Der Porsche Mission E war im September 2015 auf der IAA vorgestellt worden und vor genau einem Jahr in Genf am Abend des ersten Pressetages während der Car Design Night mit dem Preis „Best Concept Car Design“ ausgezeichnet worden – Zeit um nachzuhören, wie es um die Ankündigungen von vor 1 1/2 Jahren steht.

Spielraum im Design konsequent ausgespielt

Das 5:30 min Video von damals zeigt mit beeindruckenden Bildern die Akribie, mit der die Porsche Designer vorgingen, um den Raumgewinn zu nutzen, der durch den Wegfall von zentralen Komponenten von Verbrennungsfahrzeugen, allem voran dem Motorblock, entstanden ist. Im Exterieur Design gelang es, eine zukunftsweisende Symbiose zwischen Heritage der Mid-Century Fahrzeuge und den heutigen Porsche Modellen zu kreieren. Ivo van Hulten, Direktor Interior Design – Style Porsche, setzt hingegen im Innenraum auf neue Akzente. “Wir wollen eine völlig neue Art der Interaktion mit dem Fahrzeug erreichen, indem wir Gesten- und Blickkontakterkennung zur Steuerung einsetzen.” Die Instrumente werden teilweise sogar über Hologramme – intuitiv und mit maximaler Fahrerorientierung durch automatische Einstellung auf die Fahrerposition, bedient werden.

https://vimeo.com/156529896

Standort Stuttgart – hier spielt die Musik

Schaut man sich die 13 Finalisten der Intiative STARTUP AUTOBAHN an, in die Porsche im Februar 2017 auf dem Campus Stuttgart-Vaihingen eingestiegen ist, könnte man noch einige weitere interessante Features bis zum endgültigen Serienproduktion vorstellen (zum Bericht vom 11. Februar). Die Aufwertung des  Produktionsstandorts Stuttgart sowie des Technologiestandorts Baden-Württemberg ist Porsche ganz wichtig. “Die deutsche Automobilindustrie hat besonders in der Premium-Klasse die Deutungshoheit in der Welt. Andere Industrien haben sie verloren, einige gibt es nicht mehr. Diesen Vorsprung gilt es zu verteidigen, wenn möglich, sogar auszubauen, was nicht gerade leicht ist. Mission E bringt Bewegung ins Spiel. Das Konzept führt Elektromobilität in eine neue Dimension. Es ist ein Signal, eine Botschaft, die lautet: Seht her. Hier, in diesem Land, hier spielt die Musik. Punkt.”, hatte Porsche CEO Oliver Blume bereits vor einem Jahr angkündigt.

700 Millionen € Investitionen allein in Zuffenhausen

Im Dezember 2015 hatte der Aufsichtsrat der Porsche AG grünes Licht für das Projekt Mission E und eine Milliarde € Investitionen gegeben. Er kommt Ende dieses Jahrzehnts auf die Straßen. Das Konzept: Vier Türen und vier Einzelsitze, über 440 kW (600 PS) Systemleistung und über 500 Kilometer Reichweite. Allradantrieb und Allradlenkung, Beschleunigung in unter 3,5 Sekunden von null auf 100 km/h und eine Ladezeit von rund 15 Minuten für 80 Prozent der elektrischen Energie.

Porsche Mission E Supercharging in 15 Minuten

Das würde Supercharging in einer neuen Dimension bedeuten. Viele haben sich die Frage gestellt, ob es sich bei dieser Ankündigung einfach um einen flotten Marketing-Spruch handelte oder die Halbierung der Ladezeit auf 80 Prozent im Vergleich zu den heutigen Supercharger Stationen von Tesla tatsächlich schon heute einen realistischen Hintergrund hat?

Wir haben uns dazu einen TV-Bericht vom 21. September 2016 angeschaut, der unter dem kritischen Titel “Achillesferse Batterie” auf 3SAT ausgestrahlt worden war. Der Beitrag zeigt einerseits die Experten von Porsche, die das Thema im Verbund mit Volkswagen angehen. Im Entwicklungszentrum in Weissach setzt man dabei auf Hochspannung mit 800 V – damit wäre rein rechnerisch klar, dass die Ladezeit gegenüber den 400 V bei Tesla Superchargern halbiert werden kann. Die Schwaben gehen davon aus, dass bis zur Markteinführung des Mission E im Jahre 2020 dann die Infrastruktur steht; auch das erscheint bei derzeit 56 Supercharger Stationen von Tesla als Benchmark nicht unrealistisch.

http://nrodl.zdf.de.glcloud.net/none/3sat/16/09/160921_batterieforschung_nano/1/160921_batterieforschung_nano_1456k_p13v12.mp4

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Batterieforschung setzt auf neue Rezepturen

Im Beitrag kommen auch die Experten vom Batterieforschungszentrum der Universität Münster (Münster Electrochemical Energy Technology MEET) zu Wort. Prof. Dr. Martin Winter und seine 150 Forscher tüfteln an Rezepturen für die Zellchemie der Batterien, was einer der entscheidenden Erfolgsfaktoren ist – die richtige Mischung aus Elektrolyten soll dabei Leistungsfähigkeit und Haltbarkeit erhöhen.

Alles in allem: Es sieht also gut aus 18 Monate nach der Vorstellung des Porsche Mission E auf der IAA.

Links:

zum Bericht  über die Initiative Startup Autobahn vom 11. Februar 2017
zum Bericht über Stecker und physikalisches Basis-Knowhow vom 9. Januar 2017
zum Bericht über Tesla Supercharger vom 12. November 2016