Volkswagen, ein Konzern der die Elektromobilität noch nicht für sich erfasst hat? VW hat gerade seinen Quartalszahlen veröffentlicht und wäre die Diesel Affäre nicht gewesen, würde man das Jahr 2018 durchaus positiv sehen können.

Die operative Rendite beträgt mittlerweile fünf Prozent, ist damit im Vergleich mit den wichtigsten Wettbewerbern langsam konkurrenzfähig und doch muss man zur rechtlichen Bewältigung des Diesel-Skandals 1,6 Milliarden Euro als Sonderlasten verbuchen. Insgesamt hat man bereits 27,4 Milliarden Euro bezahlen müssen.

Bei diesen Zahlen denkt man, dass der VW Konzern langsam den Diesel vergessen und die Aufholjagd auf Tesla planen müsse. Dazu könnte eine eigene Batteriezellenproduktion ein erster wichtiger Schritt sein, doch bisher schloss man trotz des Plans, bis 2025 3 Millionen Elektrofahrzeuge pro Jahr über alle Marken herzustellen, nur Batterie-Lieferverträge im Wert von 48 Milliarden Dollar ab. Nun denkt man doch über eine eigene Batteriezellenproduktion für Elektrofahrzeuge nach – dieses mal auch in soliden Ausmaßen.

Marktführer bis 2025

Der Vorstandsvorsitzende Matthias Müller teilte mit, dass der Automobilhersteller plant, bis zum Jahr 2025 weltweiter Marktführer für E-Mobilität zu werden. Der Aufsichtsrat beschloss hierfür Investitionen in Milliardenhöhe.

34 Milliarden Euro in den kommenden vier Jahren

Damit setzen die Wolfsburger die im September vorgestellte E-Strategie „Roadmap E“ um. „Das Auto wird gerade neu erfunden. Dafür investieren wir gezielt und aus eigener Kraft die nötigen Mittel“, betonte Konzernchef Müller. Konkret investiert VW in den kommenden vier Jahren mehr als 34 Milliarden Euro in die Entwicklung von E-Mobilität. Hierdurch sollen bis zum Jahr 2025 für 80 verschiedene Modelle Elektro- oder Hybridvarianten angeboten werden. Die gesamte Modellpalette wird planmäßig bis zum Jahr 2030 jeweils in einer E-Version produziert.

Herstellung eigener Batteriezellen

Volkswagen hatte bisher gemischte Gefühle hinsichtlich der Herstellung eigener Batteriezellen für die kommende Serie von Elektrofahrzeugen. Jetzt hat man die nächste Generation von Festkörperbatteriezellen für sich entdeckt und plant hier einen Einstieg. Während der Veröffentlichung des Finanzergebnisses im zweiten Quartal sagte VW-Chef Herbert Diess, dass er nicht von Herstellern abhängig werden möchte:

„Wir dürfen uns langfristig nicht von einigen asiatischen Herstellern abhängig machen“

Momentan sieht es so aus, als ob die Beschaffungspläne bis 2025 bestehen, besonders da man Batterie-Lieferverträge im Wert von 48 Milliarden Dollar mit bestehenden Batterieherstellern geschlossen hat. Diess gibt jedoch an, dass er bis 2025 einen Weg zur eigenen Produktion von soliden Batterien finden will und VW seine eigene Fabrik in Europa bauen könnte.

Investition in QuantumScape

Letzten Monat hat VW eine Investition in ein Start-up zur Entwicklung von Festkörperbatterietechnologie getätigt. Der deutsche Autohersteller gab eine 100-Millionen-Dollar-Investition in QuantumScape bekannt, ein Festkörperbatterie-Startup, das aus Stanford ausgegliedert wurde.

Dr. Axel Heinrich, Leiter der VW Group Research über die Investition:

„Wir wollen die Kommerzialisierung der Solid-State-Batterien von QuantumScape beschleunigen. Und wir bündeln Kräfte, um die Erfahrung von Volkswagen als Produktionsspezialist und QuantumScape-Technologieführerschaft zu nutzen. Damit macht Volkswagen für unsere Kunden einen weiteren Schritt hin zu einer nachhaltigen emissionsfreien Mobilität.

Man spricht von einem „langfristigen Ziel“, „bis 2025 eine Produktionslinie für Festkörperbatterien zu errichten“.

Festkörperbatterietechnologie

Im Festkörper-Akku strömen die Lithium-Ionen auf ihrem Weg zwischen der Anode und der Kathode nicht mehr durch eine Flüssigkeit (Elektrolyt). Das Verbindungsmedium ist eine dünne Schicht eines Feststoffes, bisher meist Glas-Keramik. Dieser Umstand spart Platz, da eine Schichtung der Akkus wie eine Lasagne möglich ist. Eine beliebige Miniaturisierung und deutlich flexiblere Bauformen als bei den bisherigen Lithium-Ionen-Akkus mit flüssigem Elektrolyten, soll ebenfalls möglich sein.

Festkörper-Akkus verfügen über eine deutlich höhere Energiedichte, was größere Reichweiten bei geringerem Gewicht zur Folge hat. Das feste Material reduziert die Brandgefahr auf ein Minimum, da brennbare Lösungsmittel nicht benötigt werden. Zudem kann bei Kälte nichts mehr gefrieren, was das Beheizen der Akkus im Winter überflüssig machen könnte und die Reduzierung der Reichweite im Winter herabsetzt.

40 Gigafactories

Letztes Jahr gab der deutsche Autohersteller an, dass es bis 2025 einen Bedarf an 40 Gigafactories ähnlich der von Tesla gäbe. Auch andere deutsche Automobilhersteller gehen momentan den Weg, nicht in eine eigene Zellproduktionen zu investieren und mit bestehenden Batterielieferanten zusammen zuarbeiten.

Elon Musk sagte auf der Pressekonferenz zu den Q2 Ergebnissen, dass ihr „größter Wachstumsbegrenzer“ sei, „wie schnell sie die Batterieproduktion und insbesondere die Zellproduktion und die gesamte Lieferkette steigern können“.

Dieser Fokus gilt für alle Autobauer, die sich mit elektrisch angetriebenen Fahrzeugen beschäftigen.

Pläne des VW Konzerns

Die Serienproduktion von neuen Elektroautos des Volkswagen Konzerns soll dieses Jahr mit dem e-tron quattro von Audi technisch beginnen. Ab dem nächsten Jahr kommen weitere Fahrzeuge in den Fokus, die zum Massenmarkt-Elektroauto I.D. im Jahr 2020 führen sollen.

Der Vorstand schätzt, dass der Volkswagen-Konzern allein bis 2025 ein Volumen von 200 GWh Batteriezellenproduktion benötigt. (Ulrich Eichhorn, Leiter der F & E für VW gegenüber Auto News Europe)

Im vergangenen Jahr gab ein Insider-Bericht bekannt, dass Volkswagen seinem Vorstand ein ähnliches Projekt wie Teslas Gigafactory vorstellte, aber Volkswagen-Chef Matthias Müller den Plan ablehnte. (Electrek) Müller gab laut dem Insider an, dass er nicht viel Wert darin sehe, selbst an der Batteriezellenproduktion zu arbeiten. Später revidierte er die Aussage und gab an dass es wahrscheinlich Sinn machen würde, dass VW eine eigene Produktion hat, wenn man 25% des Umsatzes mit elektrischen Fahrzeugen erwirtschaften will.

Fazit

Volkswagen, ein Konzern der die Elektromobilität noch nicht für sich erfasst hat? Mittlerweile kann man sagen, dass die Wolfsburger sich der Realität rund um die eMobilität bewusst sind. Ich persönlich denke, dass das Einlenken etwas spät kommt. Als eine der führende Automobilkonzerne weltweit muss man mutiger und selbstbewusster voran schreiten. Nach dem man den Start gefühlt verschlafen hat, ist das Ziel bis 2025 Marktführer zu werden, um so ehrgeiziger. Ob es realistisch ist, kann man derzeit noch nicht beurteilen, jedoch gilt es das Tempo deutlich anzuziehen.

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