Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge – was ist noch nötig für den Durchbruch?

Einer der größten Kritikpunkte an Elektroautos ist ihre noch relativ geringe Reichweite. Selbst die besten Elektroautos haben nicht genug Akkukapazität, um lange Strecken zurückzulegen. Doch auch Autos mit Verbrennungsmotor müssen regelmäßig vollgetankt werden. Für diese gibt es allerdings genügend Tankstellen. Das eigentliche Problem bei Elektrofahrzeugen besteht nicht in der geringen Reichweite. Die größte Hürde ist, dass einfach nicht genug E-Mobilität-Ladesäulen vorhanden sind. E-Mobilität und Ladeinfrastruktur – eine große Herausforderung in Deutschland.

So kommt die emissionsfreie Alternative zum konventionellen Auto für viele nicht infrage – insbesondere außerhalb von Ballungszentren.

Doch die Infrastruktur braucht nicht nur mehr Ladestationen. Wir erklären, was bereits gut funktioniert und was noch verbessert werden muss, damit E-Mobilität massentauglich wird und die Ladeinfrastruktur Deutschlands die 1.000.000 geplanten Elektroautos auch ausreichend versorgt.

Die Suche nach der „Zapfsäule“

Ein Auto mit Verbrennungsmotor ist leicht aufgetankt – egal, auf welchem Teil der Erde man sich gerade befindet. Anders sieht es aus, wenn man mit einem Elektroauto eine Ladestation finden möchte. Auch E-Mobilität braucht Tankstellen.

Zunächst muss man herausfinden, wo die nächste Ladestation überhaupt ist (wofür es kein zentrales Register gibt). Dann ist es nötig zu wissen, welche Ladeleistung die jeweilige Säule hat. Zudem sind lange Wartezeiten einzuplanen, bis das Auto wieder genügend Power hat. Eine weitere Herausforderung: Es gibt verschiedene Säulentypen. Berücksichtigt werden muss auch, dass Akkus an Gleichstromsäulen nur bis 80 Prozent aufgeladen werden dürfen. Und mit anderen Ladesäulen dauert das Laden gut und gerne zwei bis vier Stunden.

Auch beim Bezahlen stellt sich die Frage, wie das überhaupt funktioniert: Ist für diese Ladesäule eine Kundenkarte nötig? Was, wenn kein Internetzugang besteht? Die E-Mobilität-Ladesäulen werden nämlich meist nicht von der Tankstelle, sondern von Energieversorgern betrieben. Und wie wird bezahlt? Pro Kilowattstunde, pro Ladevorgang oder pro Stunde? Und was passiert, wenn man mal ins Ausland fährt – wie sieht die Infrastruktur dort aus?

Kurzum: Liegenbleiben ist mit Elektroautos ein deutlich realistischeres Szenario als mit einem klassischen Auto, das Diesel oder Benzin verbrennt. Vorausschauende Routenplanung vor jeder langen Fahrt ist wichtig, denn die Lade-infrastruktur bedarf noch wesentlicher Erweiterungen und einer Standardisierung. Wer sich für E-Mobilität entscheidet, entscheidet sich zumindest aktuell auch für die Suche nach einer passsenden Ladesäule. Doch die Zukunft verspricht Besserung – vor allem in Form von mehr Stromtankstellen.

Ein Licht am Ende des Tunnels

Gerade in großen Städten ist die nächste Ladesäule bereits heute oft schnell gefunden. Außerdem fahren die meisten E-Auto-Besitzer stets die gleichen Ladestationen an, sodass im Alltag nicht jedes Mal eine neue Ladesäule gefunden werden muss. Für den Weg zur Arbeit und zurück reicht die Infrastruktur in einer urbanisierten Gegend auch jetzt schon aus.

Unterstützung für eine bessere Ladeinfrastruktur kommt von verschiedenen Seiten. Die Bundesregierung unterstützt den Ausbau der Ladesäulen innerhalb des circa 1-Milliarde-Euro-Pakets, das E-Mobilität subventioniert. Auch Autohersteller investieren in Ladenetze, um mehr Elektroautos zu verkaufen.

Gleichzeitig planen die Autohersteller, das Aufladen von Elektroautos genauso komfortabel zu gestalten wie das Auftanken gewöhnlicher Autos. Das wollen die Hersteller erreichen, indem sie ein Netzwerk aus ultraschnellen Ladestationen aufbauen, das Europas Hauptverkehrsachsen versorgt.

Verkehrsminister Dobrindt setzt sich für mehr E-Mobility-Ladestationen ein: Die Regierung subventioniert den Aufbau des Ladenetzes in Deutschland mit 300 Millionen Euro, um eine flächendeckende Infrastruktur für Elektroautos zu gewährleisten. So sollen Elektromobile-Autofahrer bald Ladestationen in Deutschland finden, ohne sich Sorgen zu machen, ohne Strom auf der Autobahn liegenzubleiben.

Wenn’s niemand anders macht, dann hilft man sich selbst

Doch Hilfe kommt nicht nur von den großen Unternehmen und der Regierung. Elektroautofahrer helfen sich auch gegenseitig. So entwickelte zum Beispiel ein Fahrer die App NextPlug, die ihre Daten aus dem inoffiziellen Register von goingelectric.de bezieht und für Freunde der E-Mobilität übersichtlich Ladesäulen in der Umgebung auflistet. Goingelectric.de gilt als beste Übersicht der Ladeinfrastruktur für E-Mobilität.

Auch andere Anbieter wie BMW stellen Register zur Verfügung. Diese sind allerdings oft unvollständig, da weit nicht alle E-Mobilität-Ladesäulen verschiedener Anbieter gemeldet werden.

Vorbild West-USA

An der Westküste der USA lässt sich das vielleicht beste Netzwerk für Elektroautos finden. Alle 40 bis 80 Kilometer befindet sich hier eine E-Mobilität-Ladesäule. Dieses System streckt sich nicht über die gesamten USA, dennoch dient der „Westcoast Highway“ als gutes Vorbild.

Als Heimat des Elektroauto-Herstellers Tesla bekamen die USA auch schon in den letzten Jahren von Tesla selbst Ladesäulen zur Verfügung gestellt. Ein stetig wachsendes Netzwerk aus sogenannten Superchargern sorgt hier schon bald dafür, dass kein Tesla-Fahrer sich mehr Sorgen darüber machen muss, nicht schnell genug wieder Strom zu tanken.

Die Supercharger, die eine beinahe volle Aufladung in circa 30 Minuten versprechen, sind auch vermehrt in Europa zu finden. Nachdem die Niederlande schon vergleichsweise viele Elektromobilität-Ladestationen bieten, sind auch in Deutschland inzwischen einige Supercharger zu finden.

Fazit: Es gibt noch viel zu tun

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Deutschland noch einiges zu tun hat, wenn es um die Infra-struktur hinsichtlich E-Mobilität geht. Es müssen mehr Ladestationen her – und zwar Ladestationen, die das Auto schnell aufladen. Vor allem aber ist es wichtig, ein zentrales System aufzubauen, das das Bezahlen und Finden von Ladesäulen einfacher macht.

Natürlich besteht immer noch die Möglichkeit, den Wagen zu Hause an der Steckdose zu laden. So kann eine Ladung allerdings bis zu acht Stunden dauern. Uns freut, dass sowohl Autohersteller als auch die Politik daran arbeiten, das Netz auszubauen. Ein flächendeckendes Netz aus Ladesäulen scheint heute noch nicht greifbar, kann und muss aber schon bald Realität sein.