Den Börsianern ist es ja schon länger klar, wer der zukünftige Gewinner unter den Automobilherstellern sein wird: der Börsenwert von Tesla hat in den letzten Monaten längst die Werte von VW, Daimler oder BMW überholt. Der amerikanische Elektroauto Hersteller ist mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 125 Milliarden Euro den traditionellen Herstellern weit enteilt. BMW mit ca. 32 Mrd., Daimler mit ca. 30 Mrd. oder VW mit ca. 63 Mrd. Euro sind mit Stand heute in Summe an den Börsen ungefähr soviel wert, wie der Elektroauto Primus Tesla allein.

Die deutschen Hersteller kämpfen mit Software und Absatzproblemen

Und während die deutschen Hersteller mit Software-Problemen bei der Produktion (VW mit seinem ID.3) oder mit Absatzproblemen seiner technologisch unterlegenen Fahrzeuge (Mercedes-Benz EQC) kämpfen, da baut Tesla Woche für Woche seinen Vorsprung aus.

VW-Chef Herbert Diess gab am Wochenende in einem internen Webcast die Begründung für den Vorsprung von Tesla. “Connectivity, automatisches Fahren, Salesforce. Alles was mit Software und schnellen Rechnern zusammenhängt ist die Domäne von Elon Musk.” Die gut 500.000 Tesla Fahrzeuge würden kontinuierlich Daten auf ihren Fahrten sammeln. Dank Connectivity und sich stets verbessernder Software, werden die Tesla Fahrzeuge immer schlauer. Nicht umsonst vergleicht Investor Frank Thelen Tesla auch mit den Erfolgen von Google oder Apple.

VW-Chef Diess startet die Aufholjagd auf Tesla

Die Produktion des elektrischen VW ID.3 ist in Zwickau wieder angelaufen

Seit dem vergangenen Donnerstag fährt das Volkswagen Werk in Zwickau die Produktion von E-Fahrzeugen schrittweise wieder hoch. Der Wiederanlauf des vollelektrischen ID.3 startete zunächst mit reduzierter Kapazität und mit deutlich langsamerer Taktzeit. Dabei kommt eine Vielzahl von zusätzlichen Schutzmaßnahmen für die Gesundheit der Belegschaft zum Einsatz. Zudem erfolgt der Wiederanlauf entsprechend der fortlaufenden Stabilisierung der internationalen Lieferketten. „Der gestartete Transformationsprozess in Richtung Elektromobilität nimmt ab heute wieder Fahrt auf. Der ID.3 ist dabei für Volkswagen eines der wichtigsten Fahrzeugprojekte,“ so ein VW Sprecher in der vergangenen Woche.

Zusätzlich startet in dieser Woche die Produktion der Verbrennerfahrzeuge in Niedersachsen. „Die schrittweise Wiederaufnahme der Produktion ist für die Belegschaft, den Handel, die Zulieferer und die Wirtschaft insgesamt ein wichtiges Zeichen. Im Hinblick auf die Bewältigung der Krise ist dies aber nur ein erster Schritt. Damit die Nachfrage in Deutschland und ganz Europa wieder anziehen und damit auch die Produktion die Stückzahlen sukzessive erhöhen kann, benötigt die Wirtschaft zusätzliche Impulse“, sagte Ralf Brandstätter, COO der Marke Volkswagen Pkw. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil ergänzt: „Wenn es uns gelingt, einen Kaufanreiz zu setzen, bei dem gleichzeitig ökologische Aspekte im Vordergrund stehen, dann wäre das gut für die Beschäftigung, gut für die Wirtschaft und gut für das Klima.“

In einem 100-Punkte-Plan hat Volkswagen mit seinen weltweit mehr als 40.000 Lieferanten und Logistik-Partnern das weitere Vorgehen abgestimmt. Das Werk Wolfsburg wird bei normalem Betrieb täglich von 2.600 Lieferanten aus 71 Ländern – davon ein großer Anteil aus Deutschland – mit etwa 21.000 verschiedenen Teilen versorgt, die auf rund 2.000 Lkw und 100 Bahnwaggons ins Werk kommen. Täglich verlassen rund 180 Doppelstockwaggons sowie rund 185 Autotransporter das Werk.

Unser Fazit für die Aufnahme der Produktion von VW und deren Aufholjagd zu Tesla

Es wird jetzt darauf ankommen, dass die deutschen Automobilhersteller bei aller gebotenen Sicherheit für die Mitarbeiter die Produktion zügig auf die zukünftige Nachfragesituation anpassen. Sollte ein Kaufanreiz für Elektrofahrzeuge in Deutschland tatsächlich in der bislang kolportierten Höhe von 10.000 Euro kommen, so müssen für eben diese Nachfrage nach Elektroautos die Kapazitäten geschaffen werden.

Dafür sind für VW vor allem die Software Probleme bei der Elektro-Hoffnung ID.3 zu lösen. Denn mit den E-Golf und E-up Fahrzeugen ist es kaum möglich, gegen die technologisch versiertere internationale Konkurrenz zu bestehen. Bei Mercedes-Benz muss neben den deutlich unter den Erwartungen laufenden EQC vor allem die kleineren EQA Fahrzeuge auf die Straße kommen. Und bei BMW: der Ausläufer BMW i3 hat zwar nach wie vor eine gewisse Fangemeinde, doch beliebt ist er im BMW Vertrieb (aus eigener Erfahrung) nicht. Da der vollelektrische BMW i4 voraussichtlich erst in 2021 kommen wird, werden die Kaufimpulse für elektrische Fahrzeuge an BMW wohl vorüberziehen. Wir werden sehen.

VW-Chef Diess startet die Aufholjagd auf Tesla