Vialytics – Straßen flicken mit KI

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Vialytics – Straßen flicken mit KI
Der Fahrer bestimmt, wann das iPhone mit dem Bildermachen beginnt (Quelle: Vialytics)

Jedes Jahr werden Millionen in die Sanierung von deutschen Straßen gesteckt. Besonders auf den Autobahnen findet man kilometerlange Baustellen. Kleine Straßen haben gefühlt dagegen oft das Nachsehen. Meistens weil Kommunen ihr Budget eher für andere Projekt benötigen. Zudem dauert es sehr lange bis der Zustand aller Straßen mal wieder aktualisiert ausgewertet vorliegt. Das Startup Vialytics aus Stuttgart will helfen, diese Straßenerhaltung effizienter, nachhaltiger und aktueller zu gestalten. Und das ganze basiert auf Künstlicher Intelligenz. 

Wie soll das gehen?

Die Grundidee ist eigentlich ganz simpel: Ein iPhone vorne an die Windschutzscheibe geschnallt macht alle vier Meter ein Foto. Zudem reagiert sein Sensor auf Erschütterungen während der Fahrt. Es ist natürlich kein normales Handy. Die Entwickler von Vialytics haben es modifiziert, sodass es die optimale Leistung bringt. Das ist im Wesentlichen schon die „Feldarbeit“. Das Handy stört nicht mehr als ein Navi, das an der Frontscheibe angebracht ist. 

Das Handy macht während der Fahrt Aufnahmen von der Straße (Quelle: Vialytics)
Das Handy macht während der Fahrt Aufnahmen von der Straße (Quelle: Vialytics)

Vialytics übernimmt die Auswertung 

Sobald WLAN Empfang da ist, überträgt das iPhone all diese Daten zu Vialytics, die sie automatisiert auswerten. Straßenschäden werden anhand der E EMI 2012 (Empfehlung für das Erhaltungsmanagement von Innerortsstraßen) kategorisiert, georeferenziert und auf einer eigens entwickelten Online-Karte den Kommunen zur Verfügung gestellt. Mit verschiedenen Filtermöglichkeiten können User dann genau herausfinden, wie viele Risse im Asphalt beispielsweise auf ihren Straßen vorhanden sind und wie schwerwiegend diese sind. Um die DSGVO haben sich Vialytics übrigens auch gekümmert: Bevor irgendwas ausgewertet wird, werden zunächst alle personenbezogenen Daten aus den Bildern entfernt. 

Die gesammelten Daten werden auf einer Karte abgebildet
Die gesammelten Daten werden auf einer Karte abgebildet (Quelle: Vialytics)

Aktuelle Daten gibt’s zweimal im Jahr

Solche Smartphones können in allen Fahrzeugen angebracht werden. Für kleinere Städte und Gemeinden hat das den Vorteil, dass sie z.B. Müllautos oder Kehrmaschinen damit ausrüsten könnten, die sowieso in der ganzen Ortschaft umherfahren. Damit werden frühzeitig auch größere Schäden erkannt und die Verwaltung kann präventiv Maßnahmen ergreifen. Zweimal im Jahr stellt Vialytics aktualisierte Daten zur Verfügung – das ist wohl ein riesiger Sprung nach vorne. Bisher sind laut dem Startup Ingenieurbüros damit beschäftigt, die dann einmal alle fünf Jahren mit Daten anrücken. Bis dahin ist das Mini-Schlagloch auf der Hauptstraße vielleicht schon zu einem Mini-Pool geworden, dessen Ausbesserung sehr viel mehr Geld verschlingt. Und keine Gemeinde hat je zu viel Geld für solche Dinge übrig. 

Das Vialytics-Team (v.l.): Danilo Jovicic, Achim Hoth und Patrick Glaser (Quelle: Vialytics)
Das Vialytics-Team (v.l.): Danilo Jovicic, Achim Hoth und Patrick Glaser (Quelle: Vialytics)

Ein logischer Ansatz

Gemeinden rund um Stuttgart stehen schon mit Vialytics in Kontakt (z.B. Leinfelden-Echterdingen), um dieses System auszutesten. Außerdem hat das Startup mit der EnBW einen Partner an der Seite, der in Smart City und Connected Mobility Projekte investiert. In Anbetracht dessen, dass die Digitalisierung überall fortschreitet, aber ein eigentlich elementarer Bereich so deutlich hinterherhinkt, scheint der Ansatz von Vialytics nur logisch und vernünftig. Bequemes und angenehmes Autofahren hängt nun auch mal von gut Instand gehaltenen Straßen ab. Die gibt es aber nur, wenn sich Gemeinden auch ihre Erhaltung leisten können. Das Konzept von Vialytics ist auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung. 

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