in Schottland unter Land und Leuten populärer zu machen. Aber wie ist es eigentlich im Alltag mit einem E-Auto im schottischen Verkehr unterwegs zu sein? Ich habe mich mit Karen von der University of the West of Scotland (UWS) getroffen. Sie arbeitet dort als Dozentin im Gesundheits-Bereich und fährt seit einem halben Jahr einen Nissan Leaf – davor war es das Auto ihres Mannes.

Mit E durch Schottland – Überzeugung war notwendig

Am Anfang war sie ziemlich skeptisch, erzählt sie frei heraus. Sie ist früher immer Gangschaltung gefahren und war deshalb nicht ganz von der Automatik überzeugt. Vor allem die fehlende Handbremse fand sie ungewohnt. Aber ihr Mann hat sie mit einem Trick überzeugt: Er hat sie einfach ins Auto gesetzt und eine Testfahrt mit ihr gemacht. Ihre Meinung danach: „Nachdem ich es einmal gefahren bin, dachte ich mir, eigentlich ist es gar nicht so schlecht.“

Laden auf dem Campus

Aus ihrer Sicht ist – momentan – der ökonomische Aspekt in Schottland ein ziemlich großer Vorteil. An der Uni kann sie den Nissan nämlich kostenlos aufladen. Ja, die UWS hat eine eigene Standard Ladestation von ChargePlace Scotland. So etwas wie Benzingeld fällt also weg. Wenn sie morgens auf dem Campus ankommt, steckt sie es einfach in die Ladesäule ein und fertig. „An der Uni ist es praktisch und es ist gratis“, antwortet sie lachend auf meine Frage, warum sie nicht zuhause lädt, „ich lade nur zuhause, wenn ich das Auto abends nochmal brauche.“ Ansonsten kommt sie mit den 100 Meilen Reichweite ganz gut aus – zumindest für ihren tägliche Weg zur Arbeit. Und: Ein weiterer positiver Nebeneffekt: „Ich muss mich nicht um einen Parkplatz streiten – egal wie viel auf den oberen Parkplätzen los ist, der Ladeplatz hier ist (noch) immer frei.“

Umweltfreundlich fahren heißt Bäumchen bauen

Ich frage, was sie an ihrem E-Auto am besten findet. „Die Tatsache, dass es mir Geld spart“, sagt sie, grinst und ergänzt dann aber: „Mit dem Auto zu fahren, ist sehr beruhigend. Es ist ein sehr meditatives Fahren und natürlich umweltfreundlicher. Je vorausschauender man fährt, desto schneller wächst in der Dashboard-Anzeige ein kleiner Baum.“ Und das ist mittlerweile für sie zu einem richtigen Ansporn geworden, denn: Ihr Mann hat eine App mit der man verschiedene Fahrstile vergleichen kann – untereinander und mit Fahrern auf der ganzen Welt.

Mit Eco-Schub durch den Kreisverkehr

Mit einem schelmischen Grinsen verrät sie mir dann noch, dass sie den Eco-Knopf am Lenkrad gerne benutzt. Der gibt ihr beim Anfahren einen extra Antriebsschub. „Ich glaube das ist für andere Autofahrer sehr überraschend. Weil sie erwarten, dass ich langsam anfahre, da ich in einem E-Auto sitze.“ Ein scheinbar weiter verbreitetes Vorurteil. Allerdings haben E-Motoren beim Antritt sofort das maximale Drehmoment – und damit auch die maximale Leistung – zur Verfügung, weswegen das Anfahren von E-Autos meistens mindestens genauso flott ist. Während einer kurzen Rundfahrt nach dem Gespräch, kann ich Karens Punkt des „meditativen Fahrens“ nachvollziehen. Allerdings finde ich, dass das Reifengeräusch des Nissan ganz schön laut wird, sobald man die 40mph (60km/h) überschreitet. Klein aber oho: Was der Eco-Button bewirkt, zeigt sie mir auch noch – und wir fahren mit Schwung durch den Kreisverkehr.

Fortsetzung folgt…

Wo Vorteile sind, gibt es meistens aber auch Nachteile – die verrät mir Karen morgen im zweiten Teil…

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