Die halbe Strecke ist problemlos geschafft

In weiteren 41km Entfernung liegt die Hälfte der Strecke an der Ladestation in Selbitz hinter uns. Um dort hinzukommen, muss ich in Himmelkron nur 18 Minuten laden, um die nötige Reichweite im Akku zu haben.

Nach 20 Minuten Fahrt ist die kürzeste Etappe zwischen den Ladepunkten geschafft und ich erreiche das sehr idyllisch gelegene Selbitz, wo die Ladesäule auf dem Gelände einer Tankstelle mit Restaurant steht. Hier sind die zwei Ladeplätze wenigstens mit einer mehr oder weniger gut sichtbaren Bodenmarkierung als Parkplätze markiert, allerdings nicht explizit für Elektroautos ausgewiesen.
Nachdem der Ladevorgang gestartet wurde, kann man die Aussicht auf Felder und die Tankstelle genießen, von wo aus man von den Sprit-Kunden forschende Blicke zugeworfen bekommt und angesprochen wird. Die Neugierde widmet sich verstärkt der Reichweite und der Ladedauer des BMW. Somit kann ich mir hier die Ladeweile durch nette Gespräche vertreiben und nach nur 21 Minuten Ladezeit weiterfahren.

Mit Vollstrom (elektronisch abgeregelten 150 km/h) geht es nun in Richtung Hermsdorf, das in 73km Entfernung liegt. Mit einer Restreichweite von 21km erreiche ich den McDonald´s-Parkplatz, auf dem die Ladeeinrichtung steht. Direkt nebenan befinden sich eine Tankstelle und ein Autohof, sodass es auch hier nicht langweilig wird.
Nach drei Minuten steht die Reichweite schon bei 25km, sollte aber mindestens 71km betragen, dass ich den nächsten Ladepunkt in Schkeuditz erreichen kann. Dabei warte ich, ohne Berechnungen durchzuführen, schlicht und einfach, bis die Reichweite über 71km liegt. Hier wäre eine Restladezeit-Berechnung seitens des Autos hilfreich, die die noch nötige Ladezeit errechnet, die benötigt wird, um die bis zum nächsten Ziel erforderliche Reichweite zu laden. In diesem Fall sind es 30 Minuten, die mich von der erforderlichen Reichweite trennen.

Defekte Ladesäulen kurz vor dem Ziel

Um 17:00 Uhr erreiche ich die ebenfalls auf einem McDonald´s-Parkplatz stehende Ladesäule in Schkeuditz, an der ich 29 Minuten Zeit zum Nachladen verbringen darf, um die nächsten 50km Strecke nach Dessau-Roßlau bewältigen zu können.

Dort angekommen findet man die Ladesäule abseits der Autobahn in einem Gewerbegebiet, direkt auf dem Gelände einer BMW-Niederlassung. In der dortigen Umgebung stehen ein Baumarkt und ein Supermarkt zur Verfügung, an dem sich eine Imbissbude, sowie ein Toilettenwagen befinden.
25 Minuten später steht die benötigte Reichweite von 127km zur Verfügung, um nach Berlin zu kommen. Jedoch handelt es sich dabei um eine ziemlich knappe Angelegenheit, sodass ich sehr sparsam mit maximal 90 km/h unterwegs sein werde. Ebenfalls nutzte ich die ECO PRO-Routenführung des Navigationssystems, die mich über die effizienteste Route nach Berlin führen wird.
Notfalls stünde auf der Strecke eine RWE-Ladestation in Linthe zur Verfügung, deren Funktion laut Interneteinträgen umstritten ist. Da es sich hierbei um einen unerheblichen Umweg handelt, will ich die Säule testen. Dort angekommen sind drei von vier Parkplätzen um die Säule herum von Verbrennern belegt und das Parken auf dem letzten verfügbaren Platz aufgrund talentierter Einpark-Künstler eine Herausforderung. Bisher sieht aber noch alles gut aus: Ein CCS-Stecker ist vorhanden und der Bildschirm schlägt das Starten des Ladevorgangs vor. Allerdings kann der Ladevorgang nicht gestartet werden. Nach dem Einstecken und dem Betätigen der Start-Taste suggeriert das System die Vorbereitung der Ladung, bricht aber sofort wieder ab. Drei Versuche später gebe ich auf und setze den Weg in die Landeshauptstadt fort.
Ein beeindruckendes Gefühl überkommt mich beim Anblick des großen Autobahnschildes, auf dem „Berlin-Zentrum“ geschrieben steht. Am Morgen noch in der Nähe von Augsburg und nun kurz vor Berlin. Und das in einem Elektroauto, das eigentlich für die Stadt konzipiert wurde. Faszinierend!

Auf der Höhe von Potsdam verlasse ich die A9, um über die Berliner Vororte zu fahren, wodurch ich den direktesten Weg zum Ziel fahren kann. Um 20:41 erreiche ich mit einer Restreichweite von 14km die Gleichstrom-Ladestation in der Berliner Alboinstraße. Wie gewohnt befindet sich dieser Ladepunkt auch auf dem Parkplatz eines McDonald´s. Der Ladevorgang kann an dieser Säule kostenlos gestartet werden, da keine Authentifizierung notwendig ist. Zusätzlich stehen an diesem Standort zwei Typ2-Ladeplätze mit jeweils 22kW und eine CHAdeMO-Lademöglichkeit zur Verfügung.

Lade-Labyrinth Berlin

Eine halbe Stunde später ist wieder genug Strom im Akku, um den Weg in´s Berliner Stadtzentrum antreten zu können, um dort zu Abend zu essen.
Nach dem Besuch von Reichstag, Brandenburger Tor und dem Hauptbahnhof suche ich über das iDrive-Navigationssystem einige Ladesäulen, die sich in der Nähe von Restaurants befinden und mit der ChargeNow-Karte aktiviert werden können. Das klingt leichter, als es ist: Die erste Ladesäule existiert überhaupt nicht, die zweite ist beidseitig  von Verbrennern zugeparkt und die dritte Möglichkeit ist von zwei Carsharing- Elektroautos bereits in Benutzung.

Hierbei darf Berlin ein Lob ausgesprochen werden, denn alle Parkplätze vor den Ladesäulen sind als Halteverbote für Nicht-Elektroautos ausgewiesen. Das wird aber meistens ignoriert…
Die vierte Ladestelle soll in einem Parkhaus am Alexanderplatz stehen. Allerdings lässt sich diese trotz Hinweis-Aufkleber und Vermerk im Navigationssystem nicht mit der ChargeNow-Karte freischalten. Leider ist um diese Uhrzeit kein Ansprechpartner mehr im Parkhaus aufzufinden, sodass 2,50€ für 7 Minuten unnötige Standzeit bezahlt werden müssen. Positiv aufgefallen ist allerdings das sehr saubere Parkhaus, dessen gut ausgewiesene Ladesäule sich in unmittelbarer Nähe zur Einfahrt befindet und mit einem Pylon gegen Falschparker gesichert ist. Was aber nichts nutzt, wenn der Ladevorgang erst gar nicht gestartet werden kann.

Ungeladen und immer noch hungrig trete ich nun die Rückfahrt zur schon bekannten Ladestelle in der Alboinstraße an, um für die Heimfahrt aufzuladen.
Da klappt das Laden an der Autobahn (Teil 1 des Erfahrungsberichts) viel besser…

Umwege können gefährlich werden

Die Rückfahrt nach Augsburg kann ich während dem Essen am Notebook erstellen und direkt ins Auto schicken. Um 23:35 Uhr steht die Ladung bei 100%, die mir 175km Reichweite verspricht. Nach dem Starten der Zielführung wird die Reichweite aufgrund der Streckengegebenheiten neu berechnet und liegt nun bei 125km. Die Strecke bis zum Ziel beträgt allerdings 127km (ECO PRO-Route). Spannende Angelegenheit, aber es sollte machbar sein. Mit maximal 90km/h verlasse ich die Hauptstadt und befahre die A9. Die Reichweite steigt nach einer halben Stunde Fahrt wieder an, sodass ich die Geschwindigkeit erhöhe. Etwa 50km vor Dessau-Roßlau geht die Reichweite einher mit der restlichen Strecke. Es würde eine Punktlandung werden. Noch 15km Strecke und eine Baustelle taucht auf, in der ich die Geschwindigkeit verringern muss und somit wieder Strom spare. Allerdings steigt die Reichweite nicht an und bleibt weiterhin synchron mit der Reststrecke. Von der Autobahn-Abfahrt aus würden es noch 11km bis zum Ziel sein.

Noch 1,2km bis zur Ausfahrt. 800 Meter. 400 Meter. 200 Meter. Und nun müsste sie doch kommen!? Wo ist die Ausfahrt? Das Navigationssystem berechnet die Route neu. Die Ausfahrt ist wegen der Baustelle gesperrt worden, was aber durch Schilder nicht eindeutig erkennbar ist. Navigationssystem-Berechnung abgeschlossen: 13km bis zum Ziel über die nächste Ausfahrt.

Nur noch 9km Restreichweite

Mental stelle ich mich schon auf den aus niedriger Batterieladung resultierenden Stromspar-Zwang ein und deaktiviere alle unwichtigen Verbraucher, wie Heizung, Sitzheizung und Radio. Drei Kilometer bis zur nächsten Ausfahrt. Dort will ich noch hinkommen, um nicht auf der Autobahn zu stranden. Mit einer Geschwindigkeit von 30 km/h und aktiviertem Warnblinker schleiche ich also auf der Standspur gen Ausfahrt.

BMW i3 Ladeanzeige

Parallel wähle ich die BMW-Pannenhilfe über das iDrive aus und werde mit einem Servicemitarbeiter verbunden, der mir das Rufen eines Abschleppwagens rät, da das BMW-Servicemobil nur von 7 bis 22 Uhr unterwegs ist. Nachts um 1:30 Uhr also nicht mehr. Da mich der Abschleppdienst knapp 300€ kosten würde, entscheide ich mich für die Fahrt bis zum bitteren Ende, da das Auto wohl bei 0km Restreichweite noch ein wenig weiter fahren würde. Mal sehen, wie weit.

Die Ausfahrt habe ich nun hinter mir und bis zum Ziel sind es noch 6,9km. Der i3 zeigt nun nur noch Striche an, wo vorher die Restreichweite stand. Nachts mit 30km/h auf der Landstraße. 200 Meter später werde ich langsamer und komme zum Stehen. Vielleicht kann ich ja nach einem Neustart noch etwas Strecke gut machen?

Leider nein. Das Auto bewegt sich keinen Meter mehr… Montag kommt hier die Rettung!

Die Fortsetzung lest ihr HIER

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