In einem ersten Beitrag haben wir gestern über die stastische Reichweitenanzeige in Elektroautos berichtet. In diesem zweiten Teil unserer kleinen Serie wollen wir zwei weitere erfolgreiche Fahrzeughersteller zeigen, die mit dynamischer Reichweitenanzeige arbeiten.

Der Renault ZOE

Von einer dynamischen Reichweitenanzeige spricht man zum Beispiel bei Renault. Dieses Elektroauto kann mittlerweile mit einer NEFZ-Reichweite von bis zu 400 km bestellt werden. Dynamisch ist die Reichweitenanzeige deshalb, weil sie auf wechselnde Bedingungen mit einer Reichweitenprognose reagiert. Sie berechnet die Reichweite der ZOE aufgrund des Durchschnittsverbrauchs der letzten 200 km, der Leistung der Klimaautomatik, der Außentemperatur und ob der ECO-Modus aktiviert ist. Das Auto überprüft während der Fahrt stetig, welche Bedingungen sich verändern und aktualisiert demnach die zu erwartende Restreichweite.

Plötzliche Reichweitenveränderung

Beschleunigt man kurz aber beherzt, kann die Reichweite schlagartig um sieben Kilometer fallen, obwohl man nur 200 Meter fuhr. Aktiviert man kurz danach den ECO-Modus und reduziert die Heizleistung der Klimaautomatik, steigt sie mit einem Mal um 12 km an.
Somit kann es sein, dass das Auto die Verbrauchs-Daten der letzten Fahrt berücksichtigt und somit nur 90 km Reichweite bei vollem Akku anzeigt. Geht man die aktuelle Fahrt nun ruhiger an, so kann es durchaus passieren, dass man nach 20 km Fahrt das Auto mit einer angezeigten Restreichweite von 150 km abstellt.
Dynamische Reichweitenanzeigen sind für Elektromobilitäts-Neulinge anfangs sehr gewöhnungsbedürftig und verunsichern den Fahrer schnell.

Reichweitenanzeige der Renault ZOE

Der BMW i3

Eine ebenfalls dynamische Reichweitenanzeige besitzt der BMW i3. Das bayrische Elektroauto ist aktuell mit einer rein-elektrischen Reichweite (NEFZ) von 300 km lieferbar. Seine Restreichweite berechnet das Auto auch abhängig vom vorangegangenen Verbrauch, der Außentemperatur, der geforderten Heiz-, bzw. Kühlleistung für den Innenraum und auch des gewählten Fahrmodus. Zusätzlich besitzt der i3 noch eine weitere Intelligenz, die die Fahrweisen der vergangenen Wochen mit in die Berechnung einfließen lässt. Hatte man letzten Mittwoch also einen ausgeprägten Gasfuß, so kann die angezeigte Reichweite diesen Mittwoch niedriger ausfallen als an den anderen Wochentagen. Ein weiterer Reichweiten-Faktor ist das Navigationssystem.

Navigationssystem beeinflusst Reichweitenanzeige

Wird eine Zielführung gestartet, beeinflusst das Navigationssystem die Reichweitenanzeige mit. Hierbei werden die topographischen Gegebenheiten, die geltenden Tempolimits und die Autobahn-, Landstrassen-, bzw. Stadtanteile auf der Strecke zur Reichweitenberechnung hinzugezogen. Das kann manchmal zu einem kleinen Schreck führen, wenn nach gestarteter Zielführung die Reichweite plötzlich um 30 km sinkt. (Siehe auch im BMW i3-Langstreckenbericht)
Übrigens wird ein Teil der Reichweitenberechnung in einem BMW-Rechenzentrum vorgenommen, an das der i3 seine Parameter und Navigationsziele sendet und von dem er die zu erwartende Reichweite zurückgesendet bekommt.

Reichweitenanzeige des BMW i3

Fazit Reichweitenanzeigen

Die Hersteller setzten bei ihren Reichweitenanzeigen auf sehr unterschiedliche Berechnungssysteme, die auf der einen Seite eine bessere Einschätzung des Aktionsradius ermöglichen sollen, auf der anderen Seite aber aufgrund zu schneller und zu großer Wertänderungen für Verwirrung oder sogar zu Reichweitenangst führen.
Statische Reichweitenanzeigen bieten hier den Vorteil, dass sie dem Fahrer eine besser einzuschätzende Reichweitenbeziehung zu ihrem Fahrzeug bieten, haben aber den Nachteil, dass sie Reichweitenkiller wie den schweren Gasfuß, die stark heizende Klimaautomatik oder die starke Steigung auf der Strecke nicht im Voraus anzeigen. Hier muss dann auf die eigene Erfahrung mit dem jeweiligen Elektroauto gesetzt werden.

zu: Wie berechnet ein Elektroauto seine Reichweite? Teil 1

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