Es kommt Bewegung in die derzeit wohl stürmischste Kategorie unter den Mobilitätsdiensten: die Mikro-Mobility-Anbieter. Sie bieten mit ihren elektrischen Zweirädern das Sharing Angebot für die kurzen Strecken und werden vor allem in Deutschland als neuer Mobility Service häufig stark kritisiert.

Die Investoren stehen Schlange bei den Anbietern von Mikromobilitäts-Diensten

Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht von großen Kapitalrunden, Angeboten in neuen Städten oder deren Integration in größere Mobilitätsdienste berichtet wird. Und während Anfang der Woche das deutsche E-Scooter Mobility Startup TIER mit einer 60 Millionen US Dollar Runde aufmachte, da folgte kurz darauf der amerikanische Wettbewerber Bird mit einer 275 Millionen US Dollar Runde. Das Ganze bei einer strammen Bewertung von 2,5 Milliarden Dollar, wie sagen die Amerikaner so schön: ‘the sky is the limit’.

60 Millionen US Dollar für Mobility Startup TIER aus Berlin

Die Series B-Finanzierungsrunde des Berliner Anbieters TIER über 60 Millionen US-Dollar wurde von Mubadala Capital und Goodwater Capital angeführt. Daneben kommen als neue Investoren AXA Germany und Evli Growth Partners hinzu. In der Runde haben sich zudem alle bestehenden Investoren beteiligt, so zum Beispiel White Star Capital, Northzone, Speedinvest, Point Nine, Indico, Kibo Ventures, Market One Capital und ausgewählte Business Angels wie Nico Rosberg.

Sie alle ‘wetten’ mit dieser Kapitalrunde darauf, dass es dem Team um Lawrence Leuschner, dem CEO und Mitgründer von TIER Mobility, gelingt, die Wettbewerber aus Europa wie etwa VOI, Wind und Circ und eben die amerikanischen, globalen E-Scooter Anbieter Lime und Bird auszustechen. Doch deren nicht genug: Weitere Wettbewerber mit den klangvollen Namen wie etwa Skip, Spin oder Razor drängen in den Städte. Es ist unglaublich viel Geld vorhanden und die Investoren stehen auf dieses schnelle und sehr bewegliche Marktsegment für die kurze letzte Meile.

Viel Geld für E-Scooter und E-Roller Sharing Anbieter TIER, Bird und Revel
E-Scooter oder E-Roller auf der letzten Meile – Bird, TIER und Revel legen vor

E-Scooter versus E-Mopeds oder E-Roller – was steckt dahinter?

Nicht zu verwechseln mit den E-Scootern, oder auf deutsch elektrischen Tretrollern, ist das Segment der E-Roller. In den USA werden diese elektrischen Zweiräder, auf denen bis zu zwei Personen sitzen können, E-Mopeds genannt. In Deutschland wird dieser Markt von emmy angeführt, deren orange-rote Elektroroller bereits in Berlin, München und Hamburg unterwegs sind. Gleichzeitig hat emmy in Kooperation mit den Stadtwerken Düsseldorf mehrere hundert elektrische Roller in grüner Farbe und unter dem Namen Eddy in der NRW Hauptstadt im Einsatz. Nummer 2 hierzulande ist die Bosch Tochter COUP, die in Berlin und Tübingen und dann in Paris und Madrid ihren Elektroroller Service anbietet.

Neue Kapitalrunde für den amerikanischen E-Moped Anbieter Revel

In dieses Segment der E-Roller kommt jetzt Bewegung, denn aus den USA lernen wir über eine zweistellige Kapitalrunde von Revel. Das Mobility Startup von der amerikanischen Ostküste hat sich in weniger als zwei Jahren zu einem Sharing Anbieter mit 1.400 E-Mopeds in Washington D.C. und Brooklyn and Queens, New York, entwickelt. Revel bekommt jetzt frisch in einer Series-A Runde 27,6 Millionen Dollar unter der Führung von Ibex Investors. Interessant sind hierbei aber auch die weiteren Investoren. Der Newcomer Toyota AI Ventures, der erst jüngst einen Fonds für die Investments in Mobility Startups aufgelegt hatte, sowie Investoren wie Blue Collective, Launch Capital und der israelische Mobility Fonds von Maniv.

Viel Geld für E-Scooter und E-Roller Sharing Anbieter TIER, Bird und Revel
Bildrechte – Image rights: Revel Website

Was macht das Ostküsten Startup Revel mit diesem Wachstumsgeld?

Revel strebt bis Mitte 2020 das Wachstum in etwa 10 Städte an, so CEO und Co-Founder Fran Reig. Dafür benötigt man neben der Ausweitung der E-Rollerflotte auch den Ausbau der Serviceteams. E-Roller sind Kraftfahrzeuge, die deutlich komplexer zu betreuen sind, als die kleineren E-Scooter.

“Diese Mopeds sind Kraftfahrzeuge”, stellte Reig in einem Interview mit dem online Magazin Techcrunch fest. “Das bedeutet, dass es keine regulatorische Grauzone gibt: Sie müssen ein Nummernschild haben. Um dieses Nummernschild zu erhalten, muss man jedes Fahrzeug beim Department of Motor Vehicles in jedem (US-Bundes-)Staat anmelden und eine Haftpflichtversicherung für Dritte vorweisen. Und weil es ein Kraftfahrzeug ist, ist klar, dass es auf der Straße fährt, also sind wir völlig abseits der Gehwege.” Damit spielt Reig auf den Vergleich zu den elektrischen Scootern an, die außerhalb von Deutschland deutlich einfacheren Zulassungskriterien unterliegen.

Welche Fahrzeuge setzt der E-Roller Anbieter Revel ein?

Das amerikanische Ostküsten Startup setzt auf die Zweiräder von NIU, einem qualitativ hochwertigen elektrischen Zweirad. Jetzt gilt es also die richtigen US-Städte mit der wichtigen hohen Bevölkerungsdichte anzugehen. Gerade in den bevorstehenden kälteren Monaten wird es für Revel darum gehen, dass die neuen Städte mit eher gemäßigtem Wetter hohe Einsatzzeiten der E-Roller ermöglichen. Nur so lassen sich die Nutzungszahlen für die Sharing Anbieter sinnvoll ausbauen.

Unser Fazit zu den jüngsten Kapitalrunden der Micro-Mobility Anbieter

Einerseits ist es wahnsinnig spannend zu sehen, wie die Investoren in den Segmenten E-Scooter und E-Roller (oder E-Moped) Sharing auf die Mobility Startups setzen. Für die jungen Teams geht es um das schnelle Besetzen der Märkte, den Aufbau einer Marke und den Roll-Out von möglichst standardisierten Services rund um die Fahrzeuge. Da wird es, und das ist die andere Seite, in den kommenden Jahren durchaus auch Enttäuschungen geben unter den Investoren. Einzig die wirklich Guten unter den Sharing Anbietern werden eine Chance haben sich langfristig durchzusetzen. Aus meiner Sicht spielt neben dem vielen Geld hierbei die Management Kompetenz des Startups die entscheidende Rolle. Es bleibt spannend.