Endlich, so mag man beinahe schreiben, hat Mercedes-Benz gestern seinen erstes vollelektrisches Fahrzeug in Stockholm vorgestellt. Mit einem elektrischen SUV treten die Schwaben unter dem neuen Markennamen Mercedes-Benz EQC in den Wettbewerb zu Tesla, dem Jaguar I-PACE und dem Audi e – tron. Wir hatten über erste Insights bereits vor zwei Tagen berichtet.

Von Paris nach Stockholm

Bereits auf dem Pariser Autosalon im Jahr 2016 hat Mercedes-Benz seine neue Produkt- und Technologiemarke für Elektromobilität präsentiert. Mitte 2019 wird es dann tatsächlich so weit sein. Mit dem EQC (Stromverbrauch kombiniert: 22,2 kWh/100 km; CO2-Emissionen kombiniert: 0 g/km, vorläufige Angaben) wird das erste Mercedes-Benz Fahrzeug der Marke EQ auf die Straße kommen.

Design, Funktionalität und Service

„Der EQC bringt Design, Funktionalität und Service auf einzigartige Weise zusammen. Er bietet alltagstaugliche E-Mobilität in einem ganz besonderen Paket: Der EQC ist ein Elektroauto und gleichzeitig zu 100 Prozent ein Mercedes“, so Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG und Leiter Mercedes-Benz Cars, bei der Vorstellung gestern in Stockholm.

Mit seinem nahtlosen, klaren Design und markentypischen Farbakzenten ist er Vorreiter einer avantgardistischen Elektro-Ästhetik für die Stuttgarter. Sicherheit und Komfort sind beim EQC von Mercedes-Benz tatsächlich die großen Stärken, denn hier zeigt das Elektrofahrzeug die charakteristischen Eigenschaften, für die Mercedes-Benz seit Jahrzehnten weltweit steht. Prägnantes Merkmal der Front ist die große Black-Panel-Fläche, die die Scheinwerfer und den Grill umschließt. Den oberen Abschluss des Black Panels bildet erstmals ein Lichtleiter als optische Verbindung zwischen den Mercedes‑Benz typischen Tagfahrlicht-Fackeln. Bei Nacht entsteht ein nahezu durchgängiges, horizontales Positionslichtband. Innengehäuse und Tuben der serienmäßigen MULTIBEAM LED Scheinwerfer sind in glänzendem Schwarz ausgeführt. Farbliche Kontrastelemente unterstreichen dezent die Zugehörigkeit zur neuen EQ Familie: blaue Streifen auf schwarzem Grund und ein ebenfalls blauer MULTIBEAM Schriftzug. Das sieht in der Tat recht futuristisch aus und wird ein klares Erkennungsmerkmal für die EQ-Marke sein.

Batterie & Kapazität

Der EQC verspricht eine hohe Fahrdynamik dank zweier Elektromotoren an Vorder- und Hinterachse mit zusammen 300 kW Leistung. Basis dafür ist eine Lithium-Ionen-Batterie (408 V, 210 Ah) mit einer Kapazität von 80 kWh.

Wie steht diese Version im Vergleich zu den Wettbewerbern da? Nun, leistungsmäßig  positioniert sich der EQC mit seinem Energiegehalt der Batterie nach NEFZ damit unterhalb von Tesla mit seinen 100 kWh. Der Jaguar I-PACE ist mit seinen 90 kWh ebenfalls stärker aufgestellt.

Der Mercedes-Benz EQC verspricht dank seiner ausgeklügelten Betriebsstrategie eine elektrische Reichweite von über 450 km nach NEFZ. Verbrauch und Reichweite hängen jedoch bei Elektrofahrzeugen sehr stark von der Fahrweise ab. Das ist auch das ehrliche Eingeständnis des Mercedes-Benz Management. Ob der ‚durchschnittliche‘ Fahrer eines EQC somit bei 450 km oder eher 300-350 km landet, das steht für uns alle in den Sternen und hängt zusätzlich von Witterungsbedingungen und Verkehrssituation ab.

Die EQ optimierte Navigation hilft dem Fahrer hierbei und legt bei der Berechnung stets die schnellste Route unter Berücksichtigung der kürzesten Ladezeit zugrunde. Zudem reagiert die Routenplanung dynamisch auf Änderungen, und sie kann off- und onboard erfolgen, also außerhalb (über die Mercedes me App) und innerhalb des Fahrzeugs. Dank der EQ optimierten Navigation können Mercedes-Benz Kunden Ladestationen leicht finden und bekommen über Mercedes me Charge bequemen Zugang zu Ladesäulen zahlreicher Anbieter, auch über Landesgrenzen hinweg. Dabei werden die Kunden von einer integrierten Bezahlfunktion mit einfacher Abrechnung profitieren.

Der EQC unterstützt zusätzlich seinen Fahrer durch fünf Fahrprogramme mit unterschiedlicher Charakteristik: COMFORT, ECO, MAX RANGE, SPORT und ein individuell anpassbares Programm. Eine wesentliche Rolle bei den sparsameren Fahrprogramm-Varianten spielt das haptische Fahrpedal, das den Fahrer beim ökonomischen Fahren leitet. Darüber hinaus hat der Fahrer die Möglichkeit, die Rekuperationsleistung über Schaltwippen, so genannten Paddles, hinter dem Lenkrad zu beeinflussen.

Das Laden beim Mercedes-Benz EQC

Der EQC verfügt serienmäßig über einen wassergekühlten On-Board-Lader (OBL) mit einer Leistung von 7,4 kW und ist damit für das Wechselstrom- (AC-) Laden zu Hause und an öffentlichen Ladestationen vorbereitet.

Bis zu drei Mal schneller als an einer Haushaltssteckdose erfolgt das Laden an einer Mercedes-Benz Wallbox. Und noch schneller geht es über Gleichstromladen – beim EQC serienmäßig – zum Beispiel via CCS (Combined Charging Systems) in Europa und den USA sowie CHAdeMO in Japan oder GB/T in China. Abhängig vom SoC (Status of Charge, deutsch: Ladestand) lädt der EQC an einer entsprechenden Ladestation mit einer maximalen Leistung von bis zu 110 kW. Die Ladezeit soll dann gemäß Schätzungen etwa 40 Minuten von 10 – 80 Prozent SoC betragen.

Technische Daten des EQC

CO2-Emission

0 g/km

Stromverbrauch (NEFZ)

22,2* kWh/100 km

Reichweite (NEFZ)

über 450* km

Antrieb

2 Asynchron-Maschinen, Allradantrieb

Nennleistung

300 kW (408 PS)

Max. Drehmoment

765 Nm

Höchstgeschwindigkeit

180 km/h (abgeregelt)

Beschleunigung 0-100 km/h

5,1 s

Batterie

Lithium-Ionen

Energieinhalt Batterie (NEFZ)

80 kWh

Batteriegewicht

650 kg

Länge/Breite (mit Spiegel)/Höhe

4.761/1.884 (2.096) /1.624 mm

Spurweite (VA/HA)

1.625/1.615 mm

Radstand

2.873 mm

Gepäckraum (je nach Ausstattung)

ca. 500 L

Leergewicht/zul. Gesamtgewicht/Zuladung (DIN)

2.425*/2.930/505 kg

zul. Anhängelast bei 12% Steigung

1.800 kg

 

Das Multimediasystem MBUX: Mit EQC spezifischen Inhalten

Der EQC erhält das wegweisende Multimediasystem MBUX – Mercedes-Benz User Experience, ergänzt um zahlreiche EQ spezifische Inhalte wie beispielsweise die Anzeige von Reichweite, Ladezustand und Energiefluss. EQ optimierte Navigation, Fahrprogramme, Ladestrom und Abfahrtszeit lassen sich ebenfalls über MBUX bedienen und einstellen.

In der MBUX Anzeige befindet sich eine spezielle EQ Kachel, auf der eine Vielzahl der EQ Features gebündelt wird. Alternativ kann der Nutzer über eine Taste im unteren linken Bedienfeld direkt in das EQ Menü des MBUX Systems gelangen. Die EQ spezifische Sprachsteuerung erleichtert dank natürlichem Sprachverstehen die Bedienung des EQC.

Die Produktion – Integration des EQC in die Serienfertigung

Die Serienproduktion des EQC startet 2019 im Mercedes-Benz Werk Bremen. Der neue EQC wird hierbei als rein elektrisches Fahrzeug in die laufende Serienfertigung integriert. Parallel dazu fährt bereits die Produktion eigener Batterien für den EQC im dafür ausgebauten Batteriestandort Kamenz (bei Dresden) hoch. Neben Bremen bereitet sich außerdem das deutsch-chinesische Produktions-Joint Venture Beijing Benz Automotive Co. Ltd. (BBAC) auf den Produktionsstart des EQC für den lokalen Markt vor.

Fazit

Die mit großem Aufwand inszenierte Präsentation des Mercedes-Benz EQC in Stockholm lässt mich ein wenig ratlos zurück. Einerseits bin ich vom Komfort, den Sicherheitsstandards und den technischen Möglichkeiten des EQC Elektrofahrzeugs überzeugt. Das Multimediasystem MBUX oder die neuartigen Lade- und Abrechnungsmöglichkeiten zeigen für Mercedes-Benz Kunden echte Mehrwerte. Schließlich gilt es hierbei auch, den bislang skeptischen Nutzer eines PKW mit Verbrenner in die moderne Welt der Elektromobilität zu begleiten. Die Marke Mercedes-Benz konzentriert sich hierbei auf ihre klassischen Werte und das ist gut so.

Auf der anderen Seite überrascht mich dann doch, wie wenig die Stuttgarter in Sachen Batterie oder Reichweite den Angriff auf Tesla, Jaguar & Co. wagen. Hier hätte ich mir die Antwort auf die Herausforderer im traditionellen Segment der Mercedes-Benz Fahrzeuge in deutlich innovativerer Form gewünscht. Und so ist die Aussage der Schwaben: ‚Mercedes-Benz bricht auf in eine neue Ära – „Electric now has a Mercedes”‘ zwar richtig. Ob diese Innovationen für den deutschen oder gar globalen Markt an Elektrofahrzeugen ausreichen werden, das wird sich zeigen. Denn Tesla hat sich in den vergangenen Jahren einen echten Vorsprung erarbeitet. Und der Jaguar I-PACE ist nun immerhin auch bereits einige Tage auf der Straße unterwegs. Wir sind gespannt.

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