Als ich im vergangenen Januar meine Vorhersagen für das Jahr 2018 abgegeben habe, da erhielt ich viel Feedback auf unserem Blog und den diversen Social Media Plattformen. Genau aus diesem Grund soll sich mein Rückblick auf das Mobilitätsjahr 2018 tatsächlich entlang meiner Aussagen hangeln. Was ist von meinen sieben Vorhersagen tatsächlich eingetreten, wo habe ich falsch gelegen? Meine Vorhersagen befinden sich quasi auf dem Prüfstand.

Meine erste Vorhersage bezog sich auf: Geschäftsmodelle für mehr Mitfahrer pro Fahrzeug im Fokus.

Ein Volltreffer: wer die jüngsten Zahlen der Ride-hailing Unternehmen wie ViaVan, door2door oder MOIA sieht, der kann bestätigen, wie erfolgreich genau diese Anbieter für gemeinsame Fahrten sind. Mehr als 100.000 Fahrten in 100 Tagen – so lautet die bisherige Bilanz des BerlKönigs, einem gemeinsamen Angebot von Daimler Tochter ViaVan und der BVG in Berlin. Seit vorletztem Samstag ist der digitale Rufbus seit genau 100 Tagen im Einsatz.

Mobilitätsjahr 2018 - meine Vorhersagen auf dem Prüfstand
BVG und ViaVan betreiben den BerlKönig in Berlin

Die 100.000. Fahrt wurde Mitte Dezember absolviert. Seit dem Start des neuen Angebots am 7. September wurde die BerlKönig-App bereits 90.000 Mal heruntergeladen. Das sind großartige Zahlen für die Annahme eines modernen Transportsystems, welches derzeit in einigen Städten im Testmodus ist.

Meine zweite Vorhersage: das Jahr 2018 wird der Durchbruch der E-Mobility für Gewerbetreibende

Und wie dieser Durchbruch kam: Elektrobusse für den ÖPNV, Elektro-Trucks im Test bei Edeka, Hermes & Co und die verschiedensten elektrisch betriebenen Vans der klassischen Hersteller (Daimler eVito) aber auch der Neuen. Der StreetScooter ist eine der Erfolgsgeschichten aus NRW – jüngstes Beispiel: der Verkauf von 500 StreetScootern an UZE Mobility. Ein Startup bietet das Elektro-Nutzfahrzeug für den gratis Transport der Möbel beim Möbelhandel an. So geht eMobilität heute.

Meine wichtigste Vorhersage in Sachen Elektromobilität: wir vereinfachen die Ladesituation

Auch hier konnten wir im Jahresrückblick diverse große Fortschritte verzeichnen. In den Städten wächst die Anzahl der Ladesäulen dank der Investments der Energieversorger und diverser unabhängiger Anbieter. Für die Versorgung auf der Langstrecke bietet IONITY eine Lösung mit 400 Schnellladestationen, die in einer Rekordzeit von gerade einmal zwei Jahren europaweit ausgebaut werden. Startups kommen mit spannenden Ideen, wie etwa Ubitricity mit seinen Ladestationen in Straßenlaternen. Die Deutsche Telekom plant ein flächendeckendes Netzwerk an Ladestellen, diverse Supermärkte, Discounter, Shell & Co: die Ladesituation ist heute bereits kein Grund mehr für Reichweitenangst.

Mobilitätsjahr 2018 - meine Vorhersagen auf dem Prüfstand
Bildrechte: IONITY

Übergreifende Apps vereinfachen den Zugriff

Die Mobility Fachleute nennen das Multi-Modalität. Das steht für ein Angebot (per App) für die Nutzung mehrerer Verkehrsmittel, also zum Beispiel den ÖPNV und Bike-Sharing Angebote.

Mobilitätsjahr 2018 - meine Vorhersagen auf dem Prüfstand
„Mobil in Düsseldorf”: Rheinbahn und moovel vereinfachen den Zugang zur Mobilität

Die Stadt Düsseldorf hat hier jüngst eine sehr schöne Lösung aufgesetzt. Gemeinsam mit der Daimler Tochter moovel wurde eine integrierte App entwickelt. Hier werden in den nächsten Monaten sukzessive weitere Angebote wie Carsharing etc. integriert werden.

Mobility wird intelligenter

Das wird sie tatsächlich. Dank der Verfügbarkeit und Verarbeitung der Mobilitätsströme in den Städten und auf dem Land erkennen wir immer besser, wer zu welchem Zeitpunkt wohin fährt. Das hilft bei der Qualität von Angeboten, gerade wenn diese dann multimodal sein sollen. Ein Beispiel: im Juni startete in Stuttgart ein neues Mobilitätsangebot von moovel und den Stuttgarter Straßenbahnen SSB. In mehreren Regionen in und um Stuttgart werden seither räumlich oder zeitlich ergänzende, flexiblere Fahrten für die Fahrgäste angeboten. Fahrgäste können das sogenannte SBB Flex nutzen, um bequem zur nächstgelegenen ÖPNV-Haltestelle zu gelangen, um sich einen Umstieg zu sparen, einen Weg direkter oder früher zurückzulegen oder um den Weg zwischen Haltestelle und Haustür bequemer zu gestalten. Smart Mobility!

Wir schaffen die gesetzlichen Grundlagen für autonomes Fahren

Tja, hier habe ich leider falsch gelegen. Zu diesem Thema ist vor allem in Deutschland kaum Fortschritt festzustellen. Auch wenn ich häufiger gerade hier im Süden des Landes die Fahrzeuge von BMW, die für das autonome Fahren vorbereitet sind, sehe, so bewegt sich auf der politischen Ebene (fast) nichts. Wir drohen hier von den rasanten Entwicklungen in den USA, China und Israel abgehängt zu werden.

Die vielleicht markanteste Vorhersage war vielleicht nicht ganz ernst gemeint:

Apple kauft Tesla und Elon Musk haucht der verlangsamten Innovationsfreude bei Apple neues Leben ein.

Nun, wer den Äußerungen von Elon Musk selbst Glauben schenkte, der bekam mit, dass Tesla in der Mitte des Jahres kurz vor dem Bankrott stand. Die Schwierigkeiten, aus einer Vision des bezahlbaren Sportwagens in Form des Tesla Model 3 ein Massenprodukt zu machen, die brachen den eifrigen Kaliforniern fast das Genick. Da wäre ein Fire-Sale an Apple tatsächlich ein möglicher Schritt gewesen. Kam aber nicht so: das Model 3 entwickelt sich in den USA zum Verkaufsschlager und wird ab Februar 2019 auch in Deutschland erhältlich sein. Tesla bleibt eigenständig und Apple baut immer noch iPhones etc.

Das Fazit:

In fünf meiner sieben Vorhersagen habe ich für das Jahr 2018 richtig gelegen. Das finde ich persönlich jetzt gar keine so schlechte Ausbeute. Entscheidend ist für mich jedoch vor allem, dass das Jahr 2018 den wirklichen Durchbruch der eMobilität gebracht hat.

Die Elektromobilität ist mit allen ihren Auswirkungen zu einem Mega-Thema geworden. Sie betrifft seitens der Anbieter nicht nur den klassischen Automotive-Bereich. eMobilität umfasst auch die Zulieferer (die sogenannten Tier1 und Tier2), sie verzahnt sich mit der IT Industrie, den New-Mobility Anbietern, Startups bis hin zur Energiewirtschaft und der Immobilienwirtschaft (z.B. bei Ladelösungen).

Und letztlich handelt es sich bei der eMobilität um einen globalen Wettstreit, denn die traditionellen Wissensvorsprünge der hiesigen Unternehmen (wie etwa Bosch oder ZF) stehen in intensivstem Wettbewerb gegenüber amerikanischen, asiatischen und israelischen Anbietern. Es geht nicht zuletzt um die Sicherung von Arbeitsplätzen und Wohlstand, um ein umweltgerechtes Miteinander hier in Europa.

Von daher freue ich mich auf ein spannendes Jahr 2019 und viele interessante Entwicklungen aus dem Bereich der eMobilität. Bleiben Sie uns treu und kommen Sie gut in das neue Jahr.

Ihr Michael Brecht