Abbau der Steuerprivilegien für den Diesel? Klingt nicht nach einer Aussage, die von der deutschen Automobilindustrie getroffen wurde, oder? Doch und es kommt noch besser. VW-Konzernvorstand Matthias Müller hat in einem Interview mit dem Handelsblatt diesen Schritt ins Spiel gebracht. Volkswagen, der Konzern der am heftigsten vom Diesel Skandal betroffen war und sich mit der amerikanischen Strafjustiz auf eine Zahlung von 4,3 Milliarden Dollar einigte, strebt den Wandel an. Die 180 Grad Wende steht bevor. Welche Fortschritte können wir von VW 2018 erwarten?

Eine Serie zum Thema Elektromobilität 2018: Was können die Verbraucher von den Konzernen erwarten?

Bei VW ist man „mittlerweile überzeugt, dass wir Sinn und Zweck der Dieselsubventionen hinterfragen sollten“, so der Konzernvorstand  gegenüber dem Handelsblatt. Bei VW will man eine schrittweise Umschichtung der Steuererleichterungen  anstreben. „Das Geld könnte sinnvoller in die Förderung umweltschonender Antriebstechniken investiert werden“ und das ist ein Punkt der in Deutschland unbedingt angesprochen werden sollte.

Die Umschichtung von sinnfreien und erfolglosen Subventionen. Auch beim Thema Subventionierung von Elektroautos mit der Kaufprämie hatte man die gewünschten Effekte nicht erzielen können. Investitionen in die Ladeinfrastruktur hätten aus der Sicht vieler einen größeren Erfolg für die elektrische Fortbewegung erwirkt. VW-Nachhaltigkeitsrats, Georg Kell sprach in dem Interview auch die bessere Zusammenarbeit mit der Politik an. „Der klassische Lobbyismus über einen Industrieverband hat ausgedient“.

„Roadmap E“ mit 34 Milliarden Euro

Der Vorstandsvorsitzende Matthias Müller teilte mit, dass der Automobilhersteller plant, bis zum Jahr 2025 weltweiter Marktführer für E-Mobilität zu werden. Der Aufsichtsrat beschloss hierfür am Freitag Investitionen in Milliardenhöhe.

Mit 34 Milliarden Euro in den kommenden vier Jahren setzen die Wolfsburger die im September vorgestellte E-Strategie „Roadmap E“ um. „Das Auto wird gerade neu erfunden. Dafür investieren wir gezielt und aus eigener Kraft die nötigen Mittel“, betonte Konzernchef Müller. Konkret investiert VW in den kommenden vier Jahren mehr als 34 Milliarden Euro in die Entwicklung von E-Mobilität. Hierdurch sollen bis zum Jahr 2025 für 80 verschiedene Modelle Elektro- oder Hybridvarianten angeboten werden. Die gesamte Modellpalette wird planmäßig bis zum Jahr 2030 jeweils in einer E-Version produziert. (Pressemitteilung)

I.D.-Modell – früher als geplant

Die Pläne von Volkswagen sind „früher als geplant mit einem geeigneten I.D.-Modell“  Tesla zu begegnen, so VW-Strategiechef Michael Jost (Branchenzeitung). Der Stromer soll sich zwischen Model 3 und Model S positionieren und bei Preis, Leistung und Reichweite auf den Markt in den USA zugeschnitten werden. Klingt nach einem schnellen Zeitplan. Ist aber keiner, denn die Markteinführung ist erst 2021 vorgesehen. Trotzdem kann man „auf Basis des Modularen Querbaukastens schon jetzt Modelle wie den Bora oder ­Lavida voll elektrifizieren“. Konkrete Umsetzungsdaten gibt es jedoch noch nicht.

Elektroauto-Baukasten MEB

Zusammenhängend mit den ehrgeizigen Plänen, in den nächsten Jahren 30 neue Batterie-Elektrofahrzeuge auf den Markt zu bringen, wurde der Elektroauto-Baukasten MEB entwickelt. Konzernweit eingesetzt, d.h. auch für Skoda, SEAT & Co, soll man damit die Konkurrenz übertrumpfen können.

„Mit unserem Elektrobaukasten sind wir der Konkurrenz weit voraus. Darauf werden wir mehrere Millionen Fahrzeuge für die großen Märkte USA, Europa und China bauen“, so der Strategiechef. Die Fahrzeugarchitektur MEB soll es richten und könnte der Schlüssel zum Erfolg sein. „Der Modulare Elektrifizierungsbaukasten (MEB) ist ein Baukastensystem für die Herstellung von Elektroautos.“ (Volkswagen Infoseite)

Erfahrungen hat man mit dem Baukasten bislang nur wenige gemacht, denn es wurden bisher nur e-Konzeptfahrzeuge auf dem MEB basierend gebaut. Der e-Bus BUDD-e, der I.D. und der I.D. BUZZ basieren auf der Fahrzeugarchitektur. 2015 erfolgte der Start von MEB und man gibt bei Volkswagen an, bereits große Fortschritte erzielt zu haben. „2020 soll das erste e-Auto im Stil des I.D. in Serienfertigung gehen“.

VW-Tochtermarken

Anscheinend ist auch das Interesse der VW-Tochtermarken an der Plattform hoch.

  • Skoda plant fünf reine und teilelektrische Modelle bis 2025. Auch SEAT plant in Richtung Elektro, ist sich aber noch unschlüssig, ob vollelektrisch oder hybrid. Die Elektroversionen werden mit Reichweiten von 400 Kilometern geplant. Der Fokus liegt hier auf dem Alltagsnutzen.
  • Bei Audi wird man den E-Tron Quattro ab dem dritten Quartal 2018 erwarten dürfen. Er wurde nicht auf der gerade entwickelten Elektroplattform entwickelt. Allradantrieb, bis zu 500 PS und eine Reichweite von bis zu 500 Kilometern könnten einen Konkurrenten für das Model X bilden.
  • Porsche bringt 2019 sein erstes Serien-Elektroauto auf den Markt und greift damit das Tesla Model S an. Anders als von uns erwartet, wird der Mission e kein Auto der obersten Preiskategorie von Porsche. Firmenchef Oliver Blume kündigte im Gespräch mit Car Magazine an, dass der elektrische angetriebene Sportwagen „so viel wie die Grundversion des Panamera“ kosten wird. Kurz gesagt, um die 90.000 Euro. Der Panamera kostet in Deutschland ab 90.655 Euro. Neben dem Mission E will Porsche auch weitere elektrische Modelle anbieten. Erster Kandidat könnte der Macan sein. „Beim Macan überlegen wir aber durchaus, perspektivisch mit der Elektrifizierung zu starten, weil das ein volumenstarkes Segment ist“. Auch 911er und Boxster könnten bald elektrisch unterwegs sein. Die Top Modelle Turbo S kommen bereits mit Plugin Hybrid.

Nutzfahrzeuge

Besonders die Nutzfahrzeuge bilden bei VW gerade die Speerspitze der Elektromobilität. Die ersten e-Crafter wurden an einen internationalen Kreis von Großkunden übergeben. Die Wagen werden 70-100 Kilometer täglich genutzt und dort liegt auch die Stärke des Fahrzeugs. Mit einer Reichweite von ca. 160 Kilometern und einer begrenzten Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h ist er auf den urbanen Einsatz spezialisiert. Die Lithium-Ionen-Batterie hat  35 kWh und ist im Unterboden integriert. Die maximale Zuladung soll bis zu  1,75 Tonnen sein. (Verkehrsrundschau)

Fazit

„Um es etwas scharf zu formulieren: Wir waren nicht mutig genug, wir hätten früher agieren müssen“, sagte Müller der „Welt am Sonntag“. Und das nimmt der Volkswagen Konzern zum Anlass viel Geld in die eMobilität zu investieren und einen neuen Impuls zu setzen. Momentan haben die Wolfsburger nur den eGolf auf dem Markt, die Tochterunternehmen wie Audi planen ebenfalls Automobile mit elektrischen Antrieb, diese sind jedoch ebenfalls noch nicht Serienreif.

VW hofft auf die Unterstützung der Politik „Allein werden wir den Systemwechsel nicht hinbekommen. Wir brauchen eine Partnerschaft für die Mobilität der Zukunft.“ und weiter . „Heute habe es die Autoindustrie mit vier bis fünf Ministerien zu tun, die oft konträre Auffassungen verträten. „Eine einheitliche Linie ist da eher die Ausnahme“. Es wird hier ein generelles Problem angesprochen. Die eMobilität in Deutschland ist das Ergebnis Verfehlungen auf vielen Seiten. Die Politik muss die Rahmenbedingungen schaffen und meiner Meinung nach, auch für die Infrastruktur sorgen. Die Automobilhersteller müssen ihre Arroganz ablegen und die Elektromobilität ernstnehmen! Das machen Sie mittlerweile auch, der Abstand zu Tesla muss jedoch auch erst einmal aufgeholt werden.

Die EU-Verordnung zur Verminderung der CO2 – Emissionen von Personenkraftwagen bringt die Autobauer in Zugzwang: „Wir müssen ab 2020 deutlich mehr, sehr viel mehr Elektrofahrzeuge verkaufen, sonst werden wir die CO2-Ziele verfehlen. Dann drohen gewaltige Strafzahlungen“, sagte Müller. „Von den Arbeitsplätzen und der Zukunftsfähigkeit unserer Industrie ganz zu schweigen. Deswegen fordere ich dazu auf, dass jetzt alle ihre Hausaufgaben erledigen.“ (dpa) Ein gutes Schlusswort: Alle müssen ihre Hausaufgaben erledigen! Wir warten auf die ersten Ergebnisse.

4 KOMMENTARE

  1. Hallo Herr Eichsteller,

    das wagt sich keine der Parteien. Dazu gibt es viel zu viele Dieselfahrer, und damit entsprechende Wählerstimmen.

    Die Partei, die das durchsetzt, braucht erst gar nicht mehr zur Wahl anzutreten!

    Mit freundlichen Grüßen

    Josef Kittl

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here