Ein leerer Akku mitten in der Nacht

Da stehe ich nun mitten in der Nacht ohne Strom auf der Landstraße. 6,7km von der rettenden Stromquelle entfernt. Hierbei kommt die Frage auf, ob das Auto bei kompletter Entladung überhaupt noch ohne vorherige Behandlung durch den BMW-Service geladen werden kann, was mir allerdings sehr unwahrscheinlich erscheint. Viele Autos passieren uns ohne auch nur Abzubremsen. Ein hilfsbereiter Autofahrer hält endlich an und gibt mir den Tipp, die Polizei um Hilfe zu bitten. Gesagt, getan. Die hiesige Polizeistation meint aber nur, mir nicht helfen zu können und ich solle doch einen Abschleppwagen rufen…

Doch das muss ich glücklicherweise doch nicht. Zwei junge Frauen halten nach einiger Zeit an und wollen mich bis zur Ladesäule schleppen. Natürlich haben weder ich noch die Helferinnen ein Abschleppseil dabei. Also bieten die beiden an, ein Seil an der nächsten Tankstelle zu kaufen. Zwanzig Minuten später treffen sie mit dem extra gekauften Abschleppseil ein und wir starten die Schleppfahrt. Diese gestaltet sich jedoch schwieriger als erwartet. Der i3 ist nicht für solche Abschleppfahrten gedacht und meldet ab einer Geschwindigkeit von 20 km/h, dass die Antriebseinheit gestört sei und eine Weiterfahrt (eigentlich) nicht möglich wäre. So hört sie sich auch an. Ein beunruhigendes Brummen dringt aus dem Heck des Autos, obwohl der Fahrtwahlhebel auf Neutral steht. Da mir nichts anderes übrig bleibt, hoffe ich auf das Beste und lasse mich weiter zur Säule schleppen. An der Einfahrt zur BMW-Niederlassung Dessau-Roßlau angekommen müssen wir das Auto zu dritt rückwärts an den Ladeplatz schieben. Da es anscheinend keinen Freilauf im Getriebe gibt, fühlt sich der i3 wie ein voll beladener Transporter an, während wir ihn schieben. Jetzt muss nur noch die Ladung funktionieren!
Um 2:29 Uhr startet der Ladevorgang erfolgreich und die ersten Kilowattstunden fließen in die Batterie. Gott sei Dank.
42 Minuten Ladezeit reichen voll aus, um mit Höchstgeschwindigkeit und endlich auch wieder mit Heizung die 50km lange Strecke nach Schkeuditz zu bezwingen.
Die Warnmeldung vom Antrieb tritt nicht mehr auf und auch die Geräusche vom Motor sind verschwunden. Was für eine aufregende Nacht.
Wie es zu diesem Abenteuer kam, lest ihr im vorherigen Teil des Erfahrungsberichts.

Wieder eine Punktla(n)dung

In Schkeuditz angekommen wären 25 Lademinuten für die Weiterfahrt ausreichend. Allerdings überkommt mich dann doch die Müdigkeit und ich lade etwas länger als eine Stunde. Entspannt geht es weiter zum nächsten Ladestop.
Dort fallen mir trotz der beginnenden Dämmerung erneut die Augen zu. Diesmal für eineinhalb Stunden, in denen der i3 komplett vollgeladen werden kann und die Reichweitenanzeige im ECO PRO+ – Modus 224km anzeigte. Kein schlechter Wert, der allerdings schon nach den ersten gefahrenen Kilometern in Richtung Selbitz wieder dem Alltag entsprechende Dimensionen erreicht.

Um kurz vor neun Uhr startet die Selbitzer Ladesäule den Ladevorgang, der wieder nur eine halbe Stunde dauert, um das 41km entfernte Himmelkron mit Vollstrom erreichen zu können.
Auch am drittletzten Ladestop reicht eine halbe Stunde Stromfluss, um für die Weiterfahrt nach Lauf an der Pegnitz gerüstet zu sein. Diese Strecke ist die Längste zwischen den Stationen und auch die Schönste. Besagte 77km später habe ich wieder das Industriegebiet des vor Nürnberg liegenden Städtchen unter den Rädern. Die halbe Stunde Ladezeit sollte für den Weg nach Ingolstadt genügen.
Auf der Fahrt lasse ich es anfangs bei der Geschwindigkeit wohl ein bisschen zu sehr krachen, wodurch die Reichweite wieder gleich der Entfernung zum Ziel ist. Die Angelegenheit wird dann sogar so knapp, dass ich mit nur noch 90km/h und abgeschalteter Klimaanlage weiterfahren muss. Bei der Sommerhitze ist das nicht das Höchste der Gefühle. Das Ziel rückt näher, doch die Reichweite ist weiterhin zu niedrig. Es wird also wieder spannend. Wo 70 erlaubt sind, wage ich mich nicht über 40km/h und ziehe so den Groll der anderen Verkehrsteilnehmer auf mich. Kurz vor dem Fashionoutlet, auf dessen Gelände die Ladesäule steht, stellt eine wahnsinnig steil aussehende Brücke die restlichen verbleibenden Elektronen im Akku auf die Probe. Hinter der Brücke trennen mich 700 Meter vom Ziel und der Bordcomputer zeigt wieder die bekannten Striche an, wo zuvor die Restreichweite angezeigt wurde. Ein Kreisverkehr, zwei Kurven und eine falschrum befahrene Einbahnstraße (Entschuldigung!) später stehe ich auf dem Ladeparkplatz. Endlich kann ich wieder aufladen.

Endspurt ohne Probleme

Die letzte Ladesäule auf meiner Fahrt befindet sich in Schweitenkirchen auf dem Parkplatz eines, wie schon vermutet, McDonald´s-Restaurant. Die nach 37km erreichte Station liegt im hintersten Eck des Rasthofs und muss ein wenig gesucht werden. Eine Beschilderung gibt es leider wieder nicht. Die Suche nach Ladestationen ist in Deutschland daher fast wie GeoCaching. Man weiß nicht, wonach man Ausschau halten muss.

Die letzte Etappe nach Augsburg umfasst 97km Fahrt über kleine Ortschaften, die nach 41 Minuten Ladezeit angegangen werden kann. Auf dieser Strecke sind zwei Ortschaften baustellenbedingt nicht anfahrbar, sodass sich kleinere Umwege in den Routenverlauf schleichen, aber diesmal keine Probleme machen. Die Reichweite ermöglicht eine zügige Fahrweise, sodass die Augsburger Ladesäule um 15:53 Uhr den Strom fließen lässt.

Nach den insgesamt 1344km und einer reinen Fahrzeit von 16 Stunden und zehn Minuten lässt sich abschließend sagen, dass ein schneller Besuch in Berlin durchaus möglich ist. Vorausgesetzt, man wohnt in der Münchner Umgebung und bringt einige Zeit mit. Der Abstand zwischen den Ladesäulen ist gut gewählt und erfordert keine übermäßig langen Zwischenladezeiten. Zu kritisieren ist jedoch der Abstand zwischen der Ladestation in Dessau-Roßlau und der nächsten Station in Berlin. Jedoch gehören die Berliner Ladestationen nicht mehr zum „QC45“-Netzwerk der A9, das im Zuge des „Schaufensters Elektromobilität“ vom Staat mitfinanziert wurde.
Alle, bis auf eine der Ladestationen, waren an Orten gebaut, die die Ladezeit erträglich machen und gastronomische Einrichtungen schnell zu Fuß erreichbar waren. Allerdings sollte man die zu ladende Reichweite nicht zu knapp bemessen, um gegen unschöne Überraschungen, wie gesperrte Ausfahrten oder Umwege, gewappnet zu sein. Aufgrund der unmarkierten Parkplätze vor den Ladesystemen können die Ladeplätze von unwissenden Falschparkern versperrt und der Ladestart verzögert oder sogar verhindert werden. Hier wäre eine entsprechende Markierung inklusive Hinweisschilder für den Elektronauten keine schlechte Ergänzung.
Für die gesamte Fahrt wurden von ChargeNow 16,01€ berechnet. Hierbei war die Ingolstädter Ladestation am Tag der Hinfahrt kostenlos, da ich innerhalb der FashionOutlet-Öffnungszeiten geladen habe. Zusätzlich entstanden in Berlin keine Ladekosten, da die Station in der Alboinstraße gratis Strom zur Verfügung stellte.
HINWEIS: Diese Testfahrt wurde bereits im August 2014 durchgeführt!

Lest auch Teil 1 und Teil 2 dieses Erfahrungsberichts!