Thema Luftverschmutzung und Bürgermeister. Zu meiner Jugend hatten wir im Rhein- Ruhrgebiet das Nummernschild als Hilfsmittel für die tagesaktuelle Verringerung von Luftverschmutzung. Gerade oder ungerade musste die Nummer sein. So durfte man an Tagen besonders hoher Smogwerte in die Innenstädte von Dortmund, Bochum oder Düsseldorf fahren.

Heute macht das die französische Hauptstadt Paris immer noch so. Die modernen Wege der Bekämpfung von schmutziger Luft in den Städten bringen jedoch einen ganz neuen Machtfaktor für die örtlichen Verantwortlichen. Und dabei muss es nicht immer gleich der Blick nach China sein, um das an Beispielen zu zeigen.

Die Sorge der Menschen in europäischen Städten ermöglicht den Bürgermeistern eine neue Rolle im Umgang mit der Automobilindustrie. Denn ganz gleich ob in Stuttgart, London oder Paris. Die jüngsten Reaktionen der Bürgermeister auf die zunehmende Luftverschmutzung sind deutlich und überall ähnlich.

London machte quasi vor wenigen Jahren den Anfang, damals jedoch eher, um dem Verkehrsinfarkt dank einer stets zunehmenden Anzahl an Fahrzeugen vorzubeugen. Die Einführung von Zugangsbeschränkungen in der City of London und angrenzenden Stadtvierteln wie Westminster, Aldwych und Co. waren ein erster Schritt. Dann kamen Niedrigabgaszonen hinzu. Als nächsten Schritt verkündete Londons frisch gekürter Bürgermeister Sadiq Khan bis zum Jahr 2019 die Niedrigabgaszonen auszuweiten. Kein Wunder, denn im Januar diesen Jahres brachten die britischen Medien die erschreckende Meldung: die Luftverschmutzung in London übersteigt die Werte in Peking.

Anne Hidalgo als Bürgermeisterin von Paris geht sogar einen Schritt weiter. „Wir werden die Luftverschmutzung und die damit verbundenen Gesundheitsprobleme und Todesfälle nicht länger hinnehmen, so verkündete sie Ende 2016.“ Gemeinsam mit den Stadtoberen von Athen, Madrid und Mexico City sollen hier Fahrzeuge mit Diesel-Motoren aus den Städten verbannt werden. Und das nicht erst im Jahr 2050, nein in zehn Jahren soll das der Fall sein.

Zurück nach China, denn dort hat die Regierung vor allem in den Großstädten zu Handeln begonnen. Bereits in 2011 begrenzte die Stadtverwaltung in der Hauptstadt Peking die Ausgabe neuer Nummernschilder. Heute wird der Fahrzeughalter bevorzugt, der ein Elektroauto anmeldet. Und das waren im Jahr 2016 immerhin mehr als 500.000 Fahrer von Elektroautos.

Heute investieren viele der Self-Made Milliardäre des Landes in Startups aus dem Bereich der Mobilität. Ganz gleich ob in den extrem wettbewerbsintensiven Bike Sharing Markt, in die Elektroautos oder in Plattformen für Transportservices für die Millionen an LKWs im Lande. Die Investments in Elektromobilität teilen allesamt das große Ziel, das Leben in den chinesischen Großstädten wieder lebenswerter zu machen.

Der Druck durch die Bürgermeister wird größer

Und so vermuten auch die Lobbyisten und Berater in Deutschland, dass die Bürgermeister der Städte bald so viel Druck auf die Mobilitätshersteller ausüben, dass jene von allein auf Verbrennungsmotoren verzichten. Laut einer Studie der Weltbank werden bis zum Jahr 2045 rund 1,5 Mal mehr Menschen in Städten leben als heute. Das sind insgesamt 6 Milliarden Menschen. Wow!

Wo wollen wir denn hin, mit all den privaten PKWs dieser Städter? Wer einmal in der Münchner Innenstadt nach einem freien Parkplatz an einem Samstag Vormittag gesucht hat, der weiß wovon ich spreche. Chronischer Platzmangel, Staus und Parkplatzsuche sind allesamt Treiber von Luftverschmutzung. Kein Wunder dass Sharing Dienste solch große Erfolge in den weltweiten Großstädten feiern. Kopenhagen (mit DriveNow) und Madrid (mit Car2Go) in Europa gehen diesen Sharing Weg besonders radikal. Hier wurden jeweils ausschließlich Elektrofahrzeuge für die Flotten zugelassen. Das ist nur konsequent und ermöglicht den Herstellern, die Verwendung von Elektroautos der Zielgruppe der Kurzmietenden zu zeigen.

Innovationsbegeisterte Stadtoberhäupter

Doch es ist nicht nur die drohende Keule gegen Abgassünder durch die Stadtoberhäupter, die die Verbreitung der Elektromobilität voran treibt. Für die Bürger und Besucher einer Stadt zeigt sich in der Herangehensweise der Bürgermeister auch eine gewisse Innovationsfreude und Moderne. Ist mein Bürgermeister in der Lage, meine Bedürfnisse als Einwohner richtig einzuschätzen und wählt er auch die richtigen Mittel, um mir eine umweltgerechte Zukunft in meiner Heimat zu ermöglichen. Hier trennt sich schnell die Spreu vom Weizen.

Keine Frage, es müssen neue Konzepte her

Wir werden als Team des EMobilitaetBlogs in den kommenden Wochen die Vorreiter und Innovatoren unter den Bürgermeistern des Landes unter die Lupe nehmen. Wo sind sie, die Leuchttürme für Elektromobilität in Deutschland? Von Flensburg bis Berchtesgaden, von Cottbus bis Aachen: welcher Bürgermeister geht die Chancen der Elektromobilität aktiv an. Und sorgt damit nicht nur für den heutigen Wählerkreis, sondern auch für die Kinder und Kindeskinder in der eigenen Stadt. Wir werden berichten in unserer Kategorie Stadt & Land. Und wir freuen uns auf euren Input – nennt uns die positiven wie negativen Beispiele – wo sind sie, die innovativen Bürgermeister in Europa? Keine Frage, das wird richtig spannend.