Ich möchte mich mit einer neuen Serie dem Thema urbane Mobilität widmen. Sie spielt in der Diskussion um unsere umweltfreundliche Fortbewegung eine entscheidende Rolle. Bereits heute lebt ca. die Hälfte unserer Menschheit in Städten, im Jahr 2050 sollen es mehr als zwei Drittel weltweit sein.

Und diese Städte sind derzeit für ca. 80 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs und über 70 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich. Einen hohen Anteil an diesen Emissionen haben Gebäude und die Nutzung der Transportsysteme in den urbanen Zentren. Im englischen Sprachgebrauch nennt man das dann ‘Impact’ – Grund genug, sich das anhand einiger Beispiele anzusehen.

Der Schulweg wird auf dem Fahrrad absolviert

Mein erstes Beispiel ist die zweitgrößte Stadt der Niederlande: Rotterdam. Wer an die Niederlande denkt, der denkt an das Fahrrad als Fortbewegungsmittel. Und das stimmt heute mehr denn je. Ich habe mich heute wenige Minuten vor Schulbeginn in der Innenstadt in ein Café gesetzt und den Schulverkehr beobachtet. Im Gegensatz zu den in Deutschland so präsenten dicken SUVs, in denen der Nachwuchs zur Schule kutschiert wird, setzt der oder die Rotterdamer:In auf das Fahrrad.

Zugegeben, meine Beobachtung vor einer Schule für gerade einmal 15 Minuten ist statistisch nicht gerade repräsentativ. Aber sie gibt einen guten Eindruck über die Wahl der Verkehrsmittel hier in Rotterdam auf dem Weg zur Schule. Ich zählte 35 Kinder auf eigenen Fahrrädern, 17 Lastenräder, von denen die meisten mit E-Antrieb ausgestattet waren (E-Cargobikes) und unzählige Räder, auf denen die Kinder vorne und hinten auf einem Zusatzsitz transportiert wurden. Auf breiten Radwegen sind Eltern wie auch Kinder entspannt unterwegs, das Ganze funktioniert ohne jegliche Hektik.

Bildrechte: Michael Brecht – Schulweg in Rotterdam

Mobilität in Rotterdam setzt auf Fahrrad, Cargobikes und E-Mopeds

Generell setzt die Innenstadt von Rotterdam neben den Fahrrädern auf Cargobikes und elektrische Mopeds. Alleine drei Sharing Anbieter dieser E-Mopeds sind hier in der Hafenstadt präsent: CHECK, Felyx und GO bieten ihre elektrischen Mopeds zur kurzfristigen Miete. Bei gut 600.000 Einwohnern, die in Rotterdam leben, erscheint das auf den ersten Blick wie eine recht hohe Anbieteranzahl. Doch es funktioniert. Die kleineren E-Mopeds dürfen bis 30 km/h schnell sein und auf Radwegen fahren. Das ist nach eigenem Test recht entspannt, irgendwie haben die Fahrradfahrer und E-Mopedfahrer sich gut auf den Radwegen miteinander arrangiert. Die größeren Modelle dürfen auf die Straße und gleiten dort geräuschlos mit den Pkw und Transportern durch die Stadt.

Parkplätze für Pkw sind in Rotterdam rar

Was mir auffällt: es gibt kaum sichtbare Parkplätze für Autos hier in Rotterdam, der Platz dafür wurde in Fahrtwege für die Verkehrsmittel inklusive der allseits präsenten Straßenbahnen umgewidmet. Die Neuaufteilung des urbanen Raumes gelingt hier zugunsten der abgasfreien Antriebe. Zusätzlich werden Abends diverse Straßen für den Autoverkehr gesperrt. Das ist eine Massnahme, die ursprünglich aus der ersten Lockdown-Phase herrührt. Die Rotterdamer Verkehrsverantwortlichen haben daraus jedoch gelernt und diese Massnahmen beibehalten. Und so wird das Treiben auf der Barmeile Witte der Whitstraat trotz strengerer COVID-Vorschriften in diesem Winter zum entspannten Vergnügen.

Urbane Mobilität in Rotterdam: das ist sehr entspannt und dank deutlich weniger Pkw in der Innenstadt und dank der Umwidmung von Parkplätzen zu Rad- und Gehwegen inzwischen ein Vergnügen.