Vor dem Start des ersten reinen Elektrofahrzeugs Taycan will Porsche seinen Plan für die elektrische Ladeinfrastruktur erklären.  In einem Interview des Unternehmens erklären zwei Porsche-Führungskräfte den Ansatz des Autoherstellers beim Laden von Elektroautos: nahtlos und schnell.

Laden bei Porsche – High Power Charging

Otmar Bitsche, Leiter Entwicklung Elektrik, Elektronik, Elektromobilität bei Porsche, und Michael Kiefer, Leiter Hochvolt-Systeme bei Porsche Engineering, beschreiben, wie sie sich dem Thema Laden sowohl technologisch als auch servicetechnisch nähern.

Aus technologischer Sicht stellen sie das erste System vor, das mit 800 Volt arbeitet und eine Laderate von bis zu 350 kW ermöglicht. Die Schnellladesäulen (High Power Charging – HPC)

Das sind die Leistungsdaten der HPC’s. Sie sollen ein Elektrofahrzeug in nur 15 Minuten auf 80% der Kapazität des Akkus laden. Damit erreichen diese Ladestationen die derzeit höchste Leistung. Die HPC’s sind ab Herbst für alle Elektrofahrzeuge nutzbar, die über einen CCS-Stecker verfügen. Mit diesem Anschluss können auch niedrigere Ladeleistungen bedient werden.

Leistungsbereich

„Unser Leistungsbereich beginnt heute etwa bei 150 Kilowatt und reicht bis 350 Kilowatt. In einer späteren Ausbaustufe könnte es vielleicht auch mehr sein. Wir glauben, dass sich alles, was in der Zukunft installiert wird, in diesem Leistungsbereich abspielen wird. Denn im öffentlichen Raum möchte man keine Dauerparker an den Ladestationen haben, nur, weil das Laden so viel Zeit in Anspruch nimmt. Niedrige Ladeleistung ist eigentlich nur fürs Heimladen akzeptabel. “ Kiefer (Porsche Newsroom)

Schadet Schnellladen der Batterie?

„Nicht, wenn man es richtigmacht. Man kann eine Batterie allerdings nicht bis 100 Prozent schnellladen. Mit steigendem Ladezustand muss die Leistung zurückgenommen werden. In Summe können wir in bis zu 20 Minuten für 400 Kilometer nachladen, ohne dass die Batterie leidet. Dabei ist das Ladeerlebnis für den Fahrer sehr angenehm, denn das Fahrzeug steuert das Laden vollkommen automatisch.“ Bitsche (Porsche Newsroom)

Induktives Laden

„Wir planen induktives Laden später auch beim Mission E anzubieten. Allerdings ist damit kein Schnellladen möglich. Dafür lässt sich mit dieser Technik ein Fahrzeug in der eigenen Garage über Nacht ganz unkompliziert laden.“ Bitsche (Porsche Newsroom)

Ladepark und ChargeBox

Technisch setzt Porsche zudem zwei unterschiedliche Systeme ein, um das Schnellladen für unterschiedliche Ladestationen zu ermöglichen.

„Wir haben zwei Varianten: den Ladepark und die ChargeBox. Der Park ist für Standorte mit größeren Flächen ausgelegt, an denen ein sehr hoher Durchsatz an Ladevorgängen zu erwarten ist – 24 Stunden, sieben Tage die Woche. Mit einer kleinen Kompaktstation ist aber auch ein Ladepark in der Stadt möglich, etwa in einem Wohngebiet. Für alle Orte mit extremen Flächenproblemen gibt es unsere zweite Variante, die ChargeBox mit einer integrierten Batterie. Sie kann an das normale Niedrigspannungsnetz angeschlossen werden und ermöglicht trotz ihrer kompakten Abmessungen ebenfalls das Schnellladen.“ Kiefer (Porsche Newsroom)

Reichweite des Taycan und Ladeinfrastruktur

Die Ladeinfrastruktur geht bei Porsche in Hand mit der Reichweite des Taycan.

„Reichweite ist eines der wichtigsten Kriterien für Käufer von Elektrofahrzeugen“ Otmar Bitsche, Leiter der E-Mobility bei Porsche. Der Taycan soll mit einer Ladung über 500 Kilometer weit kommen. Dafür will man die neueste Lithium-Ionen-Batterietechnologie mit einer Energiedichte von etwa 270 Wattstunden pro Kilogramm (Wh / kg) nutzen. (electrek)

„Es war eine große Herausforderung, eine derart enorme Batteriekapazität sowohl für das Laden als auch für das Entladen über den gesamten Temperaturbereich zu erreichen“ Nora Lobenstein, Leiterin Energiespeicher von Porsche. Dafür muss man „ein intelligentes Ladeprotokoll und ein effizientes Wärmetauschersystem sind, das die Batterien schnell auf Betriebstemperatur bringt und sie zuverlässig unter schweren Lasten kühlt.“ (electrek)

Antriebseinheit

Der Automobilhersteller verwendet im Taycan zwei Synchronmotoren (PSM). PSM steht für „permanenterregte Synchronmaschine“ – eine Elektromaschine mit extrem hoher Leistungsdichte, hohem Wirkungsgrad sowie hoher Leistungskonstanz über den ganzen Drehzahlbereich und auf Dauer. Porsche hat bereits Erfahrung mit dieser Antriebseinheit, da es sich um die gleichen Motoren handelt, die im Le Mans-Sieger 919 Hybrid zum Einsatz kommen.(Porsche)

„Permanenterregte Synchronmotoren sind unsere Wahl. Das hat im Wesentlichen drei Gründe. Erstens: überzeugende Leistungsdichte, also geringes Gewicht bei hoher Leistung, weil die Erregung schon durch die Permanentmagnete mitgebracht wird. Zweitens: sehr hohes Drehmoment. Drittens: Hohe Dauerleistungen sind möglich.“ Bitsche (Porsche Newsroom)

Fazit

Ich bin gespannt, wie weit Porsche mit ihrem Ladekonzept kommt, bevor der Taycan auf den Markt kommt und Ladestellen benötigt. Wünschenswert wäre eine Ausbreitung des Netzwerks wie bei Tesla in den USA. Dort haben 99% der US Bevölkerung einen Charger in einem Umkreis von 150 Meilen.

 

 

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