Jetzt ist sie schon wieder Geschichte, die CES des Jahres 2019. Gemeinsam mit schätzungsweise 180.000 Besuchern wurde ich in den letzten vier Tagen Zeuge dessen, was die Hersteller aus Elektronik, Unterhaltungs- und vor allem der Automotive Szene an Ideen für die Zukunft mitgebracht hatten. Hier stelle ich meine Highlights der CES 2019 vor.

Auftakt meiner Highlights der CES 2019 machen die autonomen Shuttles

Autonome Shuttles sind sicherlich einer der größten Trends im Mobilitätssegment dieser CES. Selbstfahrende, kastenförmige Konzeptfahrzeuge werden in den USA Bots genannt. Sie tragen variable Aufbauten, die einerseits für den Personen- und andererseits für den Warentransport geeignet sind. Elektrisch und autonom sind sie unterwegs, dank der variablen Aufbauten ist ihr Einsatz für die sogenannte ‚letzte Meile‘ gedacht.

Beinahe sämtliche der klassischen OEMs wie Daimler, Kia, Nissan oder Toyota zeigten ihre Konzepte hierzu. Der japanische Fahrzeughersteller Toyota präsentierte beispielsweise in Las Vegas seine Studie mit dem vielsagenden Namen ’e-Palette’. Die kastenförmige, vollelektrische Studie versteht sich als Teil einer neuen Mobilität-Partnerschaft mit weiteren Unternehmen. Amazon, Didi, Mazda, Pizza Hut und Uber beteiligen sich an dem Projekt, um gemeinsam an der Fahrzeugplanung und weiteren Anwendungskonzepten zu arbeiten.

Erstaunliches hört man auch von den Zulieferern: die bislang mit eigenen Fahrzeugen sehr zurückhaltenden sogenannten Tier 1 und Tier 2 Unternehmen legen eigene dieser autonomen Shuttles auf und gehen damit zumindest per Studie in Wettbewerb zu ihren bisherigen Kunden. Bosch, ZF und Continental zeigten Prototypen, die sich ebenso wie diese von Baidu, DENSO, TransDev und anderen sehr in ihrem Auftritt ähnelten.

Ein besonderes Highlight war meine Mitfahrt im VIA IBM Watson, meinen kurzen Bericht zur Fahrt mit Victoria von ViaVan finden Sie am unteren Ende dieses Posts. ‚Hello Watson – take me to Vegas‘ war die Devise, lautlos und emissionsbefreit glitten wir über das Testgelände vor den Toren der Messe.

Meine persönlichen Highlights der CES 2019 – Vernetzung und autonomes Fahren

Insgesamt waren 50 Aussteller aus Deutschland nach Las Vegas gekommen. Gemeinsam mit den vielen internationalen Anbieter fokussierten sie im Mobility Bereich der Messe auf Themen der Vernetzung, Fahrerassistenzsysteme und Sensoren. Für das autonome Fahrzeug der Zukunft benötigen wir vernetzte Technologie welche zum Teil bereits in den heutigen Serienfahrzeugen installiert ist. Radar-, Laser- und LiDAR Systeme spielen für die Erkennung der Umgebung eine elementare Bedeutung. Neben dem amerikanischen Platzhirsch Velodyne zeigten mit dem deutschen Startup Blickfeld und vor allem chinesische Unternehmen wie weit sie damit sind.

Apropos China: es war ja quasi zu erwarten, dass im Rahmen der Unterhaltungselektronik vor allem Produkte aus China die Messe überfluten. Das ‚Bling-Bling‘ in einzelnen Messehallen rund um die Boxen, Booster, wearables, fahrbaren Koffer etc. war dementsprechend ziemlich Nerv tötend. Überrascht war ich, mit welcher Seriösität chinesische Unternehmen ihre Erfahrungen in Sachen Elektronik inzwischen in den Automotive Sektor übertragen haben. Gerade Baidu zeigte auf seinem Stand viele serienreife Produktionen, inklusive des autonomen Fahrzeuges mit dem schönen Namen ‚Weltmeister‘. Basierend auf dem vorhandenen Know-how aus der Unterhaltungselektronik werden digitale Lösungen entwickelt, um dann mit Connectivity Lösungen die Fahrzeuge zu erobern.

Mut zeigte ein deutscher OEM auf der CES 2019

Daimler hatte für die CES 2019 neben dem Launch des Mercedes-Benz CLA Coupé (on stage) einen eigenen People/Waren-Mover namens Vision URBANETIC mitgebracht. Im Unterschied zu den vielen Studien auf der Messe kann dieses elektrische Multitalent jedoch tatsächlich fahren, ein kurzer Stint auf dem Las Vegas Boulevard war dann auch eines der Highlights für Medien und die in dieser Nacht zufällig anwesenden Passanten. Mutig war aus meiner Sicht auch, dass die amerikanischen Daimler Truck Kollegen von Freightliner ihren neuen Cascadia Truck ausgerechnet auf der CES 2019 lancierten. Dieser Truck fährt auf Level 2 der autonomen Skalen und zeigt die vielen digitalen Neuerungen, die in Europa der Actros seit September an Bord hat. Der amerikanische Launch eines tonnenschweren Nutzfahrzeuges ausgerechnet auf einer Konsumentenmesse – cool.

Doch gerade in diesem Beispiel findet sich eine Brücke zu den Themen der ursprünglich als Unterhaltungsmesse orientierten Consumer Electronics Show. Daimler setzt die oben erwähnten Sensorik Funktionen in seinen Trucks ein. Über 400 dieser Sensoren sind im Lkw eingebaut. Das Zusammenspiel zwischen Kameras, Radar und LiDAR Sensoren, die sogenannte ‚Sensor Fusion‘, findet sich bereits heute in einem Nutzfahrzeug wieder. Und dann passen Nutzfahrzeuge mit all ihrer Elektronik, ihren Borddisplays und Sicherheitsfunktionen ja doch in diese Umgebung der CES.

Last but not least beeindruckte mich die Hubschrauber-Studie von Bell in Las Vegas. Sie gehört definitiv zu meinen persönlichen Highlights der CES 2019. In einem glänzenden Schwarz sieht dieses Flugobjekt aus wie eine riesige Drohne. Offene Rotorblätter, wie von klassischen Hubschraubern bekannt: Fehlanzeige. Die vier Rotoren sind ummantelt und schwenkbar. In der Spitze fliegt der Bell bis zu 270 km/h. In zirka fünf Jahren soll die Serienfertigung starten. Schon möglich, dass eines dieser Objekte dann in einem Bond oder Mission Impossible Film die Weltrettung unterstützen wird helfen.

Mein Fazit zu dieser CES 2019

Die CES 2019 war eine spannende Mischung aus klassischen Unterhaltungsangeboten mit viel ‚Bling-Bling‘ und einigen ernstzunehmenden Studien und Prototypen im Bereich der Mobilitätsanbieter. Am weitesten dabei waren neben den mutigen Schwaben von Daimler die chinesischen Aussteller. Deren Dominanz in Sachen Unterhaltungselektronik scheint nun auch sukzessive Einzug in den Automotive Bereich zu finden.

Meine autonome Rundfahrt mit dem VIA IBM Watson verpasst? Hier ist der Bericht mit Video:

Hello Watson, take me to Vegas …