USA – ein von Technologie und Innovation geprägtes Land mit einer Gesellschaft, die so offen für Veränderungen scheint wie keine andere. Dennoch zeigt sich, dass sich die Anzahl von Elektroautos auf den amerikanischen Straßen nicht hoffnungsgemäß entwickelt hat. Und das trotz des Megatrends um Mobilität, des Tesla-Hypes und zahlreicher staatlicher und regulatorischer Fördermaßnahmen.

Electric Vehicle Index (EVI) 2010: Die USA als innovatives Vorbild

Noch 2010, als die Elektromobilität sich auf den internationalen Märkten und Industrien etablierte, wurden die Vereinigten Staaten laut des Electric Vehicle Index (EVI) der Unternehmensberatung McKinsey & Company als Vorreiter gehandelt. Kein anderes Land stellte so viele Mittel für die Forschung und Entwicklung des elektrischen Fahrens zur Verfügung. Besonders in der nicht-monetären Förderung der Elektromobilitätsbranche haben die USA als Vorbild wichtige Grundlagen für die Branche geschaffen. Ansätze, wie die Bevorzugung von Elektroautos im Straßenverkehr durch Sonderrechte, wurden international adaptiert.

In Hinblick auf den Entwicklungszeitraum bis heute hatten die USA rund 22 Milliarden Euro an Fördermaßnahmen bereitgestellt. Und obwohl Tesla zum Zeitpunkt der ersten Erhebung des EVI nur mit einem Modell auf dem US-amerikanischen Markt vertreten war, wurden 2010 nur in Frankreich prozentual mehr Elektroautos zugelassen als in den Vereinigten Statten. Auch Deutschland konnte sich bereits 2010 aufgrund seiner leistungsfähigen Anbieterindustrie im internationalen Spitzenfeld positionieren. Die USA konnten ihre Position jedoch nicht halten.

Wie haben sich die amerikanischen Märkte und Industrien für Elektromobilität bis heute entwickelt?

Bei seinem Amtsantritt 2008 formulierte der US-Präsident Barack Obama seine Vision von einer Million Elektroautos auf den amerikanischen Straßen bis 2015. Heute fahren trotz des Hypes um Tesla und staatlicher Förderungen nur etwas mehr als eine halbe Million Elektroautos durch die Vereinigten Staaten. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum wurden mehr als 250 Millionen Autos mit Verbrennungsmotoren zugelassen.

Es wird deutlich: Auch die USA, als Vorreiter in Technologie und Innovation, kämpfen.

Das bestätigt auch der Electric Vehlicle Index vom Juli 2016: Während Deutschland bei den wichtigsten Produktionsländern auch im Vergleich zum Vorjahr auf Platz drei liegt und damit die USA nur knapp überholt, sind die Vereinigten Staaten als entwickelnder Markt mit Platz sieben weit von der Spitze entfernt. Deutschland wird derzeit übrigens als heimlicher Favorit gehandelt. Laut der Prognose der McKinsey-Experten könnten im Jahr 2020 rund 36% aller international produzierten E-Fahrzeuge von deutschen Herstellern stammen.

Weltweit ist deutlich zu beobachten, dass Elektroautos noch nicht übergreifenden Zuspruch finden. Möglicher Grund könnten Befürchtung im Zusammenhang mit zu geringer Reichweite sein. Tesla wirkt dem bereits jetzt schon mit Investitionen in ein bundesstaatenübergreifendes Netz an Lademöglichkeiten entgegen. Außerdem wird intensiv an der Verbesserung der Reichweite von Elektromotoren geforscht.

Ziel der Vereinigten Staaten ist es, ein dichtes Netz an Ladestationen für Elektroautos zu fördern um beispielsweise von der Lady Liberty in New York an der Ostküste der USA bis über die Golden Gate Bridge in San Francisco an der Westküste der USA zu fahren. Auf insgesamt 48 Routen sollen laut der US-Verkehrsbehörden im Abstand von 80 Kilometern entsprechende Ladestationen gebaut werden. Damit würden über 40.000 Kilometer in 35 US-Staaten problemlos elektrisch befahrbar werden.

Wie könnte die künftige Entwicklung des elektrischen Fahrens in den USA aussehen?

Mit dem Machtwechsel in den USA ändert sich auch die politische Sicht zu Elektromobilität.

Die unabhängige Forschungs- und Beratungseinrichtung Lux Research prognostiziert, dass der designierte Präsident Donald Trump eher auf fossile Brennstoffe als auf erneuerbare Energien setzt, was 3.4 Milliarden Tonnen an Kohlenstoffdioxid-Emissionen bedeuten könnte. Damit könnte auch die Auflösung von Obamas Clean Power Plan sowie eine Distanzierung von Übereinkommen von Paris bezüglich des Klimawandels verbunden sein.

Donald Trumps bezeichnete Klimaforschung während seines Wahlkampfes mehrfach als „bullshit“. Diese Aussage lässt vor allem Befürworter von Elektromobilität die Stirn runzeln, da sie fürchten, dass Steuererstattungen beim Kauf von Elektroautos wegfallen könnten. Wie sich die USA hinsichtlich Elektromobilität verhalten wird, wird sich in der kommenden Zeit zeigen. Klar ist aber, dass Donald Trump bereits während seines Wahlkampfs verdeutlicht hat, dass er keine Förderung für die Klimaschutz-Politik vorsieht. Er wird die amerikanische Wirtschaft durch andersorientierte Infrastrukturprojekte ankurbeln. Ob das bedeutet, dass er den Ausbau eines landesweiten Netzes an Ladestationen für Elektroautos unterstützen wird um damit einer der Kernherausforderungen der Elektromobilität entgegenzuwirken, bleibt fraglich.