VeloCarrier – flitz und da

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VeloCarrier – flitz und da
Quelle: VeloCarrier

VeloCarrier – flitz und da. Volle Straßen, Feinstaub, Fahrverbote. Manch ein Stuttgarter mag diese Worte schon gar nicht mehr hören. Auf der B14 quälen sich tagtäglich Autos durch die Landeshauptstadt. Genauso wie LKWs, die Kunden im inneren Stadtgebiet erreichen wollen. Anderen Städten in Deutschland geht es mit Sicherheit nicht anders. Dann steht wieder einer der 7,5 Tonnen schweren Laster vor der Einfahrt oder blockiert einen der raren Parkplätze zum Ausladen – nicht gerade ein Vergnügen! 

Tübingen, warum bist du so hügelig?

Raimund Rassillier und Torsten Fauser haben sich da was einfallen lassen. Die beiden sind schon eine Weile im Logistik-Geschäft dabei. Und vor zwei Jahren haben sie VeloCarrier ins Leben gerufen. Und in welcher Stadt hätte das bessere Chancen auf Erfolg als in Tübingen – der grünen Fahrradstadt schlechthin, in der Radfahrer mehr Rechte haben als jeder Autofahrer oder Fußgänger? Und die Stadt, die sogar in einem Lied als sehr hügelig besungen wird. 

VeloCarrier – die Power-Cargo-Bikes

VeloCarrier, das sind Power-Cargo-Bikes. Also Pedelecs mit Aufbau hinten drauf, eine Frachten-Rikscha, wenn man so will. Nur eben hochmodern, aus einem Guss und mit einem 250-Watt-Elektromotor versehen. Nein, eigentlich sind es sogar zwei Elektromotoren. Die Hinterräder, auf denen der Aufbau sitzt, werden nämlich jeweils separat angetrieben. Das hat den Vorteil, dass in den Kurven das äußere Rad mehr beschleunigt wird und das innere dementsprechend weniger. In Kurven kommt dem Fahrer zusätzlich noch die Neigetechnik zu Gute. Er kann sich quasi in die Kurve legen, wie mit einem normalen Fahrrad, ohne, dass der Aufbau zu kippen droht. Die Akkus werden je nach Einsatzgebiet ausgesucht. 1kW bis 4kW-Varianten gibt’s – also je nachdem ob man die Stuttgarter Weinsteige hoch muss oder am Neckar entlang düsen kann. Rekuperiert wird natürlich auch. 

Ökologische Werbung – so was gibt’s!

Die Cargo-Bikes von VeloCarrier sind mittlerweile in einigen deutschen Städten unterwegs. Neben sieben in Tübingen und 16 in Stuttgart sind sie z.B. auch in Esslingen, Ulm, Bochum und Mainz im Einsatz. Nur: Unbedingt als solche zu erkennen sind sie nicht. Die Aufbauten werden nämlich je nach Kunde mit deren Logo und Werbung versehen. Vom Endkunden und Passanten werden sie dadurch als firmeneigen wahrgenommen. Fahrende Werbung und das noch ganz ökologisch – schon clever. 

VeloCarrier auf der ams-i-mobility Messe in Stuttgart
Quelle: Sabrina Pfeifer

Vom Hub zum Kunden und umgekehrt

Letztlich kann jedes Unternehmen, das Lieferdienste benötigt, VeloCarrier anfragen. Die Tübinger stellen die Bikes mit Fahrer zur Verfügung – die übrigens keinen Führerschein dafür brauchen. In den Hubs wird die Fracht verladen und zum Ziel tansportiert. Retourendienste werden auch angeboten. Das freut auch dem Endkunden, denn er muss keine Paketstation finden. 

Die letzte Meile in Grün – ja bitte!

Die Idee, die letzte Meile mit dem Fahrrad anzubieten, ist mit Sicherheit nichts Neues – Fahrradkuriere gibt es ja zur Genüge in Großstädten. Der Vorteil, dass diese viel einfacher und schneller überall hinkommen, ist unbestreitbar. Sich aber mit den eigenen Power-Cargo-Bikes in den Dienst anderer zu stellen und deren Lieferaufträge noch ganz umweltfreundlich umzusetzen, ist meiner Meinung nach etwas, das nicht nur Stuttgart braucht. Unsere Innenstädte sind einfach zu voll. Wer nach der Arbeit z.B. noch auf dem Schlossplatz entspannen will, der hat keine Lust auf LKWs und Motorengeräusche.

Eins der Bikes auf dem Schlossplatz in Stuttgart
Quelle: VeloCarrier

Fahrverbote? Uns egal!

Unternehmen wie Siemens oder Dachser haben das bereits erkannt und sich die Bikes für ihre „last mile“ gesichert. Der Stuttgarter Buchhändler Wittwer und die Oper sind auch mit von der Partie. Sollten die Fahrverbote also kommen, haben diese Geschäfte und Firmen kein Problem. Wenn sie nicht kommen, haben sie trotzdem einen schnellen Lieferdienst, tun etwas für die Umwelt und sorgen dafür, dass das Innenstadtbild weniger von unschönen LKWs geziert wird. Und für VeloCarrier ist es so oder so in Ordnung.

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