Meine 14-jährige Tochter verdreht neuerdings gern die Augen, wenn ich am Esstisch wieder mit Reichweiten, Ladekurven und Batteriechemie anfange. „Papa, kauf doch einfach ein Auto, das cool aussieht und reinpasst“, sagt sie dann. Wenn das nur so einfach wäre! Mein neunjähriger Sohn hingegen interessiert sich primär dafür, ob hinten genug Platz für seinen Fußballkram ist. Und ich? Ich sitze in Hamburg, lade meinen in die Jahre gekommenen, aber heiß geliebten BMW i3 an meiner heimischen Webasto Next Wallbox (die ich mir Ende 2023 endlich gegönnt habe, betrieben mit feinstem Strom vom eigenen PV-Dach) und rechne.
Wir schreiben das Jahr 2026, und das lange versprochene „Elektroauto für die Massen“ ist endlich da. Zumindest behaupten das die Marketing-Abteilungen. Letztes Jahr hatte ich mal für sechs Monate ein VW-Elektroauto-Abo. Das hat mich stramme 500 Euro im Monat gekostet. Da überlegt man als Familienvater schon, ob es nicht auch günstiger geht, weshalb ich aus dieser Erfahrung heraus ein kleines Projekt gestartet habe, um E-Auto-Abos fair zu vergleichen. Genau hier treten jetzt zwei Fahrzeuge an, die den Markt aufmischen sollen. Werfen wir also einen genauen, ungeschönten Blick auf den direkten Vergleich: VW ID Polo Renault 5.
Der 25.000-Euro-Mythos: Was bekommt man wirklich?
Bevor wir in die technischen Details gehen, müssen wir über Geld reden. Das Schlagwort Elektroauto 25000 Euro geistert seit Jahren durch die Medien. Machen wir uns nichts vor: Für diesen Preis bekommt man bei beiden Herstellern das absolute Basismodell. Das bedeutet: kleiner Akku, weniger Motorleistung und, überspitzt gesagt, schnöde Radkappen statt schicker Alufelgen.
Der VW ID Polo Preis startet bei 24.995 Euro für die Basisversion „Trend“ (bestellbar ab Mitte Juli 2026). Dafür gibt es einen 37 kWh LFP-Akku (Lithium-Eisenphosphat). Renault lockt beim Renault 5 E-Tech in der 40-kWh-Version (Evolution Urban Range) mit rund 27.500 Euro, was nach Abzug von ein paar Händlerrabatten real auch bei knapp 25.000 Euro landet.
Ich erinnere mich noch gut: 2023 habe ich für meinen BMW i3 über die THG-Quote immerhin noch 300 Euro kassiert. Da sich die Prämien ständig ändern, pflege ich für den optimalen Überblick übrigens selbst einen Vergleich aktueller THG-Quoten-Anbieter. Ein nettes Taschengeld, aber das reicht beim Neuwagenkauf anno 2026 nicht mal für das Upgrade auf die nächstgrößere Batterie. Wer echte Langstreckentauglichkeit (über 400 km WLTP) und die großen 52-kWh-Akkus will, landet bei beiden Herstellern ganz schnell bei 33.000 bis 36.000 Euro. Das muss man einfach wissen, bevor man mit rosaroter Brille beim Händler aufschlägt.
VW ID. Polo: Die Rückkehr der Vernunft (und der Knöpfe!)
Klären wir erstmal das Namens-Wirrwarr: Das Auto, das uns jahrelang als Studie „ID. 2all“ verkauft wurde, heißt jetzt offiziell VW ID. Polo. VW hat das bei der Weltpremiere im April 2026 endlich klargestellt. Als ehemaliger BMW-Mitarbeiter, der damals das Privileg hatte, am i3 mitzuentwickeln, schaue ich mir so ein Auto natürlich mit der strengen Werksbrille an.
Und ich muss sagen: Hut ab, Volkswagen. Der ID. Polo, der diesen Herbst auf die Straßen rollt, ist ein echtes Raumwunder. Mit 4,05 Metern Länge ist er kompakt, schluckt aber im Kofferraum sagenhafte 441 bis 1.243 Liter. Das ist mehr als in einem Golf 8! Einen Frunk (vorderer Kofferraum) wie mein alter Tesla Model 3 hat er zwar nicht, aber bei dem riesigen Fach unter dem doppelten Ladeboden im Heckabteil kann ich das locker verschmerzen.
Technik, die im Alltag ankommt
Was mich als Ingenieur und Pragmatiker besonders freut: VW hat gelernt. Anfang 2024 hatte ich einen VW ID.3 zur Probefahrt. Ein solides Auto, aber diese unbeleuchteten Touch-Slider für die Klimaanlage haben mich in den Wahnsinn getrieben. Der ID. Polo hat wieder echte, physische Tasten. Halleluja!
Bei der Batteriechemie setzt VW beim Einstiegsmodell auf LFP-Zellen. Die sind sehr langlebig, aber etwas schwerer und kälteempfindlicher. Wer die teurere 52-kWh-Variante nimmt, bekommt klassische NMC-Zellen und eine exzellente DC-Ladeleistung von bis zu 130 kW in der Spitze. Da ist der Akku in gut 25 Minuten von 10 auf 80 Prozent voll. Das bestätigt auch der ADAC in seiner ersten Vorstellung.
Renault 5 E-Tech: Retro-Liebe auf den ersten Blick
Ich gestehe: Ich habe eine Schwäche für französische Elektroautos. 2014 fuhr ich einen Renault Zoe, damals noch ein echter Pionier. Anfang 2024 hatte ich aus Nostalgie nochmal einen Zoe R135 zur Probefahrt. Ein braves Auto, aber technisch komplett aus der Zeit gefallen. Der neue Renault 5 E-Tech hingegen ist ein absoluter Hingucker. Das Retro-Futurismus-Design ist grandios. Wenn ich den bei Sixt in der App sehe (ich miete für Dienstreisen öfter mal E-Autos), greife ich sofort zu.
Renault hat den R5 schon etwas länger auf der Straße als VW den Polo. Das merkt man der ausgereiften Software an. Das Infotainment basiert auf „OpenR Link“ mit integriertem Google Automotive. Keine stotternden Navis, keine umständlichen Menüs, es läuft einfach flüssig wie ein Smartphone. Wenn man bei AutoScout24 die Preise und Daten vergleicht, sieht man schnell, wo die Franzosen ihre Stärken ausspielen.
Stadtflitzer mit Abstrichen
Mit nur 3,92 Metern Länge ist der R5 extrem wendig. Ein Traum für die Parkplatzsuche in Hamburg-Eimsbüttel! Außerdem bietet er serienmäßig in vielen Ausstattungen Bidirektionales Laden (V2L). Man kann also seine Kaffeemaschine beim Camping oder das E-Bike direkt am Auto aufladen. Genialer Schachzug.
Aber, und das ist ein massives Aber für mich als Familienvater, der Platz ist arg begrenzt. Auf der Rückbank wird es für meine 14-jährige Tochter schon eng mit der Beinfreiheit. Und der Kofferraum fasst nur 326 Liter. Für den Wocheneinkauf reicht das, für den Urlaub an der dänischen Küste wird es ein schweißtreibendes Tetris-Spiel. Auch bei der DC-Ladeleistung hängt Renault leicht zurück: Maximal 100 kW beim großen 52-kWh-Akku (NMC). Das ist solide und in knapp 30 Minuten ist man wieder bei 80 Prozent, aber VW ist hier schlichtweg flotter unterwegs.
Der direkte Vergleich: Welcher passt zu wem?
Wenn man die Konkurrenten gnadenlos nebeneinanderstellt (ein schöner Segment-Vergleich findet sich bei Motor1), wird schnell klar, dass die Hersteller zwei völlig unterschiedliche Philosophien verfolgen.
- Platz und Familie: Hier gewinnt der VW ID. Polo haushoch. Wer Kinder, Hobbys und Gepäck hat, kommt an den 441 Litern Kofferraum nicht vorbei. Er ist das deutlich komplettere Alltagsauto.
- Design und Stadtleben: Der Renault 5 E-Tech ist das emotionalere Auto. Er sieht fantastisch aus, die Google-Software ist eine Wucht, und für Singles, Paare oder als klassischer Zweitwagen ist er perfekt dimensioniert.
- Langstrecke: Beide sind mit dem großen Akku (52 kWh) absolut langstreckentauglich. Ob nun 130 kW (VW) oder 100 kW (Renault) Ladeleistung anliegen, die fünf Minuten Unterschied an der Ladesäule machen den Kohl auf dem Weg nach Italien auch nicht fett.
- Laden zuhause: An meiner Webasto Next laden beide brav mit 11 kW Wechselstrom (AC). Da ich tagsüber lade, wenn meine PV-Anlage Strom liefert, spielt die Batteriegröße für den reinen Pendelverkehr ohnehin kaum eine Rolle.
Mein persönliches Fazit
Der Markt für kompakte Elektroautos ist 2026 endlich da angekommen, wo wir ihn immer haben wollten. Das Duell VW ID Polo Renault 5 zeigt: Elektromobilität muss nicht mehr zwingend 45.000 Euro aufwärts kosten. Auch wenn das viel beworbene Elektroauto 25000 Euro in der Realität eher spartanisch ausgestattet ist, bieten beide Hersteller für rund 30.000 bis 35.000 Euro hervorragende, vollwertige Fahrzeuge an.
Für mich persönlich schlagen zwei Herzen in der Brust. Der Ingenieur in mir applaudiert Volkswagen für das geniale Packaging des ID. Polo, die Rückkehr zu physischen Tasten und die hohe Ladeleistung. Der VW ID Polo Preis für die mittlere Ausstattung ist fair kalkuliert. Er wäre der logische Nachfolger für unseren Familien-Fuhrpark (mein 2022 geleaster MG ZS EV war ohnehin nur ein Kompromiss auf Zeit).
Aber dann sehe ich den Renault 5 E-Tech, denke an meinen alten Zoe zurück und muss grinsen. Er hat einfach mehr Charme und die bessere Software. Vermutlich werde ich es so machen wie immer: Ich warte, bis mein i3 endgültig auseinanderfällt, miete mir für den Familienurlaub bei Europcar oder Sixt den geräumigen VW, und fahre im Alltag weiter mein bayerisches Karbon-Ufo. Aber wenn ich heute unterschreiben müsste? Dann würde die Vernunft siegen, und der VW ID. Polo in Hamburg-Eimsbüttel an der Wallbox hängen.
Wie seht ihr das? Siegt bei euch die Vernunft oder das Design? Schreibt es mir in die Kommentare oder schaut für einen echten Erfahrungsaustausch in meinem Elektroauto-Forum vorbei! Und lasst euch von euren Teenager-Kindern bei der Autowahl nicht reinreden, die müssen es schließlich nicht bezahlen. Euer Michael.

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