Wasserstoff als Treibstoff für den elektrischen Antrieb ist in Deutschland höchst umstritten und wird dennoch von vielen Experten als sinnvolle Lösung für die Zukunft bewertet. Andere sehen in der Wasserstoff-Mobilität eine Illusion – einen teuren Irrweg auf dem Weg zu CO2 neutraler Mobilität. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) entwirft eine sogenannte „Nationale Wasserstoffstrategie“, in Baden-Württemberg und Bayern ist man schon weiter. Hier werden in Ulm, Nürnberg und München bereits die ersten konkreten Projekte mit Wasserstoff Fahrzeugen umgesetzt. Wir schauen uns heute einige konkrete Beispiele für den Einsatz von Wasserstoff Fahrzeugen in Deutschland an.

Anwendungsbeispiele für mit Wasserstoff betriebene Fahrzeuge

Wir wollen mit diesem Beitrag einige Anwendungsbeispiele aufführen, in denen sich Wasserstofftechnologie als Alternative zum rein elektrisch betriebenen Fahrzeug, welches seinen Strom aus einem Akku bezieht, rechnet.

Zunächst zur Erklärung: wie funktioniert der Wasserstoffantrieb?

Bei dem Wasserstoffantrieb eines Fahrzeuges wandelt eine Brennstoffzelle den Wasserstoff in Energie. In der Brennstoffzelle verschmelzen Wasserstoff und Sauerstoff, es verbleibt reines Wasser oder Wasserdampf. Mit der generierten Energie wird dann direkt der Elektromotor betrieben.

Welche Autos sind mit Wasserstoff Antrieb in Deutschland zu kaufen und was kosten die Wasserstoff Fahrzeuge?

Der Hyundai NEXO basiert auf einer 20-jährigen Wasserstoff-Pionierarbeit des koreanischen Anbieters. Er weist mit seinen 120 kW (163 PS) eine Reichweite von bis zu 756 km auf und kostet 69.000 Euro im Basismodell.

Der Toyota Mirai war im Jahr 2014 weltweit die erste Serienlimousine mit Brennstoffzellenantrieb, der Launch seiner zweiten Generation ist in Japan, Nordamerika und Europa für das Jahr 2020 vorgesehen. Seine Reichweite wird mit über 500 km angegeben, preislich liegt er bei 78.600 Euro.

Das dritte Fahrzeug mit Wasserstoffantrieb in Deutschland ist der Mercedes-Benz GLC F-Cell, der allerdings nicht gekauft werden kann, sondern für einen monatlichen Mietpreis von 799 Euro gefahren werden kann. Dieser Preis beinhaltet Versicherung und Wartung, eine Anzahlung ist nicht zu leisten. Der F-Cell von Mercedes ist ein Plug-in-Hybrid, die H2-Reichweite beträgt 430 km und zusätzlich kann der Mercedes F-Cell rein batterieelektrisch weitere 50 km weit gefahren werden.

Wasserstoff Fahrzeuge im Alltag - Zukunft oder Illusion?
Bildrechte: Mercedes-Benz – Der Mercedes-Benz GLC F-CELL – Wasserstoff Fahrzeug

Vorteile und Nachteile der Wasserstoff-Technologie

Wesentliche Merkmale der Wasserstoff Fahrzeuge ist zunächst die deutlich überlegene Reichweite im Vergleich zu den rein batterieelektrisch betriebenen Elektroautos. Die Tanks der H2-Fahrzeuge sind innerhalb von wenigen Minuten wieder gefüllt, vergleichbar dem Betanken eines Verbrennerfahrzeuges. Negativ macht sich die geringe Anzahl an H2-Tankstellen und der sehr teure Anschaffungspreis der Fahrzeuge bemerkbar. Nachhaltig lassen sich die Wasserstoff Fahrzeuge überhaupt nur dann fahren, wenn der Wasserstoff aus natürlichen Quellen entsteht. Hier lassen sich vor allem überschüssige Mengen an Windenergie nutzen, die bislang mangels Speicherfähigkeit ‘verpuffen’. Wasserstoff ist speicherbar, die Befürworter einer solchen Technologie setzen also auf gespeicherten Wasserstoff zum Beispiel aus den Windparks im Norden Deutschlands und dessen Transport zu den H2-Tankstellen.

Anwendungsbeispiele für Wasserstoff Fahrzeuge im Einsatz

Wasserstoff Autos ergeben aufgrund ihrer Vorteile gegenüber rein elektrischen Autos überall dort Sinn, wo Reichweiten der Fahrzeuge einen täglichen Einsatz von über 300 Kilometer erfordern. Sie sind daher heute schon als Streifenwagen der Polizei oder als Shuttle Fahrzeug im Ridesharing oder Ridepooling im Einsatz.

Berliner Polizei setzt auf Toyota Mirai Wasserstoff Fahrzeuge

Die Berliner Polizei erweiterte vor wenigen Wochen mit zwei Toyota Mirai Brennstoffzellen-Fahrzeugen ihre Flotte für den täglichen Einsatz im Streifendienst. Die Reichweite und ein antrittsstarker 113 kW/154 PS starker Elektromotor sind für den Streifendienst ideal. Innerhalb des Berliner Autobahnringes A10 existieren bereits heute sieben Wasserstoff Tankstellen, gut verteilt über das gesamte Gebiet. Somit ist auch das kurzfristige Nachtanken kein Problem.

Wasserstoff Fahrzeuge im Alltag - Zukunft oder Illusion?
Bildrechte: Toyota Mirai – Wasserstoff Auto für die Polizei in Berlin

Auch die Hamburger Polizei setzt auf Funkstreifenwagen mit Brennstoffzelle- und Batterieantrieb

Der erste Funkstreifenwagen mit Brennstoffzelle- und Batterieantrieb von Mercedes-Benz, der GLC F-CELL, ist bereits seit 2019 bei der Polizei Hamburg im Einsatz ist. Der besondere Plug-in-Hybrid vereint eine Brennstoffzellen- mit einer Batterietechnik: Das Zusammenspiel zwischen Batterie und Brennstoffzelle, die hohe Reichweite und kurze Betankungszeiten machen den GLC F-CELL zu einem alltagstauglichen rein elektrischen Begleiter für Kurz- und Langstrecke und bei der Polizei in Hamburg wird er dazu im Alltagseinsatz getestet.

Ridepooling Startup Clevershuttle nutzt Toyota Mirai und Hyundai NEXO H2-Fahrzeuge

Das Mobility Startup CleverShuttle aus Berlin, an dem die Deutsche Bahn mit mehr als 72% beteiligt ist, startete bereits 2017 mit Wasserstoff Fahrzeugen in Berlin, Hamburg, Leipzig und München. Der Ridepooling Fahrdienst fuhr innerhalb der ersten 24 Monate an die 2,2 Millionen Kilometer mit den Wasserstoff-Autos Toyota Mirai (1. Generation) und beförderte über 525.000 Fahrgäste.

Anfang Februar 2020 erweiterte Clevershuttle seine Flotte in Berlin um 25 Hyundai NEXO Wasserstoff Fahrzeuge. Dazu Hyundai Deutschland Chef Jürgen Keller: “Mit CleverShuttle haben wir einen Partner, der das Thema Nachhaltigkeit lebt und uns wichtige Erfahrungen beim Alltagseinsatz von Brennstoffzellenfahrzeugen liefert”. Der nachhaltige Personentransport wie zum Beispiel Ridepooling ist also ein perfekter Einsatzort für die Wasserstoff Autos. Wichtig ist hierbei die Zusammenarbeit zwischen den Anwendern und dem Fahrzeughersteller, denn die Erfahrungen im Alltagseinsatz können somit für die weitere Entwicklung genutzt werden.

Wasserstoff Fahrzeuge im Alltag - Zukunft oder Illusion?
Bildrechte / Image rights: Toyota – der Mirai erster Generation bei Clevershuttle im Einsatz

Wasserstoff Fahrzeuge für den Öffentlichen Dienst auf dem Lande

In der Metropolregion Nürnberg werden derzeit verschiedenste Wasserstoff Projekte gefördert. In diesem Zusammenhang eröffneten bereits acht Wasserstoff Tankstellen in der bayerischen Modellregion. Ein Beispiel für den Einsatz von Wasserstoff Autos ist der Landkreis Bayreuth. Er wurde als bayerische Modell-Region für die “Mobilität 2030” ausgewählt und testet mit seinem Wasserstoff-Fahrzeug Toyota Mirai dessen Einsatzmöglichkeiten innerhalb des Landkreises. Hier werden teils größere Strecken von den Mitarbeitern zurückgelegt, der Einsatzraum auf dem Land ist also ein sinnvoller Test dank der Reichweite der H2-Fahrzeuge.

Mein Fazit zum Praxiseinsatz der Wasserstoff Fahrzeuge in Deutschland

Wasserstoff Fahrzeuge werden vielfach als Ergänzung zu den rein batterieelektrisch betriebenen Elektroautos genutzt. Derzeit spielen die Wasserstoff Autos ihren Vorteil an Reichweite vor allem bei Ridepooling Anbieter Clevershuttle, als Einsatzwagen der Polizei oder in Einsätzen auf dem Land aus. Hier sind jeweils tägliche Fahrten von mehr als 300 km angesagt.

Auch wenn der Ausbau einer weiteren Technologie zunächst als sehr kostenintensiv erscheint, so ist es aus meiner Sicht sinnvoll, die Wasserstoff Technologie weiter zu erforschen. Die Komplexitäten bei Bau und Betrieb von Brennstoffzellenfahrzeugen spielen deutschen Autoherstellern in die Hände, denn sie können hier ihre technische Kompetenz beweisen. Immerhin kooperiert BMW mit Toyota bei der Forschung zu Wasserstoff Fahrzeugen, Audi testet scheinbar in der Region Ingolstadt mit der H2 Variante seines Audi E-tron.

Wichtig ist allerdings die Voraussetzung, dass der Wasserstoff selbst von regenerativen Quellen stammt. Die Windparks in der Nord- und Ostsee verschleudern derzeit ihren gewonnenen Strom aus Mangel an Speichermöglichkeiten. Wenn es uns gelingt, mit Wasserstoff diese vergeudeten Ressourcen zu speichern und in Fahrzeugen zu verwenden, die nachhaltig sinnvolle Einsatzbereiche haben, dann ist H2 eine echte Bereicherung im Rahmen eines Antriebsmixes der Zukunft.