Vor wenigen Tagen haben wir hier auf unserem Blog noch klar die Auffassung vertreten. ‘Wenn möglich zu Hause laden.’ Diese Aussage beruht auf der reinen Kostenbetrachtung beim Laden unterwegs im Vergleich zu einem Stromvertrag für die Ladestation in der eigenen Garage. Doch leider ist dieses Laden zu Hause heute nicht ganz so einfach, wie sich dieser Satz hier vielleicht liest.

Wer neu baut, der kann Glück haben. Moderne Bauträger und Wohnungsbauunternehmen planen inzwischen vielfach mit Ladestationen im Objekt. Es ist nicht nur modern, einen Anteil an Ladestationen in einer Tiefgarage mit einzuplanen. Nein, viele Kunden fragen beim Kauf einer Eigentumswohnung oder bei der Miete in den Städten von sich aus nach diesen Ladepunkten.

Die Umrüstung für die Eigentümer einer Einzelgarage oder eines eigenen Carports ist auch machbar. Doch auch das ist nur für die Eigentümer einer Immobilie möglich, die die Parkmöglichkeit auf ihrem eigenen Grund stehen haben.

Die Umrüstung ist für die meisten Mieter unmöglich

Doch für die Mehrzahl der Mietverhältnisse steht ja nicht der Umzug in einen Neubau an. Hier geht es um die Einrichtung eines Stromanschlusses zum Laden in den bestehenden Garagen. Und diese Umrüstung ist für die meisten Mieter ein Ding der Unmöglichkeit. Für die ca. 22 Millionen Mietverhältnisse in Deutschland stellen die heutige Gesetzgebung große Hindernisse in den Weg. Und selbst diejenigen, die auf eigene Kosten einen eigenen Ladepunkt ausbauen wollen, müssen viele Steine aus dem Weg räumen.

Als Immobilieneigentümer in einer Wohnanlage kann man nicht mal so eben den Umbau in Auftrag geben. Nein, die mehrheitliche Zustimmung der weiteren Miteigentümer ist notwendig. Das betrifft sowohl die Installation des oder der Ladepunkte, als auch die Verlegung der Stromkabel bis zur Ladestelle. Es gibt keinen Rechtsanspruch auf diese Ausstattung, selbst wenn das gesamte Investment vom Elektro-Begeisterten übernommen werden sollte.

In vielen Immobilien kommt zusätzlich das Problem auf, dass die notwendige Verkabelung für den zu beziehenden Ladestrom viel zu breit für bestehende Kabelkanäle ist. Sollten zum Beispiel von einer Gesamtanzahl von 20 Stellplätzen in einer Garage 25% oder 5 Stellplätze neu mit Ladepunkten bestückt werden, so sind meist aufwendige Umbauten notwendig. Feuerschutz-rechtliche Massnahmen, die Zuordnung von Ladepunkten zu den Mietern, Probleme bei Hebebühnen … es gibt so viele potentielle Schwierigkeiten, die einem zur Last gelegt werden können.

Für die Mieter wird es besonders heftig. Es gibt keine gesetzlichen Ansprüche auf die Ausstattung eines Garagenstellplatzes mit Ladepunkt für Strom. Man ist auf Gedeih und Verderb dem Vermieter ausgeliefert und der kämpft in größeren Anlagen dann selbst mit den Problemen, die wir oben beschrieben haben.

Laden lohnt sich – für Mieter und Vermieter

Eigentlich schade, denn finanziell kann sich die Einrichtung für das eigene Laden für Vermieter tatsächlich lohnen. Die Aufwendungen zur Elektro-Ausstattung von Stellplätzen lassen sich steuerlich abschreiben. Und somit ließe sich selbst für die wenig Überzeugten ein echter Wettbewerbsvorteil unter den Vermietern verschaffen.

Doch was ist die Lösung für das Laden zu Hause – hier kommen zwei Vorschläge

Einerseits können wir auf technologische Verbesserungen hoffen. Wir berichteten von den Bemühungen verschiedenster Fahrzeughersteller, das kabellose Laden möglich zu machen. Sehr spannend aber vielleicht noch ein paar Monate weit weg.

Bleibt andererseits die Hoffnung auf eine Gesetzesinitiative aus Bayern. Einerseits sollen die Mitspracherechte der Eigentümer untereinander im Wohnungseigentumsgesetz (Bericht gemäß Haus und Grund aus München) neu geregelt werden. Andererseits soll das Blockieren des Ausbaus von Ladepunkten in der Garage nicht mehr möglich sein, oder wenn dann nur in Ausnahmefällen.

Es ist an der Zeit, dass sich diese privaten Lademöglichkeiten einfacher darstellen lassen. Denn nur so können wir ehrlich behaupten. ‘Wenn möglich zu Hause laden.’