In einem 18 monatigen Pilotprojekt launchen der Mobility Service Anbieter Viavan und die Stadt Zürich einen Ridepooling Dienst. Unter dem Namen «Pikmi» wird im kommenden November der Pilot starten. Beteiligt sind zusätzlich die Dienstabteilung Verkehr und das Tiefbauamt der Stadt Zürich. Als Fahrzeuglieferant wurde der Schweizer Anbieter Mobility ausgewählt.

Ich habe selbst mehrfach die Viavan Ridepooling Fahrzeuge im Selbstversuch getestet, hier ist beispielsweise mein Bericht zu meiner Fahrt mit dem Berlkönig in Berlin. Jetzt starten also die Vorbereitungen für den Pikmi genannten Ridesharing Service in Zürich.

Welches Ziel verfolgt der neue Ridepooling Service Pikmi in Zürich?

Das Netz des lokalen Anbieters, der Verkehrsbetriebe Zürich – kurz VBZ – soll flexibler werden. In der Schweizer Metropole möchte man die Bedienung der sogenannten letzten Meile besser gewährleisten. Von daher werden die VBZ in den Zürcher Quartieren Altstetten und Albisrieden ein Pilotprojekt mit einem neuartigen, nach­fragegesteuerten Angebotssystem starten.

Es handelt sich dabei um eine ‘On Demand’-Lösung für den Öffentlichen Verkehr. Wichtig dabei ist, dass der Ridepooling Service vollständig in den ÖV-Zonentarif integriert ist. Das Pilotprojekt nutzt die Chancen der Digitalisierung, um den Fahrgästen ein attraktives ÖV-Angebot zu bieten, welches veränderte Nutzungsgewohnheiten berücksichtigt. Das Pilotprojekt Pikmi ist auf 18 Monate befristet, danach werden die Erkenntnisse aus dem Betrieb ausgewertet.

Die Verkehrsbetriebe Zürich testen neue Ansätze für ein flexibles Verkehrsangebot

Gleichzeitig möchten die Verkehrsbetriebe in Zürich herausfinden, ob mit einem solchen System zusätzliche Kundinnen und Kunden gewonnen werden können. Letztlich geht es ja mit dem ergänzenden Ridepooling On-demand-Dienst darum, den öffentlichen Verkehr mit neuen Ansätzen effizienter zu betreiben. Die Veränderungen im Zusam­men­hang mit COVID-19 zeigen, dass der Öffentliche Verkehr flexibel sein muss, um sich ändernden Nutzungsmustern anpassen zu können.

Wie funktioniert der neue RidePooling Service Pikmi in Zürich?

Bei diesem nachfragegesteuerten Ridepooling Konzept werden die Fahrten vom Nutzer per Smartphone gebucht. Die Fahrzeiten und Routen orientieren sich dabei weder an einem fixen Fahrplan noch an einem fixen Streckennetz. Die Fahrtwünsche mit ähnlichen Reisezielen werden vom Viavan-System automatisch gebündelt und im gleichen Fahrzeug zusammengefasst. Die Matching- und Routing-Algorithmen berechnen die beste Linienführung für einen effizienten Fahrzeugeinsatz. Bei diesem sogenannten ‘On Demand Ride Pooling’ finden sich also mehrere Nutzer für einen Weg zusammen, steigen auf dem Weg zu oder aus und teilen sich somit Fahrzeug und verringern damit ihre Kosten für diese Fahrt.

Bildrechte: Viavan – Stadt Zürich Pikmi

Dichtes Netz von Haltepunkten und neue Verbindungen im ÖPNV in Zürich

Die Fahrgäste im Betriebsgebiet in Zürich profitieren von einer besseren Anbindung an die Hauptverkehrslinien des öffentlichen Verkehrs und neuen, direkten Quer­ver­bindungen innerhalb der Quartiere. Allerdings ist das Angebot von Pikmi auf die Randstunden, täglich von 20 bis 1 Uhr, begrenzt, weil in dieser Zeit das fahrplanmässige ÖV-Angebot in Zürich reduziert ist.

Bildrechte: Mobility Website – Ridepooling in Zürich mit Pikmi

Welche Fahrzeuge setzt Viavan mit den Verkehrsbetrieben in Zürich ein?

VBZ und Viavan nutzen mit den Mercedes-Benz Vans die Kleinbusse mit fünf Sitzplätzen, die vom Schweizer Mobilitäts-Dienstleister Mobility betrieben werden. Die Kleinbusse sind abends buchbar und ver­kehren zwischen einem dichten Netz von Haltepunkten im Testgebiet.

“Fahrt­wünsche mit ähnlicher Richtung werden dabei vom System gebündelt, sodass mit möglichst wenig Fahrzeugen möglichst viele Personen an ihr Ziel gebracht werden können”, erklärt Silvan Weber, der Projektleiter von Pikmi. “Damit wollen wir mit attraktiven Verbindungen einen Beitrag zur Erreichung der städtischen Mobilitätsziele leisten.”

Interessant ist die Mischnutzung der Fahrzeuge bei Mobility. So stehen die Mercedes-Benz Vito Fahrzeuge ab dem Morgen den Kundinnen und Kunden von Mobility zur Verfügung, bevor sie abends von den Fahrdienst Mitarbeitern der VBZ übernommen werden und als Pikmi-Fahrzeuge unter­wegs sind. “Mit diesem Projekt gewinnen wir wertvolle Erfahrungen im Bereich der Misch­nutzung unserer Fahr­zeuge. Wir sehen das Potenzial, auf diesem Weg unsere Fahr­zeuge noch besser und rund um die Uhr auslasten zu können”, sagt Adrian Boller, Projektleiter Corporate Development bei Mobility.

Viavan ist als erfahrener Partner für die Bereitstellung der Technologie und App zuständig

Die Bereitstellung der Technologie und App für den Pikmi-Service erfolgt durch Viavan. Viavan ist ein Joint Venture des amerikanischen Software Spezialisten Via und von Daimler und kooperiert mit über 100 Partnern weltweit bei der Bereitstellung von Mobilitätsangeboten. Ein sehr erfolgreiches Beispiel für die Zusammenarbeit von Viavan mit Öffentlichen Verkehrsanbietern ist der Berlkönig Ridepooling Service, den das Mobility Startup gemeinsam mit der BVG in Berlin anbietet.

Viavans intelligenter Algorithmus navigiert die Fahrzeuge ohne festgelegte Linienwege, koordiniert die Fahrtbuchung und ermöglicht die dynamische Echtzeit-Bündelung der Fahrten. Ent­schei­dend für ein gutes Funktionieren des Pikmi-Angebotes ist das Bündeln der ver­schiedenen Fahrt­wünsche mit ähnlicher Fahrtrichtung sowie die entsprechende Disposition der Fahrzeuge.

“Technologie hat die Fähigkeit den Zugang zu öffentlichen Verkehrs­mitteln zu erweitern”, sagt Chris Snyder, Geschäftsführer von ViaVan. “Die Stadt Zürich hat ein hervorragendes ÖV-Netz. Wir freuen uns gemeinsam mit den VBZ einen effizienten, bezahlbaren und komfortablen On-Demand-Service zur Schlies­sung von Lücken in den Abend- und frühen Nachtstunden anzubieten.”

Angebot hindernisfrei nutzbar, auch dank Zusammenarbeit mit BTZ

Die Fahrzeuge, welche der Projektpartner Mobility zur Verfügung stellt und nach Abschluss des Projektes vollständig in seine Flotte integriert, sind wegen der beschränkten Nutzungszeit nicht ausgerüstet für den Transport für Menschen im Rollstuhl. Die VBZ arbeiten darum mit der Stiftung Behinderten-Transporte Zürich (BTZ) zusammen, um die Buchungsanfragen aller Kundinnen und Kunden be­dienen zu können. Die Stiftung BTZ kann dank der Zusammenarbeit Erfahrungen mit der Buchung über digitale Plattformen sammeln und ein neuartiges Angebot testen, um die Mobilität auch zukünftig für alle nach­haltig und effizient zu gestalten. Die Pikmi-App ist optimiert für die Nutzung durch Fahrgäste mit Seh­be­hinderung. Alle Fahrgäste ohne Smartphone haben zudem die Möglichkeit, Fahrten über den Kunden­dienst telefonisch zu buchen.

Mein Fazit zum neuen Pikmi Angebot der Stadt Zürich gemeinsam mit Viavan und Mobility

Hier haben sich einige führende Mobility Anbieter zusammengetan, um Ridepooling als intelligenten Service zur Verfügung zu stellen. Integriert in das ÖV-Angebot und ergänzt um einen Fahrservice für Fahrgäste mit Behinderung. Das Pikmi Angebot in der Stadt Zürich und seinen Quartieren ist gut durchdacht und wird über einen Zeitraum von 18 Monaten wertvolle Erkenntnisse allen Beteiligten liefern. Wichtig bei diesen neuen Services ist die enge Zusammenarbeit von Stadt und den privaten Anbietern. Nur dann können die Services integriert und ‘seamless’ umgesetzt werden.

Und für den Kunden wird eine ergänzende Dienstleistung erbracht, die es erlaubt, das eigene Auto stehen zu lassen und tatsächlich auf den Öffentlichen Nahverkehr umzusteigen. Weniger Kfz in der Stadt Zürich sind, das weiß ich aus eigener Erfahrung, dringend angebracht – Pikmi ist ein sinnvolles Mobilitätsangebot, das dieses ermöglichen wird. Die Beispiele aus anderen Städten zeigen diesen Erfolg: in Hamburg ergänzt die Deutsche Bahn Tochter ioki den ÖPNV der Hamburger Hochbahn am Stadtrand, um hier die Weiterfahrt am Ende der Bus und Bahnstrecken zu ermöglichen. Eine weitere Bahn Mehrheitsbeteiligung ist Clevershuttle. Ausschließlich mit Elektroautos fährt dieses Jungunternehmen in Leipzig und Düsseldorf jeweils ab dem Bahnhof im Ridepooling.

So geht die Mobilität der Zukunft heute.