Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge – was ist noch nötig für den Durchbruch?

Einer der größten Kritikpunkte an Elektroautos war bislang die noch relativ geringe Reichweite. Es hält sich nachhaltig die Mär, dass selbst die besten Elektroautos nicht genug Akkukapazität hätten, um lange Strecken zurückzulegen. Wer jedoch die durchschnittliche, tägliche Fahrstrecke in Deutschland betrachtet, der erkennt, dass die neueren Generationen an Elektroautos durchaus hinlänglich Reichweite bieten. In Deutschland fährt der Autofahrer im Schnitt 32 Kilometer Strecke am Tag. Da reichen also die heutigen Reichweiten von 250 bis 400 km bei den neueren Elektrofahrzeugen allemal aus. Das eigentliche Problem bei Elektrofahrzeugen besteht also nicht in der zu geringen Reichweite, zumal die Entwicklungen bei Akkus und Batterien der Elektroautos sukzessive für mehr Reichweite sorgen.

Eine weitere große Hürde ist, zumindest in der Perzeption der Fahrer von Verbrennerautos, dass in Deutschland einfach nicht genug E-Mobilität-Ladesäulen vorhanden sind. E-Mobilität und Ladeinfrastruktur – eine große Herausforderung in Deutschland? Nun, das Jahr 2019 hat hier einen echten Umschwung gebracht. Erstmals gibt es mit 18.740 Standorten mit ihren 53.639 Ladepunkten mehr Ladesäulen als Tankstellen für Verbrennerfahrzeuge (14.118). Und das sind die öffentlich zugänglichen Ladepunkte, die vielen privaten Ladestellen sind hierin nicht enthalten.

Wir brauchen eine europäische Batterieversorgung

Doch die Infrastruktur braucht nicht einfach weitere Ladestationen. Für den nachhaltigen und effizienten Aufbau einer Produktion von Elektroautos gilt es in Europa eine eigene Entwicklung und den Bau von Batterie aufzubauen. Die Herstellung der Elektroauto Batterie ist bislang sehr stark in die Hände chinesischer Produzenten gelegt worden. Eigene europäische Kapazitäten für Batterien von Elektroautos sind jedoch unumgänglich.

Wir erklären, welche Themen in Sachen Infrastruktur, Ladesäulen und Energie bereits gut funktionieren und was noch verbessert werden muss, damit E-Mobilität massentauglich wird und die Ladeinfrastruktur Deutschlands auch den geplanten Ausbau an Elektroautos ausreichend versorgt.

Die Suche nach der Ladesäule

Zugegeben: ein Auto mit Verbrennungsmotor ist leicht aufgetankt – das ist seit Jahrzehnten geübt ganz gleich, auf welchem Teil der Erde man sich gerade befindet. Anders sieht es aus, wenn man mit einem Elektroauto eine Ladestation finden möchte. Der Ladevorgang erfordert ein Einstellen auf neue Themen, die sowohl von bekannten Anbietern, als auch von neuen Marktteilnehmern erbracht werden.

Denn mit dem Verbrenner fuhren wir jahrelang zu Shell, Total, Aral, BP oder einem der kleineren Anbieter, tankten auf und waren 5 Minuten später wieder auf der Straße unterwegs. Der Ladevorgang ist auf den ersten Blick komplexer.

Denn zunächst muss man herausfinden, wo die nächste Ladestation überhaupt ist. Viele der Hersteller wie etwa bei Tesla oder im Renault Zoe zeigen die in der Nähe liegenden Ladesäulen in ihrem Display an. Dann ist es nötig zu wissen, welche Ladeleistung die jeweilige Säule hat. Zudem sind Wartezeiten einzuplanen, bis das Auto wieder genügend Power hat. Eine weitere Herausforderung: Es gibt verschiedene Säulentypen. Berücksichtigt werden muss auch, dass Akkus an Gleichstromsäulen nur bis 80 Prozent aufgeladen werden dürfen. Und mit anderen Ladesäulen kann das Laden gut und gerne zwei bis vier Stunden dauern.

Auch beim Bezahlen stellt sich die Frage, wie das überhaupt funktioniert: Ist für diese Ladesäule eine Kundenkarte nötig? Was passiert, wenn kein Internetzugang besteht? Die E-Mobilität-Ladesäulen werden nämlich in der Regel nicht von der Tankstelle, sondern von Energieversorgern betrieben. Und wie wird bezahlt? Pro Kilowattstunde, pro Ladevorgang oder pro Stunde?

Das Eichrecht für die Ladesäulen kommt

In Deutschland ist nach wie vor das Eichrecht nicht auf die Anbieter an Ladesäulen übertragen. Eine exakte Abrechnung nach Kilowattstunden erhalten die Nutzer selten. Doch Besserung ist hier in Sicht, denn alle Marktteilnehmer verfolgen das Ziel, die elektrische Energieabgabe eichrechtskonform an AC- und DC-Ladepunkten zu messen und abzurechnen. Um in Zukunft transparente Abrechnungen sicherzustellen, hat demnach ein extra bestellter Regelermittlungsausschuss einheitliche Anforderungen für die Erfassung von Messwerten festgelegt. Nun sind die Betreiber von Ladeeinrichtungen aufgefordert, diese gesetzlichen Anforderungen auch technisch umzusetzen.

Und was passiert, wenn man mal ins Ausland fährt – wie sieht die Infrastruktur dort aus?

Kurzum: wir müssen uns mit den Elektroautos umstellen. Einfach ist es, wenn aus Gewohnheit immer dieselbe Ladesäule angefahren wird, zum Beispiel beim Einkauf in einem IKEA, Aldi, Kaufland oder Lidl Markt. Hier haben viele der Märkte bereits Ladesäulen im Angebot, welche für die Zeit des Einkaufs meist kostenlos genutzt werden können.

Doch gerade für die längeren Fahrten ist eine gewisse Planung und vorausschauende Routenplanung notwendig. Wer sich für E-Mobilität entscheidet, entscheidet sich zumindest aktuell auch für die Suche nach einer passenden Ladesäule. Doch die Zukunft verspricht Besserung – vor allem in Form von mehr Stromtankstellen in den Städten und auf dem Land.

Ein Licht am Ende des Tunnels

Gerade in großen Städten ist die nächste Ladesäule bereits heute oft schnell gefunden. Für den Weg zur Arbeit und zurück reicht die Infrastruktur in einer urbanisierten Gegend auch jetzt schon aus. Ganz wichtig ist dank modernster Speichertechnologie inzwischen auch der Ladevorgang zu Hause. Hier kann Strom geladen werden, der aus regenerativen Quellen (Solaranlage) besteht oder der zu Zeiten geladen wird, die besonders günstig sind, also zum Beispiel Nachts.

Unterstützung für eine bessere Ladeinfrastruktur kommt zusätzlich von verschiedenen Seiten. Die Bundesregierung unterstützte zunächst seit dem Jahr 2010 mit dem Ziel, dass bis zum Jahr 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen fahren sollten. Doch gegen Ende des Jahres 2019 hat die Bundesregierung gemeinsam mit Spitzenvertretern der Automobilindustrie zusätzliche Maßnahmen zur Förderung der Elektromobilität beschlossen. Neben den Zuschüssen für den Kauf von elektrischen Fahrzeugen setzt der Bund auf die massive Förderung der Ladepunkte. Bis zum Jahr 2030 sollen zehn Millionen Elektroautos in Deutschland fahren, hinzu kommen weitere rund 500.000 Elektro-Nutzfahrzeuge.

Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) präsentiert in seinem Masterplan – das Laden solle “immer für alle und überall möglich” sein. Daher wurde nun das Ziel ausgegeben bis zum Jahr 2030 insgesamt eine Million Ladepunkte in Deutschland einsatzfähig zu haben.

Beinahe alle Elektroauto Hersteller zeigen die verfügbaren Ladestellen im bordeigenen Display an

Gleichzeitig planen die Autohersteller, das Aufladen von Elektroautos genauso komfortabel zu gestalten wie das Auftanken gewöhnlicher Autos. Das wollen die Hersteller erreichen, indem sie ein Netzwerk aus ultraschnellen Ladestationen aufbauen, das Europas Hauptverkehrsachsen versorgt. Bis zum Ende 2020 wird das Unternehmen Ionity 400 Schnellladesäulen in Europa an besonders wichtigen, strategischen Punkten entlang der Autobahnen und großen Schnellstraßen errichten.

Auch andere Anbieter wie BMW stellen Register zur Verfügung. Diese sind allerdings oft unvollständig, da weit nicht alle E-Mobilität-Ladesäulen verschiedener Anbieter gemeldet werden. Audi wiederum stattet seine Käufer der neuen e-tron Fahrzeuge mit einer Audi-eigenen Ladekarte aus, um somit das einheitliche Laden von Strom für das Elektroauto zu vereinfachen. In den Displays der Elektroautos sind dann die Elektro-Ladestationen angezeigt. Das können inzwischen die meisten Bordcomputer der Elektroauto Hersteller, von smart EQ, Renault Zoe bis hin zu den Mercedes-Benz EQ Modellen oder den Tesla Elektroautos. Eine integrierte Darstellung der Lademöglichkeiten gehört zum Service der Elektroauto Produzenten.

Vorbild West-USA

An der Westküste der USA lässt sich das vielleicht beste Netzwerk für Elektroautos finden. Alle 40 bis 80 Kilometer befindet sich hier eine E-Mobilität-Ladesäule. Dieses System streckt sich nicht über die gesamten USA, dennoch dient der „Westcoast Highway“ als gutes Vorbild. Als Heimat des Elektroauto-Herstellers Tesla bekamen die USA auch schon in den letzten Jahren von Tesla selbst Ladesäulen zur Verfügung gestellt. Ein stetig wachsendes Netzwerk aus sogenannten Superchargern sorgt hier schon bald dafür, dass kein Tesla-Fahrer sich mehr Sorgen darüber machen muss, nicht schnell genug wieder Strom zu tanken.

Die Supercharger, die eine beinahe volle Aufladung in circa 30 Minuten versprechen, sind auch vermehrt in Europa zu finden. Nachdem die Niederlande schon vergleichsweise viele Elektromobilität-Ladestationen bieten, sind auch in Deutschland inzwischen einige Supercharger zu finden.

Tesla baut seine Batterien für den Einsatz in den Elektroautos in eigenen Fabriken, sie heißen jeweils Gigafactory – dort werden die Grundlagen für die aufladbaren Batterien gelegt, die dann an den Superchargern weltweit geladen werden können.

Fazit: 2019 war ein Jahr des Wandels für die Elektromobilität auf deutschen Straßen doch – es gibt noch viel zu tun

In Deutschland hat im Jahr 2019 ein Wandel in Sachen Elektromobilität stattgefunden. Die Infrastruktur wurde deutlich ausgebaut, so dass die Anzahl an Standorten mit Ladepunkten größer ist, als die Zahl der Tankstellen für Verbrenner. Die Reichweiten in den verfügbaren Elektroautos sind deutlich gestiegen. Im Jahr 2020 werden Dutzende neuer E-Autos auf die Straße kommen, allesamt mit verbesserter Batteriequalität.

Doch es muss uns in den kommenden Monaten gelingen, die Infrastruktur und die Ladeprozesse weiter zu vereinfachen. Ladesäulen, Bezahlsysteme und die Verwendung von Ladekabeln muss weiter vereinfacht werden, so dass eben auch ‘Lieschen Müller’ diesen Ladevorgang ‘im Schlaf’ bedienen kann.

Natürlich besteht immer noch die Möglichkeit, den Wagen zu Hause an der heimatlichen Wallbox oder auch der Steckdose zu laden. So kann ein Laden zuhause allerdings ein paar Stunden dauern. Das gilt es dem Verbraucher klar zu machen, denn neben der Chance, günstiger Strom zu laden, gilt es die veränderten Zeitfaktoren in die eMobilität mit einzubeziehen.