eRadschnellweg in Göttingen. Quelle: dpa

Elektrofahrräder werden bei Menschen jeden Alters zunehmend beliebter. Pendler schätzen die Vorteile, nicht verschwitzt bei der Arbeit anzukommen, nicht im Stau zu stehen und sich nicht nach den Fahrtzeiten des ÖPNV richten zu müssen. Zumindest in vielen Städten ist dieser Trend immer häufiger zu beobachten. Doch auf dem Land sind die Entfernungen größer, die Radwege oftmals schlecht ausgebaut und auch Feldwege neben Landstraßen sind nicht überall vorhanden. Wer nicht unbedingt ökologisch ans Ziel kommen möchte, steigt hier nicht jeden Tag auf’s Rad, auch nicht auf’s Elektrofahrrad. Radschnellwege schaffen Abhilfe.

Elektrofahrräder animieren zum Umstieg

Wer ein Elektrofahrrad besitzt, nutzt dieses laut einer norwegischen Studie deutlich häufiger und für deutlich längere Strecken. Die Anzahl der durchschnittlichen Fahrten pro Tag stieg bei den Probanden der Studie von 0,9 auf 1,4. Die gefahrene Distanz pro Strecke verdoppelte sich sogar im Schnitt auf 10,3 km. Der Anteil des Fahrrades an den genutzten Verkehrsmitteln stieg entsprechend von 28 auf 48 Prozent. Viele Autofahrer in Deutschland sehen in E-Bikes schon seit mehreren Jahren eine Alternative zum Auto für das tägliche Pendeln.

Radschnellwege als Infrastruktur

Um ein Elektrofahrrad im ländlichen und suburbanen Raum zu nutzen bedarf es einer guten Infrastruktur für das schnelle und effektive Radeln von A nach B. Radschnellwege können Ortschaften untereinander und Vororte mit Ballungsgebieten parallel zu Landstraßen miteinander verbinden. Innerhalb einiger Städte sind sie bereits realisiert und zahllose Radfahrer nutzen sie täglich. Diese Fakten hat auch die Bundesregierung erkannt und für dieses Jahr 25 Millionen Euro für Radschnellwege genehmigt, nachdem im Vorfeld Interesse an 80 Projekten bekundet wurde. Doch diese Finanzspritze ist nicht annähernd genug. Der ADFC kritisiert, dass ein Kilometer Radschnellweg zwischen 0,5 und zwei Millionen Euro kostet. Mit den Fördergeldern ist demnach der Bau von 12 bis 50 Kilometern dieser Fahrrad-Autobahnen möglich.

Was macht einen guten Radschnellweg aus?

Radschnellwege sind drei bis vier Meter breite, gut ausgebaute, asphaltierte Wege, welche sich über mehrere Kilometer erstrecken. Zur Minimierung von Störungen und Gefahrensituationen befinden Sie sich abseits des restlichen Straßenverkehrs. Sie sind in beiden Richtungen befahrbar, beleuchtet, werden im Winter geräumt und regelmäßig gereinigt. Eine grüne Welle für Radfahrer sorgt für flottes Fahren, wobei möglichst wenig Ampeln geplant werden sollten. Sie ermöglichen demnach eine schnelle Fahrt ohne ständig auf Hindernisse achten zu müssen. Sie verbinden Zentren, wichtige Orte des täglichen Bedarfs, Knotenpunkte des ÖPNV, Restaurants und Hotels. Bei größeren Entfernungen zwischen einzelnen Orten oder interessanten Punkten, bieten sich Rast- und Abstellplätze, Luft-, Ladestationen und Überdachungen an.

Radschnellwege mit Ladeinfrastruktur für Elektrofahrräder

Die Bedeutung von Radschnellwegen für Elektrofahrräder wird von politischer Seite immer wieder hervorgehoben und in den Planungen erwähnt. Es sei wichtig, dass die schnellere Fortbewegung und höhere Reichweite unterstützt werde. Allerdings konnte ich nur einmal sehen, dass Ladestationen für E-Bikes und Pedelecs in die Planungen eines Radschnellweges einflossen. Dies war in NRW beim Projekt Regio.Velo (inzwischen umbenannt in RS2) der Fall. Bei diesem 60 km langen Radschnellweg, welcher 9 Orte verbindet, sollen Ladestationen mit einem wettergeschützten Rastplatz und Toiletten entstehen. Die Realisierung soll insbesondere mit Blick auf eine touristische Ausrichtung erfolgen, weshalb die Rastplätze an Schnittstellen mit anderen Tourismusrouten entstehen sollen.

Laute Gedanken…

In der Nähe stark frequentierter Bereiche von (Innen)Städten oder in Gebieten, welche ein Ausgangs- und Ankunftspunkt von Pendlern sind, können Abstellplätze für Fahrräder mit Ladestationen und Schließfächern, in der Reichweite von Radschnellwegen, die Attraktivität des Fahrens mit einem Elektrofahrrad steigern. Solarmodule vor Ort, Schließfächer mit einem Netzanschluß für die Akkus und eventuell ein Speicher – so könnte eine Ladestation (nach dem Vorbild der Stadt Offenburg) für Elektrofahrräder aussehen.

Eventuell sollte eine Heizung der Radwege bedacht werden. Diese kann mit Geothermie oder Strom aus regenerativen Quellen, gemäß skandinavischem Vorbild, betrieben werden. Der Radschnellweg muss dadurch nicht trocknen, er bliebe im Winter aber recht einfach schnee- und eisfrei. Das würde viele Tonnen Salz einsparen, welches ins Grundwasser und in die Böden gelangen würde.

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