Der Diesel ist nun bereits seit einigen Jahren in der Kritik. Ausgelöst wurde die Krise von Volkswagen, rund um den Skandal von veränderten Abgaswerten ging die Talfahrt des Selbstzünders los. Nun stellen sich viele Diesel-Fahrer die Frage, wie sie mit ihrem Fahrzeug verfahren sollen? Wann kommen Fahrverbote in den Innenstädten und welche Antriebsart soll der Verbraucher nun bevorzugen?

Ein persönlicher Erfahrungsbericht

Ich arbeite bei einem großen Discounter in der IT und pendele täglich eine Strecke von 150 km. Mein Lebensmittelpunkt ist Köln. Hier habe ich eine Wohnung mit meiner Freundin, die beruflich an Köln gebunden ist und gehe meinen sportlichen Aktivitäten nach. Ein Standortwechsel kommt für uns also nicht in Frage. Als ich den Job in der IT kurz vor Beendigung des Studiums fest zusagte, war mir bewusst, welches Auto ich haben wollte. Damals war der Diesel Skandal noch in den Kinderschuhen. Von Fahrverboten wollte noch Keiner sprechen.

BMW 120d

Ich fahre einen BMW 120 d und habe mir damals bewusst dieses Auto geleistet. Mir war klar; wenn du viel fährst, willst du ein Auto, welches einen geringen Verbrauch hat, Spaß macht, gut aussieht und die Strecke auch in den nächsten Jahren ohne größere Probleme bewältigt. Bis jetzt ist dieser Fall genauso eingetreten! Ich fahre täglich die 150 km Autobahn mit einem Durchschnittsverbrauch von 5,1 Litern und nutze die Vorteile meines Navigationssystems mit Real Time Traffic, um geschickt jedem größeren Stau aus dem Weg zu gehen. So verbringe ich täglich weniger als 2 Stunden auf den Straßen und bin flexibel in der Ausgestaltung meiner Abläufe. Jetzt stellt sich jedoch für mich immer mehr die Frage: soll ich mein Auto verkaufen? Was wären Alternativen? Was bekomme ich noch für ein Fahrzeug mit Euro 5 Norm?

Verfügbare Elektroautos

Die verfügbaren Elektroautos für eine Strecke von 150 km täglich sind begrenzt. An dem Standort meines Arbeitgebers ist nur eine Ladestationen in der näheren Umgebung erreichbar. 10 Minuten Gehzeit würden trotzdem oben drauf kommen.

Wenn ich weiter BMW fahren wollen würde, käme nur der i3 als reiner Stromer in Frage. Den Hintergrund, warum die BMW Designer dieses KFZ so unansehnlich gemacht haben, kenne ich nicht. Preislich bewegt sich der gebrauchte i3 in einem Rahmen ab 25000€. Auch hier erkennt man, den Fortschritt muss man nicht nur beim Aussehen zahlen. Mit einer realistischen Reichweite von knapp 250-300 km würde mir der i3 problemlos die Hin- und Rückfahrt ohne Ladevorgang während der Arbeit ermöglichen.

Würde man Abstriche bei der Leistung und Ausstattung machen, kommen beispielsweise auch Fahrzeuge der Hersteller VW, Nissan und Fiat in die nähere Betrachtung.

Parameter und Preis

  • Fiat 500e |113 PS |24 kWh Batterie: Der Fiat 500e wird mit einer realistischen Reichweite von 100-160 km angegeben. Mit einer Laufleistung von 25000 km kostet er bei mobile.de ab 14000 Euro.
  • Nissan Leaf |109 PS |24 kWh Batterie: Der Nissan Leaf wird mit einer Reichweite von 160 km in der ersten Version angegeben. Preislich bewegt man sich bei einem gebrauchten Modell mit 25000 km ab ca. 15000€.
  • VW eGolf |116 PS |35 kWh: Der eGolf gleicht seinen Verbrenner Geschwistern im Aussehen, hat jedoch nur eine effektive Reichweite von knapp 180 km. Ein gebrauchtes Modell mit 30000 km wird ab 20000 € gehandelt.

Bei all diesen Fahrzeugen bekomme ich jedoch persönlich das Problem, dass sobald ich das Fahrzeug auf der Arbeit nicht aufladen kann, die Wetterbedingungen sich verschlechtern oder andere Einflüsse auf die Reichweite drücken, ich nicht nach Hause komme. Keine wünschenswerte Situation.

Alternative Hybrid

Mein nächster Schritt in meinen Überlegungen den Diesel zu umgehen, wäre ein Hybrid. Durch die Kombination von Elektromotor- und Verbrenner, wird die Reichweite laut Herstellerangaben signifikant gedrückt.

Wieder habe ich nach meiner favorisierten Marke geguckt und bei BMW den 330e Performance gefunden. Ab ca. 30000 Euro bekommt man einen gebrauchten Wagen, der mit 252 PS einen Normverbrauch von 1,9 Litern angibt. Durchaus interessant, jedoch leider für die meisten Verbraucher und mich preislich nicht erreichbar. Der BMW 225xe wirkt dabei ab 25000 Euro bereits attraktiver, kommt jedoch bei mir optisch nicht in die engere Auswahl.

Verzichtet man nun wieder auf Leistung und andere Ausstattungsmerkmale der Premium Hersteller, kommen die Hersteller Toyota und Suzuki in Betracht.

Parameter und Preis

  • Toyota Yaris | 101 PS Verbrauch |3,7 Liter kombiniert: Einen Yaris bekommen Verbraucher ab ca. 11000 € mit einer Laufleistung von 30000 km.
  • Suzuki Swift | 111 PS | 4,3 Liter kombiniert: Den Swift bekommt man mit wenigen Kilometern bereits ab 15000 €.

Fahrverbote

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat die Fahrverbotsurteile der ersten Instanz bestätigt. Das Gericht urteilte außerdem, das Euro-5-Fahrzeuge „nicht vor dem 1. September 2019 mit Verkehrsverboten belegt werden“ dürfen. Das heißt für meinen konkreten Fall 1 ½ Jahre Bedenkzeit, bevor ich möglicherweise nicht mehr in die Innenstadt von Köln komme. Die 5,92 Millionen Euro-5 Nutzer haben also noch einen großzügigen Überlegungszeitraum. Jedoch haben wir auch 6,49 Millionen Diesel Fahrzeuge mit Euro 4 und weniger auf den Straßen Deutschlands. Hier wird bereits mit früheren Verboten gerechnet. (Stuttgarter Zeitung)

Wiederverkaufswert

Fest steht, dass auch der Wiederverkaufswert von Fahrzeugen mit Selbstzünder deutlich gesunken ist und auch in Zukunft sinken wird. Die Standzeiten der Autos bei den Händlern sind auf fast vier Monate gestiegen (Dieselbarometer der Deutschen Automobil Treuhand (DAT)) und das Kraftfahrzeuggewerbe im Südwesten schätzt, dass der Wertverlust bei älteren Dieselautos bis zu 15 Prozent erreichen werde. Millionen Fahrzeugbesitzer haben also plötzlich weniger Geld zur Verfügung um ein neues Auto gegen das Alte einzutauschen. Bei einem Restfahrzeugwert von 10000 Euro, hat man also schnell nur noch 8500 € zur Verfügung, ein signifikanter Abfall.

6000 Tote durch Diesel-Abgase: Signale der Politik

Und auch die Politik kann sich nicht entscheiden, wie sie den Diesel beurteilen soll. Blauäugig wurde eine Studie veröffentlicht, die angab das 6000 Tote auf das Konto des Diesels gingen: „Die Studie zeigt, wie sehr Stickstoffdioxid der Gesundheit in Deutschland schadet. Wir sollten alles unternehmen, damit unsere Luft sauber und gesund ist. Gerade in den verkehrsreichen Städten besteht Handlungsbedarf. Das hat das Bundesverwaltungsgericht bestätigt. Selbst Fahrverbote sind als letztes Mittel demnach möglich“ UBA-Präsidentin Maria Krautzberger.

Jedoch stellte sich die Studie des Umweltbundesamts als haltlos heraus. „Ist eine Person an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung gestorben, kann dies nicht eindeutig etwa auf eine Belastung mit Stickstoffdioxid zurückgeführt werden“, sagt Prof. Dr. Joachim Heinrich von der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) der BILD.

Auch das Bundesumweltministerium hat mittlerweile relativiert. „Die Studie nähert sich durch statistische Berechnungen und Zusammenhänge zwischen zahlreichen Faktoren und Kriterien der Zahl vorzeitiger Todesfälle aufgrund von Stickstoffdioxidbelastungen an. Nicht mehr und nicht weniger leistet diese Studie“, so ein Ministeriums-Sprecher.

Die Panikmache, produziert von der Regierung die jahrelang den Diesel unterstützt hat und verlauten ließ: „den Diesel wird es noch viele, viele Jahre geben, genauso wie den Verbrennungsmotor“. Merkel spricht in diesem Zusammenhang von „Jahrzehnten“.

Wichtiger Faktor des Diesels

Der Dieselmotor wird heutzutage benötigt, um die Klimaschutzziele einzuhalten. Dies geht einher mit modernen und umweltfreundlichen Dieselmotoren und kann nicht mit einer Jahreszahl betitelt werden. Das heißt im Umkehrschluss; verbannen wir die Diesel von der Straße und tauschen Sie gegen gleichalte Benziner ein, so wird Deutschland das Klimaschutzziel nicht erreichen!

Fazit

Ich habe noch knapp 1 ½ Jahre Zeit um meine Überlegungen für ein neues KFZ zu treffen, eine lange Zeit in der viel passieren kann. Eventuell ist mein BMW 120 d nachrüstbar und darf dann mit Euro 6 Norm in die Innenstädte Deutschlands. Ende 2019 kommt auch das Tesla Model 3 auf den europäischen Markt. Mit 40000 Euro dann wahrscheinlich außerhalb meines Budgets, aber man weiß ja nie.

Für mich steht fest, dass die Politik und die Automobilindustrie in der Bringschuld sind. Es kann nicht sein, dass man ein System jahrelang subventioniert und dann plötzlich wie eine heiße Kartoffel fallen lässt. Zusammen mit den Autobauern muss man sinnvolle Lösungen und Alternativen erarbeiten.

Wir haben auf unserem Blog bereits oft festgestellt, dass die elektrische Mobilität momentan in Deutschland nur sehr eingeschränkt möglich ist. Es ist an der Zeit das Henne und Ei Problem zu lösen und eine vernünftige Ladeinfrastruktur zu schaffen, sodass die dt. Hersteller wie versprochen, 2020 ihre elektrischen Fahrzeuge auf den Markt bringen können und man dann mit möglichst vielen Ladestationen der eMobilität freundlich entgegen gehen kann. Ich bin bereit, aber bitte mit vernünftiger Optik, Auswahl und Reichweite, sodass Strecken von 150 km möglich sind, auch an zwei Tagen hintereinander.

5 KOMMENTARE

  1. sehr guter Bericht. So ist es. Aus den Gründen fahre ich seit 7 Jahren Hybrid.80 Km rein elektrisch für meine 70 % Kurzstrecken und den Rest kombiniert mit Benzin, Verbrauch im Schnitt auf 70 000 Km 2,5 l Normalbenin/100km.

      • Chevrolet Volt, würde heute den neuen Volt II in Amerika holen. Z. Zt. aber noch kein Bedarf zum Wechseln, da der AKKU nach 7 Jahren und 80 000 Km noch volle Leistung hat.

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