Unsere Stammleser wissen, dass ich in unregelmäßigen Abständen die Neuigkeiten aus der Wasserstoff Mobilität zusammenfasse. So auch in dieser Woche, in der mir drei Themen besonders aufgefallen sind: Daimler präsentiert seinen Brennstoffzellen-Lkw als Konzeptfahrzeug – mit SAIC startet ein erster chinesischer Mobilitätskonzern seine Wasserstoff-Offensive und der Gründer von Nikola verläßt sein Schiff, zumindest als CEO.

Daimler Trucks stellte in dieser Woche seinen Brennstoffzellen-Lkw vor

Der Lkw-Hersteller Daimler Trucks präsentierte in dieser Woche seine Technologiestrategie für die Elektrifizierung seiner Fahrzeuge vom urbanen Verteiler- bis hin zum internationalen Fernverkehr. Im Fokus der Veranstaltung stand die Technologie für wasserstoffbasierte Brennstoffzellen-Lkw für das Fernverkehrssegment.

Bildrechte: Daimler Trucks – Mit Wasserstoff LkW zum CO2-neutralen Transport On our way to a hydrogen future

Als erstes Lkw Nutzfahrzeug mit Brennstoffzellenantrieb aus dem Hause Daimler feierte der Mercedes-Benz GenH2 Truck seine Weltpremiere als Konzeptfahrzeug. Mit dem GenH2 Truck zeigt Daimler Trucks erstmals, welche konkreten Technologien der Hersteller mit voller Kraft vorantreibt, damit schwere Brennstoffzellen-Lkw flexible und anspruchsvolle Fernverkehrseinsätze mit Reichweiten von bis zu 1.000 Kilometer und mehr mit einer Tankfüllung fahren können.

Daimler Trucks plant den Beginn der Kundenerprobung des GenH2 Truck für das Jahr 2023, der Serienstart soll in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts folgen. Die Leistungsfähigkeit des Fahrzeugs soll dabei dank des Einsatzes von flüssigem anstatt gasförmigem Wasserstoff aufgrund der deutlich höheren Energiedichte gleichauf mit der eines vergleichbaren konventionellen Diesel-Lkw liegen.

„Wir verfolgen konsequent unsere Vision eines CO2-neutralen Transports. Dabei konzentrieren wir uns auf die wirklich lokal CO2-neutralen Technologien Batterie und wasser­stoffbasierte Brennstoffzelle. Je leichter die Ladung und je kürzer die Distanz, desto eher wird die Batterie zum Einsatz kommen. Je schwerer die Ladung und je länger die Distanz, desto eher wird die Brennstoffzelle das Mittel der Wahl sein,“ so Martin Daum, Vorsitzender des Vorstands der Daimler Truck AG und Mitglied des Vorstands der Daimler AG bei der Vorstellung.

Daimler setzt damit mit seinen Lastkraftwagen bewusst auf zwei sich ergänzende Technologien, die allerdings auf unterschiedliche Tank bzw. Ladeinfrastruktur zugreifen müssen. Kritik wird genau an diesem quasi doppelten Investitionsvolumen an Infrastruktur laut. So konzentriert sich beispielsweise der Herausforderer Tesla mit seinem Pick-up Truck und seinem Tesla Trucks auf vollelektrischen Antrieb.

Was ist der Hintergrund für die Offensive bei Brennstoffzellen Lkw von Daimler & Co.?

Bis zum Jahr 2025 müssen die Lkw-Hersteller ihre CO2-Emissionen durchschnittlich um 15 Prozent, bis zum Jahr 2030 sogar um 30 Prozent senken. Es drohen ihnen hohe Strafen, sofern diese Senkung der Emissionen nicht gelingt. Daimler verkündete im Frühjahr ein Joint Venture mit dem schwedischen Lkw-Hersteller Volvo. Beide haben in eine 50/50 Tochtergesellschaft ihre Brennstoffzellen-Aktivitäten eingebracht.

Toyota wiederum baut gemeinsam mit dem amerikanischen Lkw-Bauer Kenworth derzeit die dritte Generation der Fuel Cell Electric Trucks. Der koreanische Hersteller Hyundai testet Brennstoffzellen-Lkw unter anderem in der Schweiz für den Kunden Migros.

In einzelnen Bundesländern, wie etwa Bayern und Baden-Württemberg erfährt der Aufbau der Wasserstoff-Infrastruktur große Beachtung. Hier stehen hohe Fördermittel für den Ausbau der H2-Infrastruktur zur Verfügung. Der Freistaat Bayern hat beispielsweise in diesem Frühjahr beschlossen, 100 Wasserstoff-Tankstellen für Brennstoffzellen-Nutzfahrzeuge zu errichten und dafür 50 Millionen Euro an Fördermitteln bereitgestellt.

SAIC Group wird erster chinesischer Hersteller von Brennstoffzellen Fahrzeugen

Interessante Nachrichten zum Thema Wasserstoffautos kommt aus China. Dort veröffentlichte die SAIC Group als erster chinesischer Hersteller seine Wasserstoffstrategie. Bis zum Jahr 2025 sollen mindestens zehn Brennstoffzellen Fahrzeugtypen auf den Markt gebracht werden. Der staatliche Automobilriese Shanghai Automotive Industry Corporation hat hierfür ein Forschungs- & Entwicklungs- und Betriebsteam für Brennstoffzellen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern eingerichtet. Das Ziel sind gemäß Plan 10.000 Brennstoffzellenfahrzeuge aus dem Hause SAIC.

Shanghai entwickelte sich bereits um die Jahrtausendwende zum chinesischen Zentrum für neue Antriebe, zu denen auch der Brennstoffzellenantrieb gehört. SAIC beabsichtigt mittlerweile, die alte Marke ›Shanghai‹ mit Brennstoffzellenantrieb wiederzubeleben. Und auf der Expo in Shanghai waren bereits 2010 196 Wasserstoff-Fahrzeuge im Einsatz.

Nächster Schritt: die autonome Brennstoffzellentechnologie von SAIC

Nach einer erfolgreichen Markteinführung der Wasserstoff Fahrzeuge wird SAIC die Massenanwendung einer neuen Generation autonomer Brennstoffzellentechnologie in schweren Lastkraftwagen, leichten Lastkraftwagen, Bussen und anderen Nutzfahrzeugprodukten vorstellen. Bereits im Jahr 2014 war das Brennstoffzellenauto Roewe 750 das erste Brennstoffzellenauto im chinesischen Markt. Im Jahr 2016 wurde dann die Brennstoffzellen Limousine Roewe 950 als erste Brennstoffzellenlimousine für den chinesischen Markt gebaut. 

Die Beschleunigung der Entwicklung von Brennstoffzellenfahrzeugen gilt als wichtiger Bestandteil für die vom Ministerium für Industrie und Informationstechnologie der Volksrepublik China formulierten Roadmap für energiesparende und neue Energiefahrzeugtechnologie.“ Die SAIC Motor Corporation Limited ist bislang die größte chinesische Gruppe von Herstellern von Autos, Motorrädern und Autoteilen und Kooperationspartner von General Motors und Volkswagen in China.

Der tiefe Fall des Gründers von Wasserstoff Mobility Startup Nikola Motors

Einen Abgang seines Gründers und CEOs berichtete in dieser Woche das Mobility Startup Nikola aus den USA. Trevor Milton hatte das Startup in rasanter Geschwindigkeit an die Börse geführt und trat nun vor dem Hintergrund der Verbreitung potentieller Falschinformationen überraschend zurück. Nikola präsentierte seinen Wasserstoff Lkw Nikola One, der jedoch nicht alles hält, was CEO Milton den Medien und Aktionären versprochen hatte.

Klagen von Tesla, diverse Berichte von sogenannten Shortsellers (also Spekulanten, die auf fallende Kurse des Unternehmens setzen), ein gewagter Börsengang, der dem Unternehmen mehr als eine Milliarde US Dollar einbrachte. Ohne dass ein einziges Fahrzeug bislang verkauft wurde, wohl gemerkt: Nikola Motor hat in den letzten Monaten eine wirklich bewegte Geschichte hingelegt.

Nun tritt Milton also zurück, wohl auch um ein wenig Ruhe in das Fahrwasser von Nikola Motor kommen zu lassen. Für das Mobility Startup, das mit Kooperationspartnern wie Bosch, General Motors und Iveco durchaus eine spannende Zukunft vor sich hat, geht es jetzt um das Liefern. Weniger Hype und stattdessen eine klare Roadmap für die Fahrzeuge – mit dem vielen Geld im Rücken müsste das doch machbar sein.

Wir werden weiter berichten zu den spannenden Entwicklungen im Wasserstoff Segment der Nutzfahrzeuge. Hier ist aufgrund der langen Fahrdistanzen das Brennstoffzellenfahrzeug durchaus interessant. Auch wenn die reinen Elektromobilität Verfechter einen Aufbau einer zweiten neuen Technologie und deren Infrastruktur stark kritisieren. Es bleibt spannend.