Weltrekordversuch der Scuderia-E

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E-Fiat 500 der Scuderia-E GmbH aus Salzburg, Österreich

2000 km in unter 24 Stunden – so sieht ein Weltrekordversuch aus, der am 23.Juni um 19.00 Uhr von Salzburg nach Oslo startet. Ein dafür in Eigenregie getunter E-Fiat 500 der Firma Scuderia-E GmbH aus Salzburg wird als Fahrzeug genutzt. Am Steuer wechseln sich vier Fahrer ab, die bereits auf unterschiedlichen und doch sehr ähnlichen Gebieten sehr erfolgreich sind. Auf der Fahrt werden unterschiedliche Eindrücke – natürlich insbesondere was die vorhandene Ladeinfrastruktur angeht – gesammelt. Doch dieser Artikel dreht sich zunächst um die technischen Aspekte.

Die Route für den Weltrekordversuch

Kurzvorstellung des Teams

Gianfranco Pizzuto ist seit über 30 Jahren im internationalen Business der Industrie tätig. 2007 war er co-founder von Fisker Automotive und der erste Investor. Nach mehr als 10 Jahren Spezialisierung auf die Automobilindustrie mit Schwerpunkt auf PHEV und EV erstellte er ein großes Netzwerk hochprofessioneller Köpfe.

Peter Gordon kann auf 30 Jahre Erfahrung im Ingenieurswesen, Design, Produktion und Projektmanagement zurückblicken.

Prof. Blechinger und Studenten von der FH Salzburg kümmern sich um mögliche Second-Life-Konzepte für Batterien.

Jan Rooderkerk kümmert sich um PR und Medien. Er besaß einige PR-Firmen, produzierte Radio- und TV-Beiträge mit automobilen Schwerpunkten und arbeitete 15 Jahre als Radio- und TV-Journalist.

Als Fahrer stehen Herr Pizzuto die Ski World Cup Gewinner Mark Girardelli (5-fach) und Andreas Wenzel (einmal), sowie der dreifache EV-Rally Weltmeister „Fuzzy“ Walter Kofler zur Seite.

Die Technologie

Die Hochvolt-Batterie hat eine um den Faktor 2,3 höhere Energiedichte gegenüber dem Original. Die neue Leistung beträgt 56 kWh gegenüber den originalen 24 kWh. Das Gewicht stieg dabei um lediglich 20 kg an. Das eigens entwickelte Battery Thermal Management (BTM) erlaubt schnelles Laden von bis zu 150 kW bei 400 V und lädt die Batterie in 15 Minuten auf ca. 80%. Die Reichweite erhöhte sich von 150 auf 400 km. Eine neue Elektronik im Wechselrichter ermöglicht eine Motorleistung von 100 kW, anstatt der originalen 83 kW.

Das Innenleben des originalen E-Fiat 500

Nähere Informationen zum BTM konnte ich leider nicht erfahren, da das System noch nicht zum Patent angemeldet ist.

Ein paar Fragen…

war Herr Pizzuto so freundlich, mir zu den Hintergründen und der Motivation des Weltrekordversuchs für Elektrofahrzeuge zu beantworten. Die Antworten sind im folgenden Text zusammengefasst.

Wie viele andere EV-Enthusiasten ist das Team um Herrn Pizzuto nicht zufrieden mit der Autoindustrie und der Politik. Mit der Umrüstung des E-Fiat 500 sollte bewiesen werden welche Reichweiten und Ladegeschwindigkeiten möglich sind. Die etablierten OEMs haben den elektromobilen Fortschritt inzwischen wahrgenommen, aber vielleicht zu spät. Der Weltrekordversuch soll auf die Möglichkeiten und die Leistungsfähigkeit aufmerksam machen. In nur einem Jahr wurde der E-Fiat 500 geplant und umgerüstet.

Die größten Herausforderungen lagen in der Finanzierung von 500.000€ – davon wurde die Hälfte von Sponsoren übernommen. Zudem war die Anpassung des BMS von Bosch an die neue Batteriekapazität nicht einfach. Die Pouch-Batteriezellen (Samsung SDI) wurden durch Rundzellen 18650 ersetzt. Deren Innenleben mit einer „besonderen Chemie“ ermöglicht die höhere Energieausbeute. Sie ermöglicht zudem die bereits erwähnte Schnellladung mit 150 kW DC statt 6,6 kW AC. Allerdings wäre auch eine Steigerung der AC-Ladung von 6,6 auf 11 kW denkbar.

Auch an Second-Life ist gedacht. Die originalen Batterien sollen in Kombination mit Wind- und Solarenergie als Speicher für weitere 25-30 Jahre eingesetzt werden. Darum kümmert sich neben der FH auch Mr. Sean Hepburn Ferrer (Sohn der verstorbenen Filmikone Audrey Hepburn). Er möchte am Wandel zu einer Gesellschaft, die frei von fossilen Energieträgern ist maßgeblich mitwirken.

2 KOMMENTARE

  1. Das mit lediglich 20kg Mehrgewicht eine 2,3 Fach höhere Energiekapazität erreicht werde kann klingt zu gut um wahr zu sein.
    Und das mit 18650 – die verwendet Tesla auch – hat aber keine doppelt so hohe Energiedichte.
    Prüf das nochmals bitte!

    • Danke für den Hinweis, ich habe auch bereits erste Anhaltspunkte gefunden, aber ich habe keinen Grund die Arbeit der Experten anzuzweifeln und würde von der Technik auch nicht genug verstehen. Bzw. meine Einblicke in die Technik sind auch leider eher oberflächlich. Aber dass die technischen Kniffe Betriebsgeheimnis sind finde ich sehr verständlich.

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