Tesla hat ein sehr bewegtes Jahr hinter sich. Die Aktien schossen durch die Decke und brachten Anlegern Millionen Gewinne, sogar die großen Autobauer der USA wurden im Kapitalvolumen überholt. Der Scheidepunkt war und ist das Model 3. Nach einigen Startschwierigkeiten soll das Jahr 2018 Tesla Massenmarktfähig machen.

Ein Rückblick mit Aussicht von Marvin Eichsteller

Bei Tesla hat es mittlerweile eine gewisse Tradition, dass Analysten den Untergang des eMobilitäts-Herstellers voraussagen. Momentan bei rund 280€  stehend, ist Tesla wieder weiter vom Jahreshoch von 343€ entfernt. Gestartet war die Aktie am 2 Januar 2017 mit 205€. Trotz der Probleme beim Model 3 steht also eine positive Jahres-Bilanz 2017 beim Aktienverhalten der Kalifornier.

Hätte man das vorher gewusst. Aber so ist es immer am Markt. Stand Anfang April ist die Aktie bei  278 Dollar. Das Model 3 sorgte damals bei den Aktionären für einen regelrechten Hype. Grund dafür waren Hunderttausende Vorbestellungen auf das Model 3. Ein gutes Beispiel für den Erfolg an der Börse war das chinesische Unternehmen Tencent, das Anfang März für rund 1,8 Milliarden Dollar Aktien erwarb (5%) und  nach knapp einem Monat eine halbe Milliarde Gewinn nachweisen konnten.

Das Unternehmen ist heute mit 56 Milliarden Dollar, fast genauso so viel wert wie General Motors. Der andere große Autobauer der USA, Ford wurde bereits überholt und trotzdem haben einige Analysten ihre Probleme mit dem Innovator und seinem CEO Elon Musk.

Die Ziele und ihre Umsetzbarkeit

Was bringt das Jahr 2018 für die Innevestoren? Porsche Betriebsratschef Uwe Hück kennt „keinen anständigen Kaufmann, der ein Unternehmen wie Tesla aufbauen würde“. Das Finanzierungsmodell sei „auf Schulden aufgebaut“ und damit „unmoralisch, weil es auf Pump aufgebaut wurde“. Business Insider.

Probleme gibt es in der Tat. Die Produktion des Modells 3 verlief nicht wie geplant. Man wollte schnell die Massenmarktfähigkeit beweisen und peilte bereits im Dezember die Produktion von 5000 Fahrzeugen pro Woche ein. Dieses Ziel wurde dann jedoch nach den ersten Schwierigkeiten auf das Ende des ersten Quartals 2018 geschoben. Nun berichten taiwanesische Medien, dass die Zulieferer aufgefordert wurden, wieder mehr Fahrzeugteile zu liefern. Die reduzierte Menge sah 3000 Fahrzeugteile vor, angefordert wurden nun wieder 5000. Ein positives Signal am Jahresende.

Der Investor James Chanos sagte, dass Tesla alle möglichen Ankündigungen nicht eingehalten habe. Er glaube, Tesla sei wertlos.  Besonders da angekündigte Mobile wie der Semi Truck und der Roadster keine vorhandene Produktionslinie hätten und man Jahre bräuchte, sie zu erreichen und genehmigen zu lassen. (CNBC)

Musk & die Finanzen

750 Millionen Dollar Verlust im letzten Jahr bei einem Umsatz von 7 Milliarden Dollar.  So stand Tesla 2016 auf dem Markt. Im zweiten Quartal 2017 verdoppelte man den Umsatz und konnte ein Plus zum Vorjahr um 120 Prozent und einen Erlös von 2,79 Milliarden Dollar erreichen. Doch betrug auch hier der Verlust  bereits 336,4 Millionen Dollar. Im Vorjahr waren es noch 293,2 Millionen Dollar. Die Barbestände wurden von vier Milliarden Dollar zum Ende des Vorquartals auf 3 Milliarden am 30. Juni reduziert. Anfang November hatte Tesla den  Investoren eine erschreckende Meldung präsentiert; im jüngsten Quartal hatte man 1,3 Milliarden Dollar  ausgegeben und einen Quartalsverlust von 619 Millionen Dollar bilanzieren müssen. Ein Quartal entsprach demnach fast den Verlust des ganzen vorangegangen Jahres. Trotzdem war Musk stolz, denn man hatte auch 250.000 Autos veräußern können.

Das alles entscheidende Model 3

Produktionsengpässe

„Produktionsengpässe“ – ein Wort welches Tesla in letzter Zeit des Öfteren meldete. Die Fertigung des dritten Stromers sollte eigentlich bereits zum Ende September 1500 Modelle betragen, jedoch wurden nur 260 Stück produziert. Das Wochenziel von 5.000 Exemplaren kann nach den neusten Nachrichten erst Ende März 2018 erreicht werden.

Klein oder Großserie

Es macht einen großen Unterschied, ob man Klein- oder Großserie produziert. Das steht fest. Man gerät in eine ganz andere Abhängigkeit der Zulieferer, wie man bei den Display Problemen des Model 3 mitbekam: „Es gab eine Verzögerung bei der Lieferung der Mittelkonsole“, so JL Warren Capital.

Zeitprobleme?

Tesla ist der Early Bird der Elektromobilitätsbranche. Das ist ein Fakt. Die deutsche Automobilindustrie mit ihrer Marktmacht plant die ersten elektrischen massenmarktfähigen Modelle gegen 2020. Das sind noch knapp 2 Jahre. Wenn Tesla bis dahin die 400.000 vorbestellten Model 3  ausliefert, sind sie die Macht auf der Straße. Denn dann wird erst der Verkauf der deutschen Modelle anlaufen und Tesla könnte sich bereits etabliert haben.

Die Höllen von Tesla

Anlaufprobleme bei einer neuen Firma und einem neuen Model sind nicht unüblich. Tesla Chef Elon Musk erwähnte bereits die Produktionshölle die es zu überwinden gilt.  Tesla hat dabei schon einige andere Höllen überwunden.

  • Am Anfang des Model S stand der Fokus der Medien auf potenzielle Brände – man besserte aus.
  • Ein Fahrer starb bei der Nutzung des Autopiloten -man klärte die Situation auf.
  • Die Investitionskosten wurden immer höher – man brachte neue Aktien auf den Markt und verkaufte erfolgreich.
  • Die Produktionshölle des Model 3 steht im Fokus – man wird die Situation lösen!

Als Zwischenfazit gilt;  hätte man in der Unternehmensgeschichte die Probleme nicht angepackt und gelöst, würde es die Firma nicht mehr geben.

Fest etabliert?

Ich sehe mittlerweile immer mehr Tesla Model S und Model X auf den deutschen Straßen. Die Marke etabliert sich langsam. In Städten mit ökologischem Fokus wie Los Angeles wimmelt es nur so von Teslas. Die Frage die ich mir stelle ist, wann ist Tesla mit dem Model 3 auf dem Markt etabliert?

Tests des Model 3

Das Mess-Institut „Emissions Analytics“ hat die Verbrauchswerte und die Reichweite des neuen Model 3 ermittelt. Laut der Auto Motor & Sport kommt der Wagen 326 Kilometer weit. Das Institut fuhr 161 Kilometern im Stadtverkehr und auf der Autobahn und verbrauchte 20 kWh auf 100 Kilometern. Zum Vergleich das Model X verbraucht  26,9 kWh auf 100 Kilometern.  Der Akku war nach der Fahrt noch zu 50,6 Prozent gefüllt, rechnet man dieses Ergebnis hoch entspricht das einer Reichweite von 326 Kilometern. Die Testergebnisse lassen einen Akku mit 65 kWh vermuten.

Qualitätsprobleme

Die „Detroit News“  berichtet über Qualitätsprobleme beim Model 3. Bernstein-Analyst Toni Sacconaghi sagte, dass sich bei der  „Verarbeitung und Finish (…)  erhebliche Mängel“ zeigten. „Wir machen uns Sorgen, dass die insgesamt schlechte Qualität zu Produktionsbeginn die Marke Tesla schwächen und möglicherweise das Händlernetz überlasten könnte“.  Bemerkbar machen sich die Probleme an ungleichen Spaltmaßen, unsauberen Nähten im Dachhimmel und nicht richtig eingefassten Gummidichtungen.

Fazit

Entscheidend in der Betrachtung der zukünftigen Entwicklung des Unternehmenswertes von Tesla wird die Fähigkeit des Fahrzeugbauers sein, die Erwartungen zu erfüllen. Die Amerikaner nennen das ‚to deliver‘ – wenn das vor allem beim Massenschlager Tesla Model 3 gelingt, dann ist die hohe Bewertung der Tesla Aktie nicht nur gerechtfertigt, sondern wird noch weiter steigen. Momentan werden die Erwartungen nicht erfüllt und gedämpft, trotzdem kann der Autobauer eine positive Bilanz im Jahr 2018 ziehen. Der Aktienwert hat sich deutlich verbessert und die Produktion des alles entscheidenden Models zieht an.

Die bisher ausgelieferten Modelle S und X weisen eine gute bis sehr gute Qualität auf und Tesla wird es schaffen die Qualität auch in den Massenmarkt zu bringen, davon bin ich überzeugt. Tesla hat in der Vergangenheit stets aus den Fehlern gelernt und eine steile Lernkurve aufgewiesen. Mit Hilfe gezielter Zukäufe hat man sein Kompetenzprofil stetig erweitert und man vertraut auf sein eigenes Ladekonzept, ein wichtiger Punkt in der heutigen Elektromobilität.

In der Vergangenheit hat man gesehen, dass die Investoren und Kunden sehr leidensfähig sind. Der Hype beflügelt Tesla und erscheint ähnlich wie bei den Apple Jüngern. Man nimmt Wartezeiten klanglos in Kauf und will einfach den „ökologischen und technologischen“ Lifestyle haben. Und man hat wenig andere Optionen! Denn auch wenn Tesla sein Ziel 2020 nicht erreicht und nur 250.000 statt 500.000 Automobile herstellt, ist man den deutschen Herstellern noch deutlich voraus.

Ein spannendes Tesla-Jahr 2018 erwartet uns!

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