Schon mal mit VR-Brille auf einer Art Hightech BobbyCar gelegen und versucht, nur mit Sensoren den Weg zu finden? Genau darum geht es im MoovelLab bei der Vertrauensübung „Who wants to be a self-driving car?“

Vertrauensübung des Mobility Startups Moovel: ‘Wer möchte ein selbstfahrendes Auto sein?’

Es wird viel diskutiert über autonomes Fahren. Wie ist es, wenn wir im Auto sitzen, aber nichts mehr machen müssen außer unseren eigenen Gedanken nachzuhängen? Sind wir Menschen wirklich schon soweit, dass wir das zulassen können? Denn technisch möglich ist es schon. Vielleicht haben viele Menschen einfach Angst davor, weil sie nicht wissen, wie so ein mit künstlicher Intelligenz gesteuertes Gefährt überhaupt agiert.

MoovelLab: Fahren mit VR-Brille wie ein autonomes Fahrzeug

Da hat MoovelLab angesetzt. Es geht nicht um den Mensch, der das autonome Auto nutzt, sondern um den Mensch, der ein autonomes Auto IST. Streng genommen natürlich nicht. Aber das Konzept ist tatsächlich so aufgebaut. Denn statt sich mit den Augen zu orientieren, sieht der Steuermann durch eine VR-Brille nur verarbeitete Echtzeit-Daten, die von den Sensoren übermittelt werden. Das schließt 3D-Mapping mit ein ebenso wie Objekterkennung.

So "schaut" ein autonomes Auto in die Welt
Quelle: MoovelLab

Der Mensch als Computer

Auf einer Art Buggy mit Stahl-Rahmen, elektrisch betrieben, lagen die Teilnehmer Kopf voraus und nur mit einem kleinen Lenkrad in der Hand. Schon allein das muss ein krasses Gefühl sein. Dann steuerten sie das Gefährt über die Teststrecke. Im Prinzip ersetzten die Fahrer damit die Computer, die sonst die Daten auswerten und dann reagieren. Nachdem sie die Übung absolviert haben, reichten die Reaktionen der Nutzer von Freude und Interesse bis hin zu Zweifel und Angst. 

Ziel der Übung: Mit Empathie ein Gefühl für autonome Fahrzeuge bekommen

Normalerweise werden Fragen, die dieses Thema betreffen, hinter verschlossenen Türen erforscht und beantwortet. MoovelLab will aber damit Menschen das autonome Auto näher bringen. Und im Gegenzug natürlich auch herausfinden, welche Gedanken diese Menschen zu der neuen Technik haben. Zum Beispiel Ideen, wie man es noch praxistauglicher oder realitätsnäher machen kann – und mit Sicherheit vorhandene Schwächen ausgleichen. Wie man es allen Menschen einfacher machen kann, einschätzen zu können, wie sich ein autonomes Auto im Straßenverkehr verhalten wird. Es geht also um Empathie – darum sich in eine Maschine hineinversetzen zu können. Das klingt vielleicht etwas befremdlich, weil Empathie eher auf der Gefühlsebene abläuft – bei Autos eher weniger zu finden. Außer das Auto heißt KITT. Aber hier geht es natürlich, wie bereits angemerkt, mehr um Verhaltensentscheidung.

Ich finde es auf jeden Fall ein cooles Projekt, das Respekt verdient. Das MoovelLab gehört zur Plattform moovel mit Sitz in Stuttgart und versucht, sich Mobilitätsfragen von einer anderen Perspektive zu nähern. Das ist mit diesem Projekt gelungen. Wer würde nicht einmal gerne wissen, wie ein autonomes Auto fährt, ganz einfach in dem man zum Auto WIRD? Damit kommt man auf jeden Fall raus aus der Black Box „autonomes Auto“. Die großen Konzerne halten ihre Konzepte unter Verschluss – verständlich im Wettbewerb. Allerdings ist das für das „Vertrauenfassen“ der Menschen, die nachher damit fahren sollen, nicht besonders förderlich. Ausgereift sind die Autos natürlich noch lange nicht, aber nur über Unfälle zu berichten, wird der Sache nicht gerecht. Da kommt so ein Projekt doch gut daher. Und Daimler hat sich damit einen schlauen Weg gesucht, solche Erkenntnisse zu erhalten.