Bird E-Scooter Sharing Services – weltweit auf dem Vormarsch

Bird E-Scooter Sharing Services - weltweit auf dem Vormarsch
Bird E-Scooter in Tel Aviv – Bildrechte Michael Brecht

40 Prozent der täglichen Fahrten mit dem Auto liegen unterhalb von vier Kilometern – diese „letzte Meile“ mit alternativen Fahrzeugen zu meistern und so Staus und Luftverschmutzung zu vermeiden, ist eine der großen Herausforderungen der Städte von heute und morgen. Die sogenannte lastmile ist somit die perfekte Bühne für Mobility Startups wie Bird, welches mit seinen Elektro-Scootern weltweit für Gesprächsstoff sorgt.

Die Geschichte der Gründung von Bird als Ride-Sharing Unternehmen

Bird Rides, Inc. wurde 2017 vom ehemaligen Uber-Manager Travis VanderZanden in Santa Monica, Californien, gegründet. Seit seiner Kindheit sei er vom Transportwesen begeistert gewesen, gibt der 40jährige zu Protokoll. Das mag auch an dem Job seiner Mutter gelegen haben, die ihren Lebensunterhalt als Busfahrerin in Appleton, Wisconsin verdiente. Travis hat seine Mutter auf den Fahrten oft begleitet und so schon in jungen Jahren das Problem der letzten Meile erkannt: der Weg von der Bushaltestelle nach Hause sei für die meisten Passagiere oftmals mühsam gewesen.

Vom Fahrrad zu elektrischen Scootern – die Erfahrung seiner Kinder half dem Bird Gründer auf die Sprünge

2016 verhalfen ihm seine beiden Töchter, damals 3 und 5 Jahre, zu dem Funken, der Bird entflammen sollte: Nach einem Tag mit funkelnagelneuen Fahrrädern und liebevollem Unterricht des Vaters, krabbelten die Mädchen am nächsten in sein Bett mit der Bitte: „Dad, können wir heute wieder Scooter fahren?“ Die alten Scooter waren attraktiver als die neuen schönen Fahrräder. Was, fragte sich VanderZanden, wenn ich einen Motor an die Scooter bauen würde, fänden das auch Erwachsene toll? Travis fing an in China verschiedene E-Scooter zu bestellen bis er das Modell Xiaomi M365 auspackte. „Wie von Steve Jobs designed“ fuhr es ihm durch den Kopf.

Die ersten Reaktionen auf die E-Scooter in der Heimatstadt San Diego

Die Reaktionen auf den Straßen von San Diego, wo VanderZanden damals mit seiner Familie lebte, auf die elektrischen Zweiräder waren genial: Köpfe drehten sich nach ihm um, Menschen wurden neugierig, wollten auch einmal fahren und fragten, wo man so ein Gefährt kaufen könnte… Der Vogel fing an zu fliegen.

Die Premiere mit E-Scootern in San Francisco im März 2018 missglückte

Die Premiere fand in San Francisco im März 2018 statt: 3.000 E-Scooter wurden von Bird, Lime und Spin auf die Straße gebracht, ein Ereignis, das als „Scootergeddon“ in die Stadtgeschichte einging. Die Stadtverwaltung wurde völlig überfahren, hatte keine Ahnung wie mit dem Fahrzeug im Straßenverkehr umzugehen sei, es gab keine Absprachen oder Regulative. Auch viele Bewohner waren erbost über achtlos liegen gelassene Scooter, die Wege versperrten und zu Stolpersteinen wurden.

Die gesamte Aktion war mehr Fluch als Segen und schon bald fanden sich Bird E-Scooter in Flüssen, auf Bäumen, in Abfalleimern, verkotet oder zerquetscht unter Lastwagenrädern wieder. Der „Tech-Punk“ ging nach hinten los. Die Fahrzeuge wurden verboten und als die Stadt San Francisco begann Genehmigungen für einen zweiten Versuch im E-Scooter Sharing an Unternehmen zu vergeben, so blieben Bird, Lime und Spin außen vor.

Wie geht Bird heute bei seiner globalen Expansion in den Städten vor?

Heute agiert Bird weitaus diplomatischer, setzt auf enge Kooperation mit den Stadtverwaltungen und schickt bei besonders hartnäckigen Fällen einen Kader von Juristen und Lobbyisten in den Ring. Diese werden von Bradley Tusk gecoacht. Tusk war unter anderem erfolgreicher Kampagnen Manager für den New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg.

Und die Diplomatie kommt an. Rund 40.000 kostenlose Helme hat Bird auf Anfrage bereits verschenkt. Hinzu kommen Sonderaktionen in Städten wie beispielsweise in Wien: dort stiftet Bird eine Spende von 1 Euro pro Scooter und Tag. Das Geld kann die Stadt in die Verbesserung der Micro-Mobilität auf ihren Straßen stecken.

Wo sind die Bird E-Scooter inzwischen auf der Welt zu haben?

Das Konzept zahlt sich aus: Bird agiert mittlerweile nicht nur in 75 Städten in Amerika, sondern hat auch Europa erreicht: In Antwerpen, Brüssel, London, Madrid, Zürich und zuletzt Wien rollen die Bird E-Scooter. Die Österreicher stellten die E-Scooter kurzerhand unter die gesetzlichen Regelungen der Fahrräder. Auch in Tel Aviv sind die Bird E-Scooter höchst erfolgreich bei Einheimischen und den vielen Touristen. Eine flache Infrastruktur und eine lang-gezogene Strandpromenade, ausgebaut mit guten Radwegen, ist hier von großem Vorteil. Bird ist für den weiteren globalen Ausbau vorbereitet: „Wir werden erst zufrieden sein, bis es mehr Birds als Autos gibt“, sagt Traves VanderZanden der New York Times.

Wie kann ich einen elektrischen Scooter von Bird mieten und wie funktioniert das genau?

Wir wollen hier noch einen Überblick geben, wie das E-Scooter Sharing bei Bird funktioniert.

Wie leiht man einen Bird E-Scooter?

Die Leihe eines Bird E-Scooter funktioniert nach einem ganz ähnlichen Prinzip, wie es schon bei anderen Sharing Diensten erprobt wurde: Via App. Die zeigt auf einer Karte an, wo der nächstgelegene Bird Scooter steht. Per Fingertipp wird der Scooter aufgeschlossen, aufsteigen, anschieben und den Gashebel aufdrehen – los geht’s.

Auf der App muss der Benutzer bestätigen, dass er mindestens 18 Jahre alt ist, bezahlt wird per Kreditkarte. Hier werden per email Meldung am Ende der Fahrt die genauen Kosten der abgelaufenen Fahrt angezeigt.

Wie schnell ist der Bird E-Scooter?

Mit dem  Bird E-Scooter kann man mit maximal 24km/h durch die Stadt flitzen, die Reichweite wird mit 20 Kilometern angegeben. In einigen Ländern müssen die Bird E-Scooter Modelle dann dementsprechend gedrosselt werden, denn zum Beispiel in Deutschland beträgt die Höchstgeschwindigkeit für einen Elektro-Scooter 20km/h.

Was kostet eine Fahrt mit einem Bird E-Scooter?

Zur Zeit wird in Europa ein Euro als Grundpreis berechnet und zusätzlich 15 Cent pro Minute.  In den USA ist es ein US Dollar als Basispreis und dann 15 US Cent. Im Schnitt sind Bird Benutzer rund 10 Minuten unterwegs.

Wo parkt man den elektrischen Scooter von Bird?

Generell existiert, wie bei anderen Sharing Services auch, ein Gebiet, innerhalb welchem die E-Scooter abgestellt und die Miete beendet werden können. In der App selbst wird darauf hingewiesen, dass die elektrischen Zweiräder nicht gerade mitten auf der Straße oder mitten auf dem Bürgersteig abgestellt werden sollen. Hier gilt es den gesunden Menschenverstand einzuschalten.

Eine spezielle Regelung hat man in Österreich gefunden: dort können die E-Scooter überall dort geparkt werden, wo auch Fahrräder abgestellt werden dürfen. Um einem eventuell drohenden Vandalismus vorzubeugen, werden die E-Scooter in der Nacht alle eingesammelt und dabei dann die Akkus aufgeladen.

Bird vertraut hier auch auf sogenannte „Charger“. Interessierte, die die Scooter abends einsammeln und zuhause aufladen, um sie am nächsten Tag an den vorgegeben Stellen,  den sogenannten „Nestern“,  wieder hinzustellen – bis zu 9 Euro pro E-Scooter kann man sich so dazu verdienen. Die eingebauten GPS Module helfen, abhanden gekommene E-Scooter zu orten.

Wie finanziert sich das Unternehmen Bird Rides Inc.?

Das Mobility Startup Bird hat in seiner kurzen Geschichte bereits einige große Kapitalrunden abgeschlossen. Das Unternehmen mit Sitz in Santa Monica hat in seinen ersten 12 Monaten mehr als 400 Millionen Dollar an Risikokapital Finanzierung von Investoren eingeworben. Darunter befinden sich Accel, CRV, Greycroft, Index Ventures, Upfront Ventures, Craft Ventures und Tusk Ventures.

Mitte des Jahres 2018 schloss Bird unter Führung von Sequoia eine weitere Finanzierung in Höhe von 300 Millionen US Dollar ab. Ende des Jahres ist dann eine Finanzierung der Serie C um weitere 300 Millionen US Dollar unter der Führung des Crossover-Investors Fidelity hinzugekommen.

Inzwischen mehren sich die Anzeichen, dass Bird sich in Form eines Börsenganges weiteres Geld für die globale Expansion sichern möchte. Bei einer Bewertung von mehreren Milliarden US Dollar ist das dann einer der größten IPOs in der Welt der Mobility Startups.