Es muss nicht immer eine der Großstädte sein, in denen wir moderne Mobilitätsdienste vorfinden. Am Montag brachten wir noch die Meldung, dass ViaVan und das kommunale Verkehrsunternehmen moBiel gemeinsam in Bielefeld mit einem Ridesharing Projekt beginnen. Bielefeld, da war doch die Frage ob es diese westfälische ‘Stadt’ überhaupt gibt – nun die kann jetzt mit ‘Ja’ beantwortet werden. Interessante Neuigkeiten kommen jedoch zusätzlich aus dem Speckgürtel von München.

Vor den Toren von München startet Uber einen neuen Pilotversuch für den Transport ‘auf der letzten Meile’

Dort startet der Fahrdienst Uber ein erstes Pilotprojekt im ländlich geprägten Raum außerhalb einer Großstadt. In enger Abstimmung mit der Gemeinde Kirchheim bei München bietet die Mobilitätsplattform den Einwohnern ab sofort mehr Mobilität vor Ort. Festpreise ermöglichen dabei verlässlich günstige Fahrten vom Bahnhof in die Gemeinde sowie zwischen den umliegenden Ortschaften. Außerhalb der ÖPNV-Kernzeiten gibt es zudem einen Pauschalpreis von bzw. nach München.

Was sind die Beweggründe für Uber auf dem bayerischen Land?

Für Uber gilt es in Deutschland, Glaubwürdigkeit zu gewinnen. Mit seinem teils sehr aggressiven Vorgehen in den vergangenen Jahren hat das Management von Uber gerade in deutschen Städten viele Entscheider verschreckt. Die jüngsten Studien zur Mobilitätswende zeigen einen klaren Trend zur Notwendigkeit von Fahrservices auf dem Lande. Dieser Herausforderung stellt sich Uber jetzt und hofft, neben den Erkenntnissen aus dem Pilotprojekt selbst, sein Image zu einem verlässlichen Partner für die Lösungen der Mobilitätsfragen wandeln zu können.

Welche Fahrer und Fahrzeuge setzt Uber in diesem Pilotprojekt ein?

Wie in allen anderen deutschen Städten arbeitet Uber auch in Kirchheim ausschließlich mit lizenzierten Mietwagenunternehmen zusammen. Alle Fahrten sind vollständig versichert und werden von professionellen Fahrern durchgeführt. Der Kunde kann den Fahrpreis schon vor der Bestellung sehen. Außerdem wird vor Fahrtantritt das Profil des Fahrers mit Foto, Automodell und -farbe, Kennzeichen und Service-Bewertung angezeigt.

Der Kunde muss sich vor der Bestellung des Fahrers lediglich entscheiden, ob er ein elektrisches Fahrzeug nutzen möchte, oder ein Fahrzeug mit Verbrennermotor.

Welche Preise gelten für die Fahrdienste von Uber bei München?

In der Testphase gelten für die Nutzer zwei Festpreise: Für Fahrten innerhalb der Ortschaften von Kirchheim und Heimstetten zahlt der Nutzer festgeschriebene fünf Euro pro Fahrt. Eingeschlossen sind dabei auch Fahrten nach und von Aschheim, Feldkirchen, Poing und Pliening. Zwischen Mitternacht und 5:00 Uhr, wenn der Öffentliche Personennahverkehr nicht oder nur in großen Abständen fährt, kosten Fahrten aus dem oder ins Stadtzentrum von München pauschal 15 Euro.

Uber ergänzt auf diese Weise das vorhandene öffentliche Angebot, das gerade in Tagesrand- und Nachtzeiten geringer getaktet ist. Mitunter fehlen gerade nachts Anschlussverbindungen, was die Mobilität der Einwohner stark einschränkt und sie deswegen den eigenen PKW nutzen lässt. Der Service ist außerdem eine sichere Alternative für den nächtlichen Heimweg. Das Pilotprojekt ist für mindestens drei Monate geplant.

Uber testet auf dem Land in Bayern

Die Bezahlung der Uber Fahrten erfolgt automatisch per hinterlegter Kreditkarte oder über PayPal. Bargeld wird bei diesen Fahrten nicht akzeptiert.

Welche Erkenntnisse erhofft sich die Gemeinde Kirchheim von diesem Pilotprojekt mit Uber?

Der Pilotbetrieb wurde in enger Abstimmung mit der Gemeinde umgesetzt, die damit ein weiteres Vorhaben im Rahmen ihres neuen Smart Mobility-Projekts ermöglicht. “Wir freuen uns sehr darüber, dass Uber unseren Bürgern eine zusätzliche, bezahlbare und flexible Mobilitätsoption anbietet. Unsere Gemeinde ist offen für Innovationen und wir wollen einen echten Beitrag zur Erkundung moderner Verkehrsarten liefern. Uber kann eine gute Alternative zur individuellen Einzelnutzung des PKW sein, weil einen solchen Service in der Regel pro Fahrt mehr als eine Person nutzt. Das ergänzt unseren ÖPNV und ein Großteil der Flotte ist auch bereits elektrifiziert”, sagt Erster Bürgermeister Maximilian Böltl zum Start. „Ob eine Fahrt zum Facharzt in der Nachbarschaft für die Älteren oder die Heimkehr von der Partynacht in München für die Jüngeren. Probieren wir es gemeinsam aus“, so Böltl weiter.

Uber testet auf dem Land in Bayern
Uber startet ein erstes Pilotprojekt in Kirchheim bei München – hier der Erste Bürgermeister Maximilian Böltl vor einem Elektroauto

Wie bewertet Uber das Pilotprojekt vor den Toren von München?

“Das Kirchheim-Projekt hat auch für Uber absoluten Modell-Charakter. Die Zukunft der modernen Mobilität muss auch außerhalb der Stadtzentren gedacht werden. Gerade im Umland der Metropolen oder in ländlichen Gebieten gibt es für die Menschen kaum Alternativen zum eigenen Auto“, erklärt Christoph Weigler, General Manager von Uber Deutschland. “Mit dem Pilotprojekt wollen wir verstehen, wie ein On-Demand-Fahrservice auch in weniger dicht besiedelten Regionen und unter den Herausforderungen des aktuellen deutschen Rechtsrahmens funktionieren kann. Kirchheim ist eine moderne Gemeinde mit einer innovativen Verwaltung, die uns dabei unterstützt und so ihren Einwohnern einen echten Mehrwert bietet.”

Mein Fazit zum Mobilitäts-Pilotprojekt von Uber auf dem Lande vor den Toren von München

Das ist ein sehr spannendes Pilotprojekt von Uber und den Gemeinden östlich der bayerischen Landeshauptstadt München. Die Fixpreise für fünf Euro von Dorf zu Dorf oder 15 Euro für die Fahrt nach München sind Kampfansagen an die örtlichen Taxifahrer und Zubringerdienste. Mir gefällt am besten der Einsatz von elektrischen Fahrzeugen für diese Touren. Hier lassen sich für die Einwohner und Besucher von Kirchheim & Co. Berührungsängste zu den E-Autos abbauen und somit neue Käufergruppen für elektrische Antriebe finden.

Bislang ist Uber weltweit in mehr als 700 Städten in 65 Ländern aktiv. Jetzt kommen die Tests auf dem Lande hinzu und endlich setzt Uber auch einen weiteren (eigenen) Anspruch um: ‘Langfristig setzt Uber auf Elektromobilität’ – so wird dort seit Jahren der Wandel zur E-Mobility propagiert. Ausgerechnet in Kirchheim wird das nun Realität.